Für kleine, saubere Schnitt- und Schürfwunden reicht meist ein Pflaster mit Wundauflage. Hydrokolloid-Pflaster halten oberflächliche Wunden und Blasen feucht. Tiefe, stark blutende, verschmutzte oder entzündete Wunden und Bisswunden gehören ärztlich versorgt. Prüfen Sie den Tetanusschutz: Erwachsene frischen ihn alle 10 Jahre auf (STIKO, Stand 18.10.2026).
Ein Stoß an der Bettkante, ein Kratzer beim Gärtnern, eine Blase vom neuen Schuh: Bei älteren Menschen ist die Haut dünner und verletzt sich leichter. Die meisten kleinen Wunden lassen sich zu Hause gut versorgen, wenn man ein paar Regeln kennt. Dieser Ratgeber gehört zum Bereich Pflegewissen; Wundarten, chronische Wunden und Verbandmittel auf Rezept erklärt der Ratgeber Wundversorgung.
Wie versorgen Sie eine kleine Wunde richtig?
Eine kleine Wunde versorgen Sie in wenigen Schritten: Blutung stillen, Wunde reinigen, passend abdecken. So gehen Sie vor:
- Hände waschen oder desinfizieren, bei fremden Wunden Einmalhandschuhe tragen.
- Blutung stillen: Eine leichte Blutung reinigt die Wunde. Hört sie nicht von selbst auf, drücken Sie mit einer sauberen Kompresse einige Minuten auf die Stelle.
- Ausspülen: Die Wunde mit sauberem Wasser spülen. Steckt ein Fremdkörper in der Wunde, ziehen Sie ihn nicht heraus.
- Abdecken: Ein Pflaster wählen, dessen Wundauflage größer ist als die Wunde, ohne dass der Klebestreifen auf der Wunde liegt. Die Wundauflage nicht mit den Fingern berühren.
- Beobachten: In den nächsten Tagen täglich nachsehen, ob die Wunde ruhig heilt.
Wechseln Sie das Pflaster alle ein bis zwei Tage, früher, wenn es verschmutzt, nass oder durchgeblutet ist; für Hydrokolloid-Pflaster gilt die Packungsbeilage. Tragen Sie ohne ärztlichen Rat keine Puder, Salben, Sprays oder Hausmittel auf. Die Schritte folgen dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs und dem Erste-Hilfe-Handbuch der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Welches Pflaster passt zu welcher Wunde?
Pflaster unterscheiden sich in Wundauflage, Klebstoff und Zweck. Die Übersicht zeigt die gängigen Arten aus der Apotheke und wofür sie gedacht sind.
| Pflasterart | Geeignet für | Nicht geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Pflaster mit Wundauflage (Wundschnellverband) | kleine Schnitt- und Schürfwunden | große, tiefe oder stark nässende Wunden | gibt es als Streifen oder zum Zuschneiden |
| Hydrokolloid-Pflaster, auch Blasenpflaster | oberflächliche, wenig nässende Wunden, Blasen | infizierte, tiefe oder stark blutende Wunden, Bisswunden | hält die Wunde feucht, bleibt oft mehrere Tage; Packungsbeilage beachten |
| Wundnahtstreifen | kleine, glatte Schnitte, deren Ränder sich leicht aneinanderlegen lassen | klaffende, tiefe oder verschmutzte Schnitte | ersetzt keine ärztliche Naht |
| Pflaster mit Silikonkleber | empfindliche, dünne Haut | stark nässende Wunden | löst sich schonender von der Haut |
| Fixierpflaster oder Fixiervlies | Befestigen von Kompressen | direkt auf der Wunde | hat keine eigene Wundauflage |
Quelle: Zusammenstellung der Pflegekompass-Redaktion nach allgemeinen Produkteigenschaften und Gebrauchsinformationen; Begriff Verbandmittel nach § 31 Abs. 1a SGB V. Fachprüfung offen. Stand: 18.10.2026.
Hydrokolloid-Pflaster beruhen auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung: Wundauflagen, die die Wunde feucht halten und abdecken, werden auch bei der Behandlung größerer Wunden genutzt. Unter Hydrokolloid-Pflastern bildet sich je nach Produkt ein weißliches Gel; was dabei normal ist, steht in der Packungsbeilage. Ist aber die Haut rundherum gerötet, warm oder geschwollen, nehmen Sie das Pflaster ab und lassen Sie die Wunde ansehen.
Worauf achten Sie bei dünner Altershaut?
Altershaut ist dünner, trockener und reißt leichter ein. Schon das Abziehen eines Pflasters kann eine neue Wunde verursachen. Diese Hinweise schonen die Haut:
- Pflaster mit sanftem Kleber wählen, etwa mit Silikon, und nur so groß wie nötig.
- Pflaster langsam und flach an der Haut entlang abziehen, nicht nach oben reißen; dabei die Haut mit der anderen Hand festhalten.
- Bei Einrissen der Haut den Hautlappen nicht entfernen, sondern vorsichtig zurücklegen und abdecken, so empfiehlt es das internationale Expertengremium für Hautrisse (ISTAP); lassen Sie solche Wunden ansehen.
- Haut täglich eincremen, damit sie geschmeidig bleibt.
- Stoßkanten an Bett, Rollstuhl und Möbeln polstern, um neue Verletzungen zu vermeiden.
Wer blutverdünnende Medikamente nimmt, blutet länger. Drücken Sie dann etwas länger auf die Wunde, und lassen Sie sich ärztlich beraten, wenn die Blutung nicht steht.
Wann muss eine Wunde ärztlich versorgt werden?
Nicht jede Wunde gehört unter ein Pflaster. Gehen Sie zur Arztpraxis oder in die Notaufnahme, wenn eines davon zutrifft:
- Die Wunde ist groß, tief oder klafft auseinander. Klaffende Wunden werden oft schon ab etwa 0,5 bis 1 Zentimeter Länge genäht, geklammert oder geklebt, möglichst innerhalb der ersten sechs Stunden.
- Die Blutung hört trotz Druck nach einigen Minuten nicht auf. Bei starker Blutung rufen Sie den Notruf 112.
- Es handelt sich um eine Bisswunde oder einen Kratzer von Tieren oder Menschen.
- Die Wunde ist stark verschmutzt, etwa mit Erde, oder es steckt ein Fremdkörper darin.
- Die Wunde liegt am Fuß eines Menschen mit Diabetes.
- Die Wunde zeigt Entzündungszeichen: Rötung, Schwellung, unangenehmer Geruch, zunehmende Schmerzen, Eiter oder Fieber.
- Die Wunde heilt nach einigen Tagen nicht sichtbar besser.
Verbrennungen behandelt dieser Ratgeber nicht; lassen Sie sie im Zweifel ärztlich ansehen. Bei Menschen mit Diabetes, Durchblutungsstörungen oder geschwächtem Immunsystem heilen Wunden schlechter. Lassen Sie hier auch kleine Wunden früh ansehen; wann es Fußpflege auf Rezept gibt, erklärt der Ratgeber Medizinische Fußpflege. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Wann ist eine Tetanusimpfung nötig?
Tetanus, der Wundstarrkrampf, kann über jede Wunde übertragen werden, auch über kleine. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Erwachsenen eine Auffrischung alle 10 Jahre. Im Verletzungsfall gilt nach den Empfehlungen, die das RKI wiedergibt:
- Bei sauberen, geringfügigen Wunden ist eine Impfung nötig, wenn die letzte Impfung mindestens 10 Jahre zurückliegt.
- Bei allen anderen Wunden ist eine Impfung schon nötig, wenn die letzte mindestens 5 Jahre zurückliegt.
- Ist der Impfstatus unbekannt oder unvollständig, entscheidet die Praxis über Impfung und gegebenenfalls Immunglobulin.
Legen Sie den Impfpass zu den wichtigen Unterlagen, damit Sie ihn im Notfall schnell finden; mehr dazu im Ratgeber Notfallplan für pflegende Angehörige.
Ein Beispiel: Hautriss am Unterarm
Eine Frau mit Pflegegrad 2 stößt sich beim Aufstehen den Unterarm an der Bettkante. Die dünne Haut reißt auf etwa drei Zentimetern ein, ein Hautlappen hängt lose. Ihr Mann legt den Lappen vorsichtig zurück, deckt die Stelle mit einer sauberen Kompresse ab und befestigt sie locker mit Fixiervlies.
Am selben Tag sieht die Hausärztin die Wunde an, versorgt sie mit einer schonenden Wundauflage und prüft den Impfpass. Weil die letzte Tetanusimpfung zwölf Jahre zurückliegt, frischt sie den Schutz auf. Danach polstert der Mann die Bettkante.
Zahlt die Krankenkasse Pflaster?
Pflaster für kleine Wunden kaufen Sie in der Regel selbst. Verbandmittel, die eine Ärztin verordnet, zahlt die Krankenkasse; Erwachsene zahlen dafür eine Zuzahlung (§ 31 SGB V). Das betrifft vor allem die Versorgung größerer oder schlecht heilender Wunden, die der Ratgeber Wundversorgung erklärt, einschließlich der Höhe der Zuzahlung.
Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel für die Pflege zu Hause zahlt mit Pflegegrad die Pflegekasse als Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, bis 31.12.2026 bis 42 Euro im Monat. Nach dem Regierungsentwurf zur Pflegereform vom 30.09.2026 soll diese Leistung ab 01.01.2027 entfallen (§ 40 Abs. 1 Satz 5 und Abs. 2 gestrichen SGB XI-E); beschlossen ist das noch nicht, den Stand zeigt die Seite Pflegereform 2027. Mehr auf der Seite Pflegehilfsmittel.
Wann die Regeln nicht gelten
Diese Hinweise gelten für kleine, frische Wunden. Für chronische Wunden wie Druckgeschwüre, offene Beine oder Wunden beim diabetischen Fußsyndrom gilt ein ärztlicher Behandlungsplan; dort sollten Sie nicht selbst mit Pflastern experimentieren. Mehr zu Erkrankungen, die die Wundheilung beeinflussen, im Ratgeber Diabetes-Folgen und Pflegegrad.
Häufige Fragen
Sollte eine Wunde besser an der Luft heilen?
Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs rät, kleine Wunden nach dem Spülen mit einem Pflaster oder Verband abzudecken; so bleibt Schmutz fern. Wundauflagen, die feucht halten, werden auch in der Behandlung größerer Wunden genutzt.
Wie lange darf ein Hydrokolloid-Pflaster bleiben?
Oft mehrere Tage, bis es sich von selbst löst oder das Gelpolster den Rand erreicht. Maßgeblich ist die Packungsbeilage; bei Rötung oder Schmerzen abnehmen.
Kann man auf eine offene Wunde ein normales Pflaster kleben?
Ja, wenn die Wundauflage die Wunde ganz bedeckt und kein Klebstoff auf der Wunde liegt. Große, tiefe oder nässende Wunden gehören ärztlich versorgt.
Muss ich nach jeder kleinen Wunde zur Tetanusimpfung?
Nein. Bei sauberen, kleinen Wunden nur, wenn die letzte Impfung 10 Jahre oder länger zurückliegt, bei anderen Wunden schon nach 5 Jahren. Bei unklarem Impfstatus fragen Sie die Praxis.
Zusammenfassung
Kleine, saubere Wunden lassen sich zu Hause mit Händehygiene, Reinigung mit klarem Wasser und einem passenden Pflaster versorgen. Hydrokolloid-Pflaster eignen sich für oberflächliche Wunden und Blasen, nicht für infizierte, tiefe oder Bisswunden. Bei dünner Altershaut helfen sanfte Kleber und vorsichtiges Ablösen. Tiefe, stark blutende, verschmutzte oder entzündete Wunden gehören ärztlich versorgt, und der Tetanusschutz sollte aktuell sein.
Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen.
Quellen
- RKI: Ratgeber Tetanus, Tetanus-Immunprophylaxe im Verletzungsfall (nach STIKO, Epid. Bull. 34/2018), Stand 27.11.2018, abgerufen am 18.10.2026
- gesund.bund.de (BMG mit IQWiG): Druckgeschwür (Dekubitus), Stand 23.01.2023 (Wundauflagen halten feucht; 116117, 112), abgerufen am 18.10.2026
- § 31 SGB V, Arznei- und Verbandmittel (Abs. 1a Definition), abgerufen am 18.10.2026
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz): Erste Hilfe bei Wunden, Abschürfung, Schnittverletzung, aktualisiert 03.06.2026, abgerufen am 18.10.2026
- DGUV Information 204-007, Handbuch zur Ersten Hilfe, Wundversorgung bei kleineren Verletzungen, abgerufen am 18.10.2026
- LeBlanc K. et al.: Best practice recommendations for the prevention and management of skin tears in aged skin, International Skin Tear Advisory Panel (ISTAP), Wounds International 2018, abgerufen am 18.10.2026
- Pharmazeutische Zeitung: Gezielt versorgen, Infektionen vermeiden (S3-Leitlinie 091-001, akute und chronische Wunden), 19.02.2026, abgerufen am 18.10.2026
- Gesetzentwurf der Bundesregierung, Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), BR-Drs. 587/26(neu) vom 09.10.2026, Kabinettsfassung 30.09.2026 (§ 40 SGB XI-E), abgerufen am 18.10.2026





