Dehydration heißt Flüssigkeitsmangel. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, weil das Durstgefühl im Alter oft nachlässt. Die DGE nennt ab 65 Jahren als Richtwert rund 1,3 Liter aus Getränken am Tag, insgesamt etwa 2,25 Liter Wasser einschließlich Essen. Bei Verwirrtheit, ungewöhnlicher Schwäche oder Schwindel holen Sie rasch ärztlichen Rat (Stand 18.10.2026).
Die halb volle Tasse vom Frühstück steht am Nachmittag noch auf dem Tisch. Der Vater ist müde und durcheinander, die Mutter will abends nichts mehr trinken, damit sie nachts nicht raus muss. Solche Situationen sind in der Pflege alltäglich und werden leicht unterschätzt, besonders bei Menschen, die viel liegen; dazu mehr im Ratgeber Bettlägerigkeit. Dieser Ratgeber gehört zum Bereich Pflegewissen.
Was ist eine Dehydration?
Eine Dehydration entsteht, wenn der Körper mehr Flüssigkeit verliert, als er aufnimmt. Das kann daran liegen, dass jemand zu wenig trinkt, oder daran, dass er viel Flüssigkeit verliert, etwa durch Hitze, Fieber, Durchfall oder Erbrechen. Fachleute sprechen auch von Exsikkose, wenn der Körper deutlich ausgetrocknet ist.
Wasser braucht der Körper für fast alles: für den Kreislauf, die Nieren, die Verdauung und das Denken. Ein leichter Mangel bleibt oft unbemerkt, kann aber schon Stimmung und Konzentration beeinträchtigen. Ein deutlicher Mangel kann nach Angaben des IQWiG unter anderem zu Stürzen, Verwirrtheit, Harnwegsinfekten, Nierenproblemen, Herzrhythmusstörungen, Druckgeschwüren und schlechterer Wundheilung führen.
Warum trinken ältere Menschen oft zu wenig?
Im Alter lässt das Durstgefühl oft nach, und häufig kommen mehrere Gründe zusammen. Das IQWiG nennt unter anderem Vergessen, eine Demenz, Schluckbeschwerden und die bewusste Einschränkung des Trinkens. Bei älteren Menschen kommen oft Erkrankungen und Medikamente hinzu, etwa entwässernde Mittel.
Im Pflegealltag kommen praktische Gründe hinzu:
- Das Glas steht außer Reichweite oder ist zu schwer.
- Der Gang zur Toilette ist mühsam, deshalb wird lieber weniger getrunken.
- Aus Angst vor nassen Vorlagen wird abends nichts mehr getrunken.
- Getränke schmecken nicht oder sind zu kalt oder zu heiß.
- Niemand bietet regelmäßig etwas an.
Wer wegen Blasenschwäche weniger trinkt, sollte das ärztlich besprechen, statt es selbst zu regeln. Hilfen bei Inkontinenz zeigt die Seite Inkontinenz.
Woran erkennen Sie einen Flüssigkeitsmangel?
Die Anzeichen sind anfangs unauffällig und werden leicht mit dem Alter oder einer Demenz verwechselt. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung.
| Ausprägung | Mögliche Anzeichen | Was Sie tun |
|---|---|---|
| leicht, oft unbemerkt | Durst, trockener Mund, pelzige Zunge, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Abgeschlagenheit, weniger und dunklerer Urin | mehr trinken anbieten, über einige Stunden verteilt |
| mittel bis schwer | trockene Schleimhäute, Schwindel nach schnellem Aufstehen, Teilnahmslosigkeit, Herzrasen, Muskelkrämpfe, Verwirrtheit | rasch ärztlichen Rat holen, bei einem Krampfanfall Notruf 112 |
| Notfall (Schock) | kühle Hände und Füße, Unruhe, Schüttelfrost oder Schweißausbrüche, Angst oder Teilnahmslosigkeit bis zur Bewusstlosigkeit | Notruf 112 |
Quelle: IQWiG, gesundheitsinformation.de, Flüssigkeitsmangel (Dehydration), erstellt 18.10.2023. Stand: 18.10.2026.
Ein Hinweis zum Urin: Bei älteren Menschen ist die Farbe des Urins ein weniger verlässliches Zeichen als bei Jüngeren. Achten Sie deshalb auf das Gesamtbild, besonders auf neue Verwirrtheit, Müdigkeit und Schwindel.
Wie viel sollten ältere Menschen trinken?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt für Menschen ab 65 Jahren Richtwerte für die gesamte Wasserzufuhr an. Getränke machen dabei gut die Hälfte aus, der Rest kommt aus dem Essen und aus dem Stoffwechsel.
| Quelle des Wassers | Richtwert ab 65 Jahren pro Tag |
|---|---|
| Getränke | 1.310 Milliliter |
| feste Nahrung | 680 Milliliter |
| Oxidationswasser aus dem Stoffwechsel | 260 Milliliter |
| gesamt | 2.250 Milliliter; Getränke und feste Nahrung zusammen etwa 30 Milliliter je Kilogramm Körpergewicht |
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte Wasser, Richtwerte für die Wasserzufuhr. Stand: 18.10.2026.
Zum Vergleich: Sieben Gläser mit je 200 Millilitern ergeben 1,4 Liter. Suppen, Joghurt, Obst wie Melone und Gemüse wie Gurke tragen zusätzlich Flüssigkeit bei. Bei Hitze, Fieber, Durchfall oder Erbrechen steigt der Bedarf.
Wichtig: Bei manchen Erkrankungen, etwa einer schweren Herzschwäche oder bei Dialyse, kann die Ärztin eine Trinkmengenbegrenzung festlegen. Dann gilt diese Vorgabe, nicht der allgemeine Richtwert. Fragen Sie im Zweifel in der Hausarztpraxis nach, welche Menge für Ihren Angehörigen richtig ist.
Wie erleichtern Sie das Trinken im Pflegealltag?
Ältere Menschen sollten sich nicht allein auf ihr Durstgefühl verlassen; feste Trinkzeiten und Trinkpläne können helfen, so das IQWiG. Diese Checkliste hat sich im Alltag bewährt:
- Sichtbar und erreichbar: Ein gefülltes Glas oder eine Karaffe steht immer in Reichweite, auch nachts am Bett.
- Feste Zeiten: Zu jeder Mahlzeit, zu Medikamenten und nach jedem Toilettengang etwas anbieten.
- Lieblingsgetränke: Wasser, Saftschorle, Tee oder Kaffee, je nach Geschmack; warm oder kalt, wie es schmeckt.
- Geeignete Gefäße: leichte Becher mit Henkel, bei Bedarf mit Griffmulde; Schnabelbecher nur, wenn die Ärztin oder Logopädin nichts dagegen hat.
- Gemeinsam trinken: Wer mittrinkt, steckt an.
- Trinkprotokoll: Für ein paar Tage notieren, was getrunken wurde, hilft beim Gespräch mit der Ärztin; eine Vorlage für Notizen bietet der Ratgeber Pflegetagebuch.
- Tagsüber mehr, abends weniger: Wer nachts nicht raus möchte, trinkt den größeren Teil vor dem späten Nachmittag.
Bei Menschen mit Demenz helfen einfache Angebote: das Glas in die Hand geben statt fragen, ob jemand Durst hat. Mehr Tipps im Ratgeber Kommunikation mit Demenzkranken.
Ein Beispiel: Plötzlich verwirrt im Sommer
Ein Mann mit Pflegegrad 2 und leichter Demenz lebt allein, seine Tochter kommt jeden Abend. An einem heißen Tag wirkt er abends deutlich verwirrter als sonst, ist müde und schwankt beim Aufstehen. Auf dem Tisch stehen zwei fast volle Flaschen.
Die Tochter ruft den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 an, weil die Verwirrtheit neu und ausgeprägt ist. Danach vereinbart sie mit dem Pflegedienst, dass er bei jedem Einsatz etwas zu trinken anbietet, und stellt einen Trinkplan mit festen Zeiten auf. Die Hausärztin prüft bei der nächsten Gelegenheit, ob eines seiner Medikamente entwässernd wirkt.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe holen?
Holen Sie rasch ärztlichen Rat, wenn ein älterer Mensch ungewöhnlich schwach, verwirrt oder schwindelig ist, oder wenn er über mehrere Tage viel Flüssigkeit verliert, etwa durch Durchfall oder Erbrechen, und das kaum ausgleichen kann. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Rufen Sie den Notruf 112 bei Zeichen eines Kreislaufschocks: kühle Hände und Füße, Unruhe, Schweißausbrüche oder Bewusstseinsstörung. Ein schwerer Flüssigkeitsmangel lässt sich oft nicht mehr durch Trinken ausgleichen und wird dann meist über eine Infusion behandelt.
Setzen Sie entwässernde Medikamente nie eigenmächtig ab. Wenn Sie vermuten, dass ein Medikament zum Flüssigkeitsmangel beiträgt, sprechen Sie die Ärztin an; mehr dazu im Ratgeber Polypharmazie im Alter. Bringen Sie dazu einen aktuellen Medikamentenplan mit.
Wann die Faustregel nicht gilt
Der Richtwert der DGE ist eine Orientierung für gesunde Menschen, keine Vorgabe für jeden. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen, bei Dialyse und bei Schluckstörungen legt die Ärztin fest, wie viel und was getrunken werden soll. Und wer sich häufig verschluckt oder beim Trinken hustet, sollte das ärztlich abklären lassen, bevor Sie mehr Getränke anbieten.
Häufige Fragen
Wie viel sollte ein Mensch über 65 am Tag trinken?
Die DGE nennt als Richtwert rund 1,3 Liter aus Getränken, insgesamt etwa 2,25 Liter Wasser einschließlich Essen. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gilt die Vorgabe der Ärztin.
Zählen Kaffee und Tee mit?
Als beste Durstlöscher nennt die DGE Wasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Kaffee und schwarzen Tee sieht sie als Genussmittel, die in moderaten Mengen von 3 bis 4 Tassen am Tag getrunken werden sollten. Auch Wasser aus dem Essen, etwa aus Suppe oder Obst, trägt zur Versorgung bei.
Woran erkenne ich Flüssigkeitsmangel bei Demenz?
An neuer oder stärkerer Verwirrtheit, Müdigkeit, Schwindel und trockenem Mund. Weil Menschen mit Demenz Durst oft nicht äußern, ist regelmäßiges Anbieten besonders wichtig.
Ist dunkler Urin ein sicheres Zeichen?
Bei älteren Menschen ist die Urinfarbe weniger verlässlich. Achten Sie zusätzlich auf Verwirrtheit, Schwindel und Schwäche.
Zusammenfassung
Dehydration ist ein Flüssigkeitsmangel, der ältere Menschen besonders häufig trifft, weil der Durst nachlässt und vieles zusammenkommt. Typische Zeichen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit; bei neuer Verwirrtheit oder Schwäche ist rasch ärztlicher Rat nötig. Die DGE nennt ab 65 Jahren rund 1,3 Liter aus Getränken am Tag, bei bestimmten Erkrankungen gilt die ärztliche Vorgabe. Feste Trinkzeiten, erreichbare Getränke und Geduld helfen im Pflegealltag.
Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Wasser, Richtwerte für die Wasserzufuhr, abgerufen am 18.10.2026
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Flüssigkeitsmangel (Dehydration), erstellt 18.10.2023, abgerufen am 18.10.2026
- gesund.bund.de (BMG mit IQWiG): Druckgeschwür (Dekubitus), Stand 23.01.2023, abgerufen am 18.10.2026





