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Ratgeber

Dekubitus: Grade, Anzeichen und was Ange­hö­rige jetzt tun können

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür: Haut und Gewebe werden durch anhaltenden Druck geschädigt, meist an Steiß, Fersen oder Hüfte. Fachleute unterscheiden vier Grade, von der Rötung, die beim Fingerdruck nicht verblasst (Grad 1), bis zur tiefen Wunde bis auf Muskel oder Knochen (Grad 4). Ab Grad 2 ist die Haut offen und gehört in ärztliche Behandlung (Stand 18.10.2026).

Ein Druckgeschwür fällt oft beim Waschen oder Umziehen auf: eine Rötung am Steiß, die nicht weggeht, eine Blase an der Ferse. Viele Angehörige erschrecken und machen sich Vorwürfe. Ein Dekubitus kann auch bei guter Pflege entstehen; entscheidend ist, früh zu handeln. Dieser Ratgeber gehört zum Bereich Pflegewissen.

Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt, ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, meist über einem Knochenvorsprung. Er entsteht durch Druck, oft zusammen mit Scherkräften, also wenn die Haut beim Rutschen im Bett gegen das Gewebe verschoben wird. Der Druck drückt die feinen Blutgefäße zusammen, das Gewebe wird nicht mehr versorgt und nimmt Schaden.

Typische Stellen sind Steißbein und Kreuzbein, Fersen, Hüften, Gesäß, Schulterblätter, Ellenbogen und Hinterkopf. Bei Menschen im Rollstuhl sind die Sitzbeinhöcker gefährdet. Druckgeschwüre können schmerzen und heilen meist langsam. Deshalb steht in allen Leitlinien die Vorbeugung an erster Stelle.

Welche Grade hat ein Dekubitus?

Ein Dekubitus wird nach der Tiefe der Schädigung in vier Grade eingeteilt, international Kategorien oder Stadien genannt. Die Einteilung stammt von den Fachgesellschaften EPUAP und NPIAP (Europäischer und US-amerikanischer Beirat für Druckgeschwüre); in Deutschland verwendet auch die amtliche Diagnoseklassifikation ICD-10-GM vier Grade.

GradBeschreibung nach EPUAP/NPIAPICD-10-GM 2026Was Sie jetzt tun
1Intakte Haut mit Rötung, die beim Fingerdruck nicht verblasst; die Stelle kann schmerzen, härter, weicher, wärmer oder kälter seinL89.0Stelle sofort vom Druck entlasten, Pflegedienst oder Arztpraxis informieren
2Teilverlust der Haut: flache, offene Wunde mit rotem bis rosa Grund ohne Beläge oder eine gefüllte oder geplatzte BlaseL89.1Druck wegnehmen, zeitnah ärztlich ansehen lassen
3Verlust aller Hautschichten; Fettgewebe kann sichtbar sein, Knochen, Sehnen und Muskeln nichtL89.2zeitnah ärztliche Behandlung, Wundversorgung nach Behandlungsplan
4Vollständiger Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder MuskelnL89.3zeitnah ärztliche Behandlung, oft Wundzentrum oder Klinik

Quelle: EPUAP, NPIAP, PPPIA, Kurzfassung der Internationalen Leitlinie 2019 (deutsche Fassung 2020); BfArM, ICD-10-GM 2026, L89; Spalte "Was Sie jetzt tun": redaktionelle Zusammenfassung, Fachprüfung offen. Stand: 18.10.2026.

Die Leitlinie kennt zwei weitere Einordnungen. "Keiner Kategorie zuordenbar" heißt: Die Wunde ist von Belag oder Schorf bedeckt, deshalb ist ihre Tiefe nicht zu erkennen. "Vermutete tiefe Gewebeschädigung" beschreibt eine dunkelrote bis violette Verfärbung oder Blutblase bei intakter Haut; darunter kann das Gewebe bereits stark geschädigt sein. Beides gehört sofort in ärztliche Hände.

Dekubitus Grad 1 erkennen: der Fingertest

Bei Grad 1 ist die Haut noch geschlossen, aber gerötet. Ob eine Rötung harmlos ist, zeigt der Fingertest, den auch die internationale Leitlinie empfiehlt: Drücken Sie mit dem Finger kurz und leicht auf die gerötete Stelle. Wird sie weiß und danach wieder rot, ist die Durchblutung erhalten. Bleibt sie beim Drücken rot, ist das ein Dekubitus Grad 1.

Auf dunkler Haut ist das Abblassen oft nicht zu sehen. Achten Sie dann auf eine Verfärbung gegenüber der Umgebung, auf Wärme, Schwellung, Verhärtung oder Schmerzen. Grad 1 ist das wichtigste Warnzeichen: Wer jetzt konsequent entlastet, kann eine offene Wunde oft verhindern.

Woran erkennen Sie einen Dekubitus Grad 2?

Bei einem Dekubitus Grad 2 ist die oberste Hautschicht verletzt, die Haut ist offen. Sie sehen eine flache Wunde mit rotem oder rosa Grund, oft glänzend, oder eine Blase, die mit klarer Flüssigkeit gefüllt oder schon aufgeplatzt ist. Die Wunde ist nicht tief, und es liegt kein gelblicher oder schwarzer Belag auf.

Typisch ist, dass die Stelle an einem Druckpunkt liegt und vorher eine Rötung da war. Nicht jede wunde Stelle im Gesäßbereich ist ein Druckgeschwür: Die Leitlinie grenzt Hautrisse, Schäden durch Pflaster und wunde Haut durch Feuchtigkeit bei Inkontinenz ausdrücklich ab. Die Unterscheidung trifft die Ärztin oder der Pflegedienst; handeln müssen Sie in beiden Fällen. Hilfen bei Inkontinenz zeigt die Seite Inkontinenz.

Bis die Ärztin oder der Pflegedienst da ist, können Sie viel tun:

  1. Druck sofort wegnehmen: Lagern Sie Ihren Angehörigen so, dass die Wunde nicht mehr aufliegt. Ohne Druckentlastung kann die Wunde nicht abheilen.
  2. Arztpraxis oder Pflegedienst zeitnah informieren; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
  3. Wunde nicht selbst behandeln: Welche Wundauflage passt, legt die Ärztin oder der Pflegedienst fest. Tragen Sie bis dahin keine eigenen Mittel auf.
  4. Andere Stellen prüfen: alle gefährdeten Körperstellen ansehen, auch die Fersen.
  5. Trinken und Essen fördern und Schmerzen ansprechen, besonders beim Verbandwechsel.

Welche Wundauflage passt und wie oft sie gewechselt wird, legt der ärztliche Behandlungsplan fest; Grundwissen zu Verbänden auf Rezept bietet der Ratgeber Wundversorgung.

Was bedeuten Grad 3 und Grad 4?

Bei Grad 3 und Grad 4 ist die Wunde tief. Bei Grad 3 sind alle Hautschichten zerstört, das Fettgewebe kann sichtbar sein. Bei Grad 4 liegen Muskeln, Sehnen oder Knochen frei; die Wunde kann Taschen unter dem Wundrand bilden. Solche Wunden behandeln Ärztin und Pflegedienst gemeinsam, oft mit Unterstützung einer Wundsprechstunde oder eines Krankenhauses. Für Sie als Angehörige bleibt die Aufgabe dieselbe: Druck vermeiden und Veränderungen sofort melden.

Wer ist besonders gefährdet?

Am stärksten gefährdet sind Menschen, die sich kaum selbst bewegen können oder viel liegen oder sitzen, und Menschen, deren Haut beim Umlagern verschoben wird. Die internationale Leitlinie nennt weitere Risikofaktoren. Diese Checkliste hilft Ihnen, das Risiko mit dem Pflegedienst oder der Arztpraxis zu besprechen:

  • eingeschränkte Beweglichkeit oder Bettlägerigkeit, etwa nach einem Bruch oder Schlaganfall
  • ein bestehender oder früherer Dekubitus, auch schon eine Rötung Grad 1
  • Diabetes, Durchblutungsstörungen oder eine eingeschränkte Sauerstoffversorgung des Körpers
  • schlechter Ernährungszustand, wenig Essen und Trinken
  • feuchte Haut, etwa durch Inkontinenz oder starkes Schwitzen, und Fieber
  • gestörtes Empfinden, etwa bei Lähmungen oder Nervenschäden, und Schmerzen an Druckstellen
  • höheres Lebensalter

Je mehr Punkte zutreffen, desto wichtiger sind regelmäßige Hautkontrollen und ein Bewegungsplan. Auch nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Verschlechterung sollte das Risiko neu eingeschätzt werden.

Wie beugen Sie einem Dekubitus vor?

Vorbeugen heißt vor allem: Druck vermeiden und Bewegung fördern. Der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) nennt dafür Risikoeinschätzung, Förderung der Eigenbewegung, einen individuellen Plan für Positionswechsel, druckverteilende Hilfsmittel und regelmäßige Hautkontrolle; Angehörige werden ausdrücklich einbezogen. Wie das zu Hause gelingt, mit Lagerung, Hautpflege, Ernährung und einem Bewegungsplan zum Ausfüllen, erklärt der Ratgeber Dekubitusprophylaxe.

Bei hohem Risiko kann die Ärztin eine Matratze oder Auflage gegen Dekubitus, etwa eine Wechseldruckmatratze oder eine Weichlagerungsmatratze; mehr im Ratgeber Antidekubitusmatratze und auf der Seite Hilfsmittel.

Wann muss eine Ärztin den Dekubitus ansehen?

Jeder Dekubitus ab Grad 2 gehört in ärztliche Behandlung, ebenso eine Rötung Grad 1, die trotz Entlastung nicht innerhalb kurzer Zeit verblasst. Die Ärztin legt fest, wie die Wunde versorgt wird, und kann einen Pflegedienst verordnen. Rufen Sie zeitnah an, wenn

  • die Wunde größer oder tiefer wird oder sich gelblicher oder schwarzer Belag bildet,
  • die Umgebung stark gerötet, warm oder geschwollen ist,
  • die Wunde riecht oder eitert,
  • die Schmerzen zunehmen,
  • Fieber auftritt oder Ihr Angehöriger plötzlich verwirrt oder sehr schwach ist.

Bei Lebensgefahr rufen Sie den Rettungsdienst unter 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wer bezahlt Behandlung, Pflegedienst und Matratze?

Die Behandlung eines Dekubitus zahlt die Krankenkasse, auch ohne Pflegegrad. Die Übersicht zeigt, welche Leistung über welchen Weg läuft:

LeistungWer zahltVoraussetzungIhr Eigenanteil
Positionswechsel durch den PflegedienstKrankenkasseärztliche Verordnung häuslicher Krankenpflege, ab Grad 110 Prozent der Kosten für höchstens 28 Tage im Jahr plus 10 Euro je Verordnung, ab 01.01.2027 plus 15 Euro
Wundversorgung durch den PflegedienstKrankenkasseVerordnung zusätzlich zum Positionswechselwie oben
Anleitung der Angehörigen zum LagernKrankenkasseTeil der Verordnungwie oben
Wundauflagen und VerbändeKrankenkasseärztliche Verordnung als Verbandmittel10 Prozent je Mittel, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als die Kosten (§ 31 Abs. 3, § 61 SGB V); ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro
Matratze oder Auflage gegen DekubitusKrankenkasseärztliche Verordnung oder Empfehlung im Pflegegutachten10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro; ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro
PflegebettPflegekassePflegegradRegel der Krankenkasse, auch bei Leihe: 10 Prozent, mindestens 5, höchstens 10 Euro (ab 01.01.2027: 7,50 bis 15 Euro); einige Kassen verzichten bei Leihbetten darauf
Pflegekurs zum LagernPflegekassepflegende Angehörigekeiner

Quelle: § 31, § 33, § 37 Abs. 5, § 61 SGB V; § 61 SGB V in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ab 01.01.2027 (BGBl. 2026 I Nr. 228); § 40, § 45 SGB XI; G-BA, Häusliche Krankenpflege-Richtlinie Nr. 7, 12, 31 und 31a. Stand: 18.10.2026.

Die Häusliche Krankenpflege-Richtlinie sieht Positionswechsel ab Grad 1 für bis zu sieben Tage je Verordnung vor, ab Grad 2 für bis zu vier Wochen; vorher soll die Ärztin prüfen, ob Hilfsmittel die Lagerung unterstützen. Übernimmt ein Pflegedienst zusätzlich Körperpflege, läuft das mit Pflegegrad über die Pflegesachleistung; mehr auf der Seite Ambulante Pflege. Wer häufig Zuzahlungen leistet, kann ab der Belastungsgrenze befreit werden.

Ein Beispiel: Blase an der Ferse

Ein Mann mit Pflegegrad 3 liegt nach einem Oberschenkelhalsbruch viel im Bett. Seine Frau entdeckt an der rechten Ferse eine geplatzte Blase mit rotem Grund. Sie legt ein Kissen so unter die Wade, dass die Ferse frei liegt, und ruft die Hausarztpraxis an.

Die Ärztin bestätigt einen Dekubitus Grad 2. Sie verordnet häusliche Krankenpflege mit Positionswechsel und Wundversorgung für vier Wochen und eine Matratze gegen Dekubitus. Der Pflegedienst zeigt der Frau, wie sie die Fersen dauerhaft entlastet und die Haut kontrolliert. Mehr zur Pflege nach einem Bruch im Ratgeber Pflege nach Oberschenkelhalsbruch.

Wann diese Regeln nicht gelten

Die Zuzahlungsregeln gelten für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren. Privat Versicherte richten sich nach ihrem Tarif. Im Pflegeheim ist die Einrichtung für Vorbeugung und Behandlungspflege zuständig; sprechen Sie dort die Pflegefachkraft an.

In der letzten Lebensphase kann ein Druckgeschwür trotz guter Pflege entstehen. In der Sterbephase steht das Wohlbefinden im Vordergrund: Die S3-Leitlinie Palliativmedizin (für Menschen mit nicht heilbarer Krebserkrankung) empfiehlt, Maßnahmen, die nicht der bestmöglichen Lebensqualität dienen, dann nicht mehr einzuleiten oder zu beenden, ausdrücklich auch Positionswechsel zur Dekubitusvorbeugung (Empfehlung 21.29). Das besprechen Sie mit dem Palliativteam; mehr im Ratgeber Palliativpflege zu Hause.

Häufige Fragen

Was ist ein Dekubitus?
Ein Druckgeschwür: eine Schädigung von Haut und Gewebe durch anhaltenden Druck, meist über einem Knochen wie Steiß oder Ferse.

Was ist der schlimmste Grad bei Dekubitus?
Grad 4. Dabei ist das Gewebe bis auf Muskeln, Sehnen oder Knochen zerstört; die Wunde braucht eine intensive ärztliche Behandlung.

Kann ein Dekubitus wieder heilen?
Ja, besonders in frühen Graden, wenn die Stelle konsequent vom Druck entlastet wird. Wie lange das dauert, lässt sich nicht pauschal sagen; tiefe Wunden heilen meist langsam.

Wie oft muss ich umlagern?
Das legen Sie mit dem Pflegedienst oder der Arztpraxis individuell fest. Der Expertenstandard nennt bewusst keine festen Zeiten für alle.

Ist ein Dekubitus ein Pflegefehler?
Nicht unbedingt. Bei hohem Risiko, schwerer Krankheit oder am Lebensende kann ein Druckgeschwür trotz guter Pflege entstehen. Wichtig ist, früh zu handeln.

Zusammenfassung

Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür, das in vier Grade eingeteilt wird: von der Rötung, die beim Fingerdruck nicht verblasst, bis zur tiefen Wunde bis auf den Knochen. Gefährdet sind vor allem Menschen, die sich kaum bewegen, dazu kommen Faktoren wie Diabetes, Mangelernährung und feuchte Haut. Vorbeugen heißt Druck vermeiden, Bewegung fördern, Haut kontrollieren und bei Bedarf eine Matratze gegen Dekubitus nutzen. Ab Grad 2 gehört die Wunde in ärztliche Behandlung; Pflegedienst, Verbände und Matratze zahlt die Krankenkasse auf Verordnung. Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen.

Quellen

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