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Ratgeber

Wunden zu Hause versorgen: Wundarten, Warn­zei­chen und Kosten

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Eine Wunde gilt als chronisch, wenn sie nach acht Wochen nicht abgeheilt ist; typisch sind Druckgeschwüre, offene Beine und Wunden am diabetischen Fuß. Sie gehören in ärztliche Behandlung. Verordnete Verbandmittel zahlt die Krankenkasse, Sie zahlen 10 Prozent zu, 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Mittel, ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro. Den Verbandwechsel durch einen Pflegedienst zahlt sie ebenfalls, mit Zuzahlung (Stand 18.10.2026).

Viele pflegende Angehörige haben irgendwann mit Wunden zu tun: einer Operationsnarbe, die nässt, einem offenen Bein, das nicht zuheilt, einer Druckstelle am Steiß. Mit zunehmendem Alter und bei manchen Erkrankungen heilen Wunden langsamer. Dieser Ratgeber gehört zum Bereich Pflegewissen und erklärt Wundarten, Warnzeichen und Kosten. Wie Sie kleine Alltagswunden mit einem Pflaster versorgen, erklärt der Ratgeber Wunde und Pflaster.

Welche Wundarten gibt es?

Fachleute unterscheiden akute und chronische Wunden. Akute Wunden entstehen plötzlich durch eine Verletzung oder Operation und heilen bei gesunden Menschen meist ohne Probleme. Chronische Wunden heilen nach der Definition der S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden innerhalb von acht Wochen nicht ab; dahinter steht meist eine Grunderkrankung wie eine Durchblutungsstörung, eine Venenschwäche oder Diabetes. Andere Stellen nennen etwas andere Zeiträume, etwa gesund.bund.de vier bis zwölf Wochen.

WundartBeispieleTypische UrsacheWer behandelt
akut, oberflächlichSchürfwunde, kleiner Schnitt, BlaseVerletzung im Alltagmeist selbst, bei Warnzeichen Arztpraxis
akut, tiefertiefer Schnitt, Riss- oder Platzwunde, Bisswunde, VerbrennungUnfall, Sturz, TierArztpraxis oder Notaufnahme
OperationswundeNaht nach EingriffOperationnach Vorgabe der Klinik oder Arztpraxis
Druckgeschwür (Dekubitus)Steiß, Fersen, Hüfteanhaltender Druck, wenig BewegungArztpraxis, Pflegedienst
offenes Bein (Ulcus cruris)Unterschenkel, oft am Knöchelgestörter Rückfluss in den Venen oder Durchblutungsstörung der ArterienArztpraxis, oft mit Fachpraxis
diabetisches FußulkusFußsohle, ZehenNervenschaden und Durchblutungsstörung bei DiabetesArztpraxis, spezialisierte Fußambulanz

Quelle: S3-Leitlinie 091-001, Version 2.2 (Stand 31.10.2023); gesund.bund.de, Chronische Wunden (Stand 21.03.2023) und Druckgeschwür (Stand 23.01.2023). Spalte "Wer behandelt": redaktionelle Einordnung. Stand: 18.10.2026.

Bei chronischen Wunden reicht es nicht, die Wunde zu verbinden. Die Ursache muss mitbehandelt werden, etwa der Druck beim Dekubitus, der Venenstau beim offenen Bein oder der Blutzucker beim diabetischen Fußsyndrom.

Wie heilt eine Wunde?

Eine Wunde heilt in mehreren Phasen, die ineinander übergehen. Zuerst reinigt der Körper die Wunde und wehrt Keime ab; die Umgebung ist dabei leicht gerötet und warm. Dann wächst neues, gut durchblutetes Gewebe vom Wundgrund her, zuletzt schließt sich die Wunde vom Rand mit neuer Haut.

Viele moderne Wundauflagen halten die Wunde feucht, decken sie ab und schützen vor Infektionen. Welche Auflage passt, hängt nach Angaben der Fachliteratur vom Stadium, von der Menge der Wundflüssigkeit, von einer Infektion und vom Zustand der Haut rundherum ab. Die Auswahl trifft deshalb die Ärztin oder eine Pflegefachkraft mit Erfahrung in der Wundversorgung.

Was die Heilung bremst: Druck auf die Wunde, Durchblutungsstörungen, eine Venenschwäche, Diabetes, Mangelernährung und ein geschwächtes Immunsystem; Rauchen verschlechtert die Durchblutung (gesund.bund.de). Sprechen Sie diese Punkte bei der Ärztin an.

Was können Angehörige bei der Wundversorgung tun?

Angehörige übernehmen vor allem drei Aufgaben: beobachten, Ursachen vermeiden und den Behandlungsplan umsetzen, soweit sie dafür angeleitet sind. Diese Grundregeln gelten bei jeder Wunde:

  1. Hygiene: Vor und nach jedem Kontakt mit der Wunde die Hände desinfizieren, Einmalhandschuhe tragen, die Wundauflage nicht mit den Fingern berühren.
  2. Nach Plan arbeiten: Wechseln Sie Verbände nur so, wie es die Ärztin oder der Pflegedienst vorgegeben hat. Eigene Salben, Puder oder Hausmittel haben auf einer chronischen Wunde nichts zu suchen.
  3. Ursache entlasten: bei Druckgeschwüren lagern, bei offenen Beinen die verordnete Kompression konsequent tragen lassen, bei Diabetes auf passende Schuhe und eine fachgerechte Fußpflege achten, mehr im Ratgeber Medizinische Fußpflege.
  4. Beobachten und notieren: Größe, Geruch, Farbe, Wundflüssigkeit und Schmerzen beim Verbandwechsel notieren; ein Pflegetagebuch hilft, den Verlauf zu beschreiben, eine Vorlage bietet der Ratgeber Pflegetagebuch.
  5. Allgemeinzustand stärken: genug trinken und essen, so viel Bewegung wie möglich.

Den Verbandwechsel bei einer chronischen Wunde übernimmt oft ein Pflegedienst. Lassen Sie sich trotzdem zeigen, worauf Sie zwischen den Besuchen achten sollen.

Woran erkennen Sie, dass eine Wunde schlecht heilt?

Holen Sie ärztlichen Rat, wenn eine Wunde nicht kleiner wird oder sich verändert. Diese Zeichen sollten Sie ernst nehmen:

  • zunehmende Rötung, Schwellung oder Überwärmung der Umgebung,
  • stärkere oder pochende Schmerzen,
  • Eiter, trübe Wundflüssigkeit oder unangenehmer Geruch,
  • schwarzes, gelbes oder graues Gewebe in der Wunde,
  • ein roter Streifen, der von der Wunde wegzieht,
  • Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl,
  • eine Wunde, die nach einigen Wochen nicht deutlich kleiner geworden ist.

Frische Wunden, die groß oder tief sind oder auseinanderklaffen, gehören gleich in ärztliche Hand. Klaffende Wunden werden oft schon ab etwa 0,5 bis 1 Zentimeter Länge genäht, geklammert oder geklebt, möglichst innerhalb der ersten sechs Stunden.

Breiten sich Keime aus, droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Bei Fieber mit starkem Krankheitsgefühl oder einem rasch fortschreitenden roten Streifen warten Sie deshalb nicht ab. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall den Rettungsdienst unter 112. Denken Sie bei jeder Wunde auch an den Tetanusschutz; das RKI gibt die Empfehlung der Ständigen Impfkommission wieder, Erwachsene alle 10 Jahre aufzufrischen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Verbandmittel, die eine Ärztin verordnet, zahlt die Krankenkasse (§ 31 Abs. 1 SGB V). Als Verbandmittel gelten nach § 31 Abs. 1a SGB V Gegenstände, die geschädigte Haut abdecken oder Wundflüssigkeit aufsaugen, einschließlich Fixiermaterial; auch Auflagen, die die Wunde zusätzlich feucht halten oder reinigen, bleiben Verbandmittel. Erwachsene zahlen je Mittel 10 Prozent des Preises, 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro, aber nie mehr als die Kosten (§ 31 Abs. 3, § 61 SGB V). Ab 01.01.2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro; das hat der Gesetzgeber mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen.

Den Verbandwechsel und die Versorgung chronischer, schwer heilender Wunden durch einen Pflegedienst kann die Ärztin als häusliche Krankenpflege verordnen, jeweils für bis zu vier Wochen je Verordnung (Häusliche Krankenpflege-Richtlinie, Nr. 31 und 31a). Chronische Wunden soll dabei ein Pflegedienst versorgen, der auf Wundversorgung spezialisiert ist. Ist die Versorgung zu Hause zu aufwendig, kann sie auch in einer spezialisierten Einrichtung außerhalb der Wohnung erfolgen, wenn das aus der Verordnung hervorgeht (§ 37 Abs. 7 SGB V). Für häusliche Krankenpflege zahlen Erwachsene 10 Prozent der Kosten, begrenzt auf die ersten 28 Tage im Jahr, und 10 Euro je Verordnung; ab 01.01.2027 15 Euro je Verordnung (§ 37 Abs. 5, § 61 Satz 3 SGB V). Wie häusliche Krankenpflege und Pflegeversicherung zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Häusliche Pflege.

Alle Zuzahlungen zählen zur Belastungsgrenze von 2 Prozent der Bruttoeinnahmen im Jahr, bei schwerwiegend chronisch Kranken 1 Prozent (§ 62 SGB V). Beim Pflegegrad kann die Hilfe bei Verbandswechsel und Wundversorgung Punkte bringen (Anlage 1 zu § 15 SGB XI, Kriterium 5.8); mehr auf der Seite Pflegegrad.

Ein Beispiel: Ein offenes Bein heilt nicht

Eine Frau mit Pflegegrad 2 hat seit drei Monaten eine offene Stelle am Unterschenkel. Die Tochter hat sie bisher mit Pflastern aus der Drogerie abgedeckt. Die Hausärztin stellt ein venöses Ulcus cruris fest, überweist in eine Fachpraxis und verordnet Kompression, Wundauflagen und häusliche Krankenpflege für den Verbandwechsel.

Ein Pflegedienst kommt dreimal in der Woche; die Krankenkasse zahlt. Die Frau zahlt 2026 für die Wundauflagen höchstens 10 Euro je Mittel und für den Pflegedienst 10 Prozent der Kosten der ersten 28 Tage plus 10 Euro je Verordnung; ab 2027 gelten 15 Euro als Obergrenze je Mittel und 15 Euro je Verordnung. Die Tochter achtet darauf, dass die Kompression getragen wird, und notiert, wie sich die Wunde verändert.

Wann die Regeln nicht gelten

Kleine, frische Alltagswunden heilen meist ohne Arztbesuch und ohne Rezept; Pflaster dafür kaufen Sie selbst. Bei chronischen Wunden dagegen ersetzt keine Pflege zu Hause die ärztliche Behandlung der Ursache. Wundprodukte mit arzneilicher Wirkung sind keine Verbandmittel; ob sie verordnet werden können, regelt der Gemeinsame Bundesausschuss. Mehr zu Erkrankungen, die die Wundheilung stören, im Ratgeber Diabetes-Folgen und Pflegegrad und im Bereich Krankheitsbilder.

Häufige Fragen

Ab wann gilt eine Wunde als chronisch?
Wenn sie nach acht Wochen nicht abgeheilt ist. Dann sollte die Ursache ärztlich geklärt und behandelt werden.

Zahlt die Krankenkasse Wundauflagen?
Ja, wenn die Ärztin sie verordnet. Sie zahlen 10 Prozent zu, 2026 mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Mittel, ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro.

Wer wechselt den Verband zu Hause?
Das kann ein Pflegedienst auf ärztliche Verordnung übernehmen, die Krankenkasse zahlt. Angehörige können nach Anleitung mithelfen, sollten aber nur nach Plan arbeiten.

Sollte man eine Wunde an der Luft heilen lassen?
Bei chronischen Wunden nein. Wundauflagen halten die Wunde feucht und schützen sie; welche passt, entscheidet die Ärztin.

Was tun, wenn die Wunde riecht?
Geruch kann auf eine Infektion hinweisen. Lassen Sie die Wunde zeitnah ansehen, besonders wenn Rötung, Schmerzen oder Fieber hinzukommen.

Zusammenfassung

Akute Wunden entstehen durch Verletzung oder Operation, chronische Wunden heilen nach acht Wochen nicht ab und haben fast immer eine Grunderkrankung als Ursache. Angehörige helfen am meisten durch Hygiene, Arbeit nach dem Behandlungsplan, Entlastung der Ursache und aufmerksames Beobachten. Rötung, Schwellung, Eiter, Geruch oder Fieber sind Warnzeichen. Verordnete Verbandmittel und den Verbandwechsel durch einen Pflegedienst zahlt die Krankenkasse mit Zuzahlung. Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen.

Quellen

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