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Ratgeber

Deku­bi­tus­pro­phy­laxe: So beugen Ange­hö­rige Druck­ge­schwüren vor

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Dekubitusprophylaxe heißt: einem Druckgeschwür vorbeugen, bevor die Haut Schaden nimmt. Nach dem Expertenstandard des DNQP (2. Aktualisierung 2017) gehören dazu das Risiko einschätzen, Eigenbewegung fördern, Druck durch Positionswechsel nach individuellem Plan entlasten, druckverteilende Hilfsmittel zusätzlich nutzen und die Haut regelmäßig ansehen. Angehörige lernen das im unentgeltlichen Pflegekurs der Pflegekasse (Stand 18.10.2026).

Wer viel liegt oder sitzt, kann innerhalb kurzer Zeit ein Druckgeschwür entwickeln, oft an Steiß, Fersen oder Hüfte. Die gute Nachricht: Der Expertenstandard geht davon aus, dass sich ein Dekubitus weitgehend verhindern lässt. Dieser Ratgeber zeigt, was das zu Hause praktisch bedeutet und wer Sie dabei unterstützt. Er gehört zum Bereich Pflegewissen. Wie Sie einen Dekubitus erkennen und was bei einer offenen Stelle zu tun ist, erklärt der Ratgeber Dekubitus.

Wer braucht eine Dekubitusprophylaxe?

Jeder Mensch mit erhöhtem Risiko für ein Druckgeschwür. Das sind vor allem Menschen, die sich kaum selbst bewegen, die viel liegen oder sitzen oder deren Haut beim Umlagern verschoben wird. Weitere Risiken sind ein früherer Dekubitus, Durchblutungsstörungen und Diabetes, ein schlechter Ernährungszustand, feuchte Haut bei Inkontinenz und ein gestörtes Schmerzempfinden.

Ob ein Risiko besteht, schätzt nach dem Expertenstandard die Pflegefachkraft ein, gleich zu Beginn der Pflege und immer wieder, sobald sich die Beweglichkeit ändert, etwa nach einem Sturz oder Krankenhausaufenthalt. Pflegen Sie ohne Pflegedienst, sprechen Sie die Hausarztpraxis oder die Pflegefachkraft beim Beratungsbesuch darauf an. Die vollständige Liste der Risikofaktoren steht im Ratgeber Dekubitus.

Was sagt der Expertenstandard Dekubitusprophylaxe?

Der Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) beschreibt in sechs Schritten, was Pflegefachkräfte tun sollen. Er richtet sich an ambulante Dienste, Heime und Kliniken, bezieht die Angehörigen aber ausdrücklich ein, weil sie zu Hause eine wichtige Rolle spielen. Die Tabelle übersetzt die Schritte in den Alltag:

Schritt im StandardWas die Pflegefachkraft tutWas das für Sie zu Hause heißt
1 Risiko einschätzenschätzt das Risiko zu Beginn ein und wiederholt es bei VeränderungenVeränderungen melden: weniger Bewegung, Fieber, neue Inkontinenz
2 Planen und informierenplant die Maßnahmen gemeinsam mit Ihnen und informiert alle Beteiligtenden Plan kennen und an Vertretungen weitergeben
3 Schulen und beratenerklärt Gefährdung, Bewegungsförderung, Hautbeobachtung und Hilfsmittelsich die Handgriffe zeigen lassen, Fragen stellen
4 Bewegung fördernfördert Eigenbewegung; wenn sie nicht reicht, sorgt sie für Positionswechsel und Freilage gefährdeter StellenBewegungsplan umsetzen, Fersen und Steiß entlasten
5 Hilfsmittel einsetzensetzt zusätzlich druckverteilende Hilfsmittel ein, wenn Bewegung nicht ausreichtMatratze oder Kissen richtig nutzen, nicht als Ersatz für Bewegung
6 Haut beurteilensieht die Haut in individuell festgelegten Abständen anHaut beim Waschen ansehen, Rötungen sofort melden

Quelle: DNQP, Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege, 2. Aktualisierung 2017, Standardkriterien P1 bis P6; Spalte "zu Hause": redaktionelle Übertragung, Fachprüfung offen. Stand: 18.10.2026.

Zwei Aussagen des Standards sind für Angehörige besonders wichtig: Feste Umlagerungszeiten für alle gibt es nicht, der Abstand wird individuell festgelegt. Und Hilfsmittel sind eine sinnvolle Unterstützung, ersetzen aber nicht die Förderung der eigenen Bewegung.

Wie fördern Sie die Bewegung?

Jede Bewegung, die Ihr Angehöriger selbst schafft, entlastet die Haut. Ermuntern Sie ihn, sich im Bett ein wenig zu drehen, die Beine anzuwinkeln oder das Gewicht im Sitzen zu verlagern. Die internationale Leitlinie empfiehlt, Aktivität und Mobilität so schnell wie möglich zu fördern und zu steigern, soweit es vertragen wird, und Menschen für begrenzte Zeit aus dem Bett in einen geeigneten Stuhl oder Rollstuhl zu setzen.

Beim Umsetzen und Hochrutschen entstehen leicht Scherkräfte, die die Haut gegen das Gewebe verschieben. Ziehen oder schieben Sie deshalb nicht über das Laken, sondern nutzen Sie Techniken und Hilfsmittel, die Reibung verringern, etwa ein Gleittuch. Welche das sind und wie sie gehen, zeigt Ihnen der Pflegedienst oder der Pflegekurs. Wer länger sitzt, sollte regelmäßig das Gewicht verlagern; die Leitlinie empfiehlt, dafür zu schulen und zu unterstützen.

Wie lagern Sie richtig?

Richtig lagern heißt, den Druck auf gefährdete Stellen zu verteilen oder ganz wegzunehmen. Wie oft die Position gewechselt wird, hängt von Beweglichkeit, Haut, Gesundheitszustand, Behandlungszielen und Wohlbefinden ab und wird individuell festgelegt. Diese Grundsätze nennt die internationale Leitlinie:

SituationWorauf Sie achtenEmpfehlung der Leitlinie
Seitenlageleicht gedreht statt ganz auf der Seite30-Grad-Seitenlage bevorzugen, nicht 90 Grad (5.8)
Kopfteil des Bettsnur so hoch wie nötig, damit niemand nach unten rutschtso flach wie möglich (5.9, ohne ausdrückliche Empfehlungsstärke)
FersenKissen unter die Wade, Ferse liegt frei in der LuftFerse vollständig entlasten, Gewicht entlang der Wade verteilen, ohne Druck auf Achillessehne und Kniekehlenvene (6.2)
Sitzen im Stuhlzurückgelehnt mit angehobenen Beinen, sonst Füße fest auf Boden oder FußstützeSitz leicht nach hinten neigen, damit niemand nach vorn rutscht (5.12, 5.13)
Bauchlagenur, wenn medizinisch nötiglängere Bauchlage vermeiden (5.10, ohne ausdrückliche Empfehlungsstärke)
Erinnernfeste Erinnerung, etwa Wecker oder Plan am BettErinnerungsstrategien einsetzen (5.4)

Quelle: EPUAP, NPIAP, PPPIA, Kurzfassung der Internationalen Leitlinie 2019, deutsche Fassung 2020, Empfehlungen 5.2 bis 5.13 und 6.2; Spalte "Worauf Sie achten": redaktionelle Erläuterung. Stand: 18.10.2026.

Ringförmige Sitzkissen helfen nicht: Nach dem Hilfsmittelverzeichnis gibt es keine medizinischen oder pflegerischen Erkenntnisse, dass Sitz- und Lagerungsringe gegen Dekubitus sinnvoll sind; sie sind deshalb nicht in die Produktgruppe 11 aufgenommen.

Wie schützen und pflegen Sie die Haut?

Die Haut sollte sauber und angemessen feucht sein, weder ausgetrocknet noch dauerhaft nass. Die internationale Leitlinie empfiehlt ein festes Hautpflegeschema: die Haut nach jedem Urin- oder Stuhlverlust reinigen, auf alkalische Seifen verzichten und sie mit einem Hautschutzprodukt vor übermäßiger Feuchtigkeit schützen. Gefährdete Haut sollte nicht kräftig gerieben werden; das gilt auch für gerötete Stellen, die Sie nicht massieren sollten.

Bei Urininkontinenz empfiehlt die Leitlinie Inkontinenzprodukte mit hoher Saugfähigkeit, außerdem Bettwäsche und Kleidung mit geringer Reibung. Sehen Sie die Haut täglich beim Waschen an, besonders Steiß, Gesäß, Fersen, Hüften, Schulterblätter und Ellenbogen. Eine Rötung, die beim leichten Fingerdruck nicht kurz weiß wird, ist bereits ein Dekubitus Grad 1: Entlasten Sie die Stelle sofort und informieren Sie Pflegedienst oder Arztpraxis. Hilfen bei Blasenschwäche zeigt die Seite Inkontinenz.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Eine große, vor allem bei Menschen, die wenig essen oder abnehmen. Die internationale Leitlinie empfiehlt bei Dekubitusrisiko ein Ernährungsscreening und, wenn eine Mangelernährung droht, einen individuellen Ernährungsplan mit ausreichend Energie und angepasster Eiweißzufuhr. Auch genug zu trinken gehört dazu; die Häusliche Krankenpflege-Richtlinie nennt ausreichende Flüssigkeitszufuhr ausdrücklich als Teil der Dekubitusprophylaxe.

Achten Sie auf Warnzeichen wie Gewichtsverlust, Kleidung, die plötzlich zu weit ist, oder Mahlzeiten, die stehen bleiben. Sprechen Sie das in der Hausarztpraxis an; dort kann geklärt werden, ob eine Ernährungsberatung oder Trinknahrung infrage kommt. Woran Sie Flüssigkeitsmangel erkennen, erklärt der Ratgeber Dehydration im Alter.

Welche Hilfsmittel helfen gegen Dekubitus?

Druckverteilende Matratzen, Auflagen und Kissen helfen zusätzlich zur Bewegung, wenn diese nicht ausreicht. Es gibt zwei Prinzipien: Weichlagerungssysteme wie die Weichlagerungsmatratze verteilen den Druck auf eine größere Fläche, Wechseldrucksysteme entlasten einzelne Stellen im Wechsel. Welches System passt, entscheiden Ärztin und Pflegefachkraft nach Risiko und Beweglichkeit.

Matratzen und Auflagen gegen Dekubitus sind Hilfsmittel der Krankenkasse (Produktgruppe 11). Meist beantragen Sie sie mit einer ärztlichen Verordnung; empfiehlt der Medizinische Dienst sie im Pflegegutachten, gilt das mit Ihrer Zustimmung als Antrag (§ 33 Abs. 5a SGB V, § 18b Abs. 3 SGB XI). Erwachsene zahlen 10 Prozent zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro (beschlossen, BGBl. 2026 I Nr. 228). Arten, Verordnung und Auswahl erklärt der Ratgeber Antidekubitusmatratze. Ein Pflegebett gibt es mit Pflegegrad von der Pflegekasse; mehr auf der Seite Hilfsmittel.

Wer hilft und wer bezahlt?

Vorbeugung ist vor allem pflegerische Arbeit; die Kosten hängen davon ab, ob die Haut noch intakt ist. Die Übersicht zeigt die Wege:

LeistungWannWer zahlt
Dekubitusprophylaxe als Teil der Körperpflege durch den PflegedienstHaut noch intakt, Pflegegrad 2 bis 5Pflegekasse über die Pflegesachleistung
Beratungsbesuch einer Pflegefachkraftbei Bezug von Pflegegeld, je nach Pflegegrad halbjährlich oder vierteljährlichPflegekasse
Pflegekurs zu Lagerung und Hautbeobachtungfür Angehörige und Ehrenamtliche, auf Wunsch zu HausePflegekasse, unentgeltlich
Positionswechsel zur Dekubitusbehandlungab Dekubitus Grad 1, auf ärztliche VerordnungKrankenkasse, häusliche Krankenpflege
Matratze oder Auflage gegen Dekubitusbei Risiko oder bestehendem Dekubitus, auf VerordnungKrankenkasse

Quelle: G-BA, Häusliche Krankenpflege-Richtlinie (Grundpflege; Nr. 7 und 12); § 33, § 37 SGB V; § 36, § 37 Abs. 3, § 45 SGB XI; Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 11 (19.02.2024). Stand: 18.10.2026.

Die Häusliche Krankenpflege-Richtlinie zählt die Dekubitusprophylaxe, solange noch kein Hautdefekt besteht, zur Grundpflege, etwa wirksame Druckentlastung, Hautpflege und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Erst ab einem Dekubitus Grad 1 kann die Ärztin Positionswechsel als Behandlungspflege der Krankenkasse verordnen. Mehr zu Pflegediensten auf der Seite Ambulante Pflege.

Der Pflegekurs für Angehörige ist nach § 45 SGB XI unentgeltlich und kann auf Wunsch in der Wohnung stattfinden. Nach dem Entwurf der Pflegereform soll die Schulung zu Hause ab 2029 nicht mehr Teil der Pflegekurse sein, sondern zur neuen Pflegebegleitung gehören; das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Mehr unter Pflegereform 2027.

Ihr Bewegungsplan für zu Hause

Ein einfacher Plan hilft, nichts zu vergessen und Veränderungen früh zu sehen. Legen Sie die Abstände und Positionen mit dem Pflegedienst oder der Hausarztpraxis fest und tragen Sie jede Lageänderung ein:

UhrzeitPositionHaut auffällig? Wo?Getrunken, gegessenKürzel
07:00Rücken, Fersen freinein1 Glas Wasser

Quelle: eigene Vorlage nach DNQP-Expertenstandard (2. Aktualisierung 2017) und EPUAP-Leitlinie (Empfehlung 5.4 Erinnerungsstrategien). Stand: 18.10.2026.

Ergänzend hilft diese Checkliste für den Alltag:

  • Haut täglich ansehen, Rötungen sofort melden.
  • Fersen beim Liegen frei lagern.
  • Kopfteil nur so hoch wie nötig.
  • Inkontinenzprodukte rechtzeitig wechseln, Haut danach schonend reinigen.
  • Falten in Laken und Kleidung glätten, keine Krümel im Bett.
  • Trinken anbieten, Mahlzeiten im Blick behalten.
  • Den Plan an Vertretungen und Besuch weitergeben.

Ein Beispiel: nach dem Schlaganfall

Eine Frau mit Pflegegrad 4 liegt nach einem Schlaganfall die meiste Zeit im Bett und kann sich nur wenig selbst drehen. Ihr Mann pflegt sie, morgens kommt ein Pflegedienst. Die Pflegefachkraft schätzt ein hohes Risiko ein und erstellt mit dem Mann einen Bewegungsplan mit 30-Grad-Seitenlage und frei gelagerten Fersen.

Die Hausärztin verordnet eine Matratze gegen Dekubitus. Der Mann besucht einen Pflegekurs, die Kursleiterin übt das Umlagern mit ihm in der Wohnung. Als er nach zwei Wochen am Steiß eine Rötung bemerkt, die beim Fingerdruck rot bleibt, meldet er sie sofort; die Ärztin verordnet daraufhin Positionswechsel durch den Pflegedienst. Das Beispiel ist eine typische Konstellation, kein Einzelfall aus der Beratung.

Wann diese Regeln anders gelten

  • Letzte Lebensphase: Der Expertenstandard lässt Ausnahmen zu, wenn pflegerisch oder medizinisch andere Prioritäten notwendig sind oder der Gesundheitszustand es erfordert. In der letzten Lebensphase können etwa Ruhe und Schmerzfreiheit Vorrang haben. Das besprechen Sie mit dem Palliativteam; mehr unter Palliativ und Hospiz.
  • Eigene Entscheidung: Ihr Angehöriger darf einzelne Maßnahmen ablehnen. Der Standard erkennt eine selbstbestimmte, informierte Entscheidung als Ausnahme an; wichtig ist, dass er die Folgen kennt.
  • Pflegeheim: Dort ist die Einrichtung für die Prophylaxe verantwortlich; sprechen Sie die Pflegefachkraft an.
  • Offene Haut: Besteht schon eine Wunde, geht es um Behandlung, nicht um Vorbeugung; dann gilt der ärztliche Behandlungsplan.

Häufige Fragen

Was ist die beste Dekubitusprophylaxe?
Bewegung und Druckentlastung. Kein Hilfsmittel und keine Creme ersetzt es, die gefährdeten Stellen regelmäßig vom Druck zu befreien und die Eigenbewegung zu fördern.

Wie oft muss umgelagert werden?
Das wird individuell festgelegt, nach Beweglichkeit, Haut und Gesundheitszustand. Der Expertenstandard nennt bewusst keine feste Stundenzahl für alle.

Reicht eine Wechseldruckmatratze aus?
Nein. Sie ist eine Ergänzung, wenn die Bewegung nicht ausreicht. Auch auf einer Spezialmatratze braucht es Bewegung und Hautkontrolle.

Darf man gerötete Stellen massieren?
Nein. Gefährdete Haut sollte nicht kräftig gerieben werden. Entlasten Sie die Stelle und melden Sie die Rötung.

Zahlt die Pflegekasse einen Pflegekurs zur Dekubitusprophylaxe?
Ja. Pflegekurse sind für Angehörige unentgeltlich und können auf Wunsch zu Hause stattfinden.

Zusammenfassung

Dekubitusprophylaxe heißt, Druckgeschwüren vorzubeugen: Risiko einschätzen, Bewegung fördern, gefährdete Stellen durch Positionswechsel entlasten, Hilfsmittel zusätzlich nutzen und die Haut täglich ansehen. Feste Umlagerungszeiten für alle gibt es nicht, der Plan wird individuell festgelegt. Hautpflege, Ernährung und Trinken gehören dazu. Angehörige lernen die Handgriffe im unentgeltlichen Pflegekurs; Matratzen gegen Dekubitus zahlt die Krankenkasse auf Verordnung.

Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen und für pflegende Angehörige auf der Seite Pflegende Angehörige.

Quellen

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