Eine Toilettensitzerhöhung zahlt die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung, wenn Hinsetzen und Aufstehen auf der Toilette schwerfallen; mit Pflegegrad können Sie sie auch bei der Pflegekasse beantragen. Sie zahlen höchstens 10 Euro zu. Ein höheres WC-Becken ist dagegen ein Umbau, den die Pflegekasse mit bis zu 4.180 Euro bezuschussen kann (Stand: 18.10.2026).
Wenn das Aufstehen von der Toilette Kraft kostet oder nach einer Operation an Hüfte oder Knie schmerzt, hilft oft schon ein Aufsatz, der den Sitz um einige Zentimeter erhöht. Er ist schnell montiert und schnell wieder entfernt. Dieser Ratgeber gehört zum Thema Hilfsmittel und erklärt, welche Toilettenhilfen es gibt und wer sie bezahlt.
Welche Toilettensitzerhöhungen und Toilettenhilfen gibt es?
Das Hilfsmittelverzeichnis führt Toilettenhilfen in der Produktgruppe 33. Toilettensitzerhöhungen werden auf das vorhandene Becken gesetzt und verschraubt oder geklemmt.
| Toilettenhilfe | Wann laut Verzeichnis | Wer zahlt | Produktart |
|---|---|---|---|
| Toilettensitzerhöhung | Hinsetzen und Aufstehen eingeschränkt, etwa bei Beschwerden der Beine, der Lendenwirbelsäule oder bei Bewegungsstörungen | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.01.0 |
| Toilettensitzerhöhung, höhenverstellbar | wie oben, wenn die Sitzhöhe genau angepasst werden muss | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.01.1 |
| Toilettensitzerhöhung mit Armlehnen | zusätzlich unsicherer Halt im Oberkörper beim Sitzen | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.01.2 und 33.40.01.3 |
| Toilettensitz mit Rückenstütze | wer ohne Stütze nicht sicher auf der Toilette sitzen kann | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.01.4 |
| Toilettenstützgestell | Gestell um das Becken zum Abstützen, teils mit eigenem Sitz | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.02 |
| Elektrische Toilettenaufstehhilfe | Sitz hebt sich und schiebt nach vorn, siehe Aufstehhilfe | Krankenkasse; mit Pflegegrad auch Pflegekasse | 33.40.03.1 |
| Höheres WC-Becken oder höher montiertes Wand-WC | dauerhafte Lösung im Bad | Pflegekasse als Umbau, bis 4.180 € je Maßnahme | § 40 Abs. 4 SGB XI |
| Handelsüblicher erhöhter WC-Sitz aus dem Baumarkt | Komfort ohne Hilfsmittelnummer | Sie selbst | Gebrauchsgegenstand |
Quelle: GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 33 (11.12.2025); RidoHiMi Anlage 1; § 40 SGB XI; Gemeinsames Rundschreiben zu § 40 SGB XI (02.04.2026). Stand: 18.10.2026.
Zahlt die Krankenkasse eine Toilettensitzerhöhung?
Ja, wenn sie im Einzelfall erforderlich ist und ärztlich verordnet wird (§ 33 SGB V). Das Verzeichnis nennt als Ziel, die Toilette wieder selbständiger nutzen zu können, wenn Hinsetzen und Aufstehen eingeschränkt sind. Die Kasse übernimmt den behinderungsbedingten Mehraufwand einschließlich der Montage. Einen Pflegegrad brauchen Sie nicht.
Erwachsene zahlen 10 Prozent des Kassenpreises zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als die Kosten (§ 33 Abs. 8, § 61 SGB V). Ab 01.01.2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro; das ist mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen. Wann Sie befreit sind, erklärt der Ratgeber Zuzahlungsbefreiung. Mehrkosten entstehen nur, wenn Sie eine Ausstattung wählen, die über das Notwendige hinausgeht.
Krankenkasse oder Pflegekasse: wer ist zuständig?
Für den Aufsatz sind beide möglich. Toilettenhilfen gehören zu den doppelfunktionalen Hilfsmitteln, die sowohl der Behandlung als auch der Pflege dienen. Haben Sie einen Pflegegrad und leben zu Hause, können Sie den Antrag bei der Krankenkasse oder bei der Pflegekasse stellen; die Kasse, bei der Sie beantragen, entscheidet über das Ganze (§ 40 Abs. 5 SGB XI). Die Zuzahlung richtet sich in beiden Fällen nach den Regeln der Krankenkasse (§ 40 Abs. 5 Satz 7 SGB XI), 2026 also höchstens 10 Euro.
Für den Umbau ist nur die Pflegekasse zuständig. Gewöhnliche Toilettenbecken zahlt die Krankenkasse nicht, auch wenn sie erhöht sind, weil sie als Gebrauchsgegenstände gelten. Wird aber das WC wegen der Pflegebedürftigkeit gegen ein höheres getauscht oder höher montiert, kann die Pflegekasse das als wohnumfeldverbessernde Maßnahme bezuschussen. Das Gemeinsame Rundschreiben der Pflegekassen nennt die Anpassung der Höhe von Einrichtungsgegenständen ausdrücklich als Beispiel.
Hilfsmittel und Umbau schließen sich nicht aus. Deckt der Umbau den Bedarf nicht ganz, kann die Krankenkasse zusätzlich ein Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Welche Kasse wofür zuständig ist, zeigt die Übersicht Pflegekasse und Krankenkasse.
Aufsatz oder höheres WC: ein Vergleich
| Frage | Toilettensitzerhöhung | Höheres WC-Becken |
|---|---|---|
| Wer zahlt | Krankenkasse, mit Pflegegrad auch Pflegekasse | Pflegekasse, nur mit Pflegegrad |
| Was Sie zahlen | höchstens 10 Euro Zuzahlung | Kosten über 4.180 Euro je Maßnahme selbst |
| Aufwand | Montage auf dem vorhandenen Becken, ohne Handwerker | Sanitärarbeiten, oft mit neuem Spülkasten oder Vorwand |
| Für andere im Haushalt | Sitz ist für alle erhöht, Aufsatz lässt sich abnehmen | dauerhaft erhöht |
| Reinigung | Aufsatz muss zusätzlich gereinigt werden | wie ein normales WC |
| Passt, wenn | Bedarf vorübergehend, etwa nach einer Operation, oder schnelle Hilfe nötig | Bedarf dauerhaft, das Bad wird ohnehin umgebaut |
Quelle: Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 33 (11.12.2025); § 40 Abs. 4 SGB XI; eigene Zusammenstellung. Stand: 18.10.2026.
Eine feste WC-Höhe nennt die DIN 18040-2 nur für Bäder, die mit dem Rollstuhl nutzbar sein sollen: 46 bis 48 Zentimeter einschließlich Sitz. Sonst richtet sich die Höhe nach der Person, die das WC nutzt. Was der Zuschuss beim Badumbau bedeutet, rechnet der Badumbau-Zuschuss-Rechner durch; die Voraussetzungen erklärt der Ratgeber Badumbau Zuschuss Pflegekasse.
Welche Toilettensitzerhöhung passt?
Die passende Erhöhung hängt von der Höhe der vorhandenen Toilette, von Ihrer Körpergröße und davon ab, wie viel Halt Sie brauchen. Als Faustregel vergleichen Sie die Höhe des WC mit der Sitzhöhe eines Stuhls, von dem Sie gut allein aufstehen; der Unterschied zeigt ungefähr die nötige Erhöhung. Die Messung Schritt für Schritt erklärt der Ratgeber Barrierefreies WC.
Für die Wahl des Modells helfen diese Fragen:
- Reicht eine feste Höhe? Wenn mehrere Menschen die Toilette nutzen oder sich der Bedarf ändert, ist ein höhenverstellbares Modell sinnvoll.
- Fehlt Halt im Oberkörper? Wer beim Sitzen zur Seite rutscht oder sich beim Aufstehen abstützen muss, braucht eher ein Modell mit Armlehnen oder ein Toilettenstützgestell.
- Passt das Becken? Nehmen Sie Form und Maße Ihres WC-Beckens mit ins Sanitätshaus, damit der Aufsatz sicher befestigt werden kann.
- Gibt es Platz neben dem WC? Armlehnen und Stützgestelle brauchen seitlich Raum; messen Sie den Abstand zu Wand und Waschbecken.
Das Verzeichnis verlangt, dass Toilettensitzerhöhungen sicher am Becken befestigt, reinigungsfähig und desinfizierbar sind. Lassen Sie sich die Montage zeigen und prüfen Sie den Sitz regelmäßig auf festen Halt.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Eine Frau mit Pflegegrad 2 bekommt ein neues Kniegelenk. Nach der Entlassung kommt sie von ihrer niedrigen Toilette nur mit Mühe hoch. Die Hausärztin verordnet eine Toilettensitzerhöhung mit Armlehnen, das Sanitätshaus montiert sie am nächsten Tag; die Frau zahlt 10 Euro zu.
Ein Jahr später plant die Familie ohnehin ein neues Bad. Die Tochter beantragt bei der Pflegekasse vor Beginn der Arbeiten den Zuschuss für ein höher montiertes WC mit Stützklappgriffen (siehe Haltegriff), zusammen mit einer bodengleichen Dusche als eine Maßnahme. Die Pflegekasse kann bis zu 4.180 Euro zuschießen, den Aufsatz braucht die Frau danach nicht mehr.
Wann diese Regeln nicht greifen
- Handelsüblicher Sitz: Ein erhöhter WC-Sitz aus dem Baumarkt ohne Hilfsmittelnummer ist ein Gebrauchsgegenstand und keine Kassenleistung.
- Kauf vor dem Antrag: Kaufen Sie selbst, ohne Verordnung und Vertragspartner, erstattet die Kasse in der Regel nichts.
- Umbau ohne Pflegegrad: Ohne Pflegegrad gibt es keinen Zuschuss der Pflegekasse für ein höheres WC.
- Toilette nicht erreichbar: Schafft die Person den Weg zur Toilette nicht mehr, hilft eher ein Toilettenstuhl am Bett. Mehr dazu im Ratgeber Toilettenstuhl.
Lehnt die Kasse ab, können Sie innerhalb eines Monats widersprechen. Wir helfen bei der Vorbereitung und vermitteln, wo nötig, an einen Partner mit Erlaubnis zur Rechtsberatung (z. B. Rechtsanwältin, Sozialverband), siehe Widerspruch.
Häufige Fragen
Bekomme ich eine Toilettensitzerhöhung auf Rezept?
Ja. Lassen Sie sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt verordnen und lösen Sie die Verordnung bei einem Sanitätshaus ein, das Vertragspartner Ihrer Krankenkasse ist.
Zahlt die Krankenkasse eine Toilettensitzerhöhung nach einer Hüftoperation?
Ja, wenn sie nötig ist, um die Toilette wieder selbständig zu nutzen, und verordnet wird. Sie zahlen höchstens 10 Euro zu.
Was ist der Unterschied zwischen Toilettensitzerhöhung und erhöhtem Toilettensitz?
Gemeint ist meist dasselbe: ein Aufsatz, der die Sitzfläche erhöht. Ein fest erhöhtes WC-Becken ist dagegen ein Umbau.
Wer zahlt ein höheres WC?
Mit Pflegegrad die Pflegekasse als wohnumfeldverbessernde Maßnahme, bis 4.180 Euro je Maßnahme. Die Krankenkasse zahlt WC-Becken nicht.
Brauche ich für den Aufsatz einen Pflegegrad?
Nein. Die Krankenkasse zahlt ihn auf Verordnung. Mit Pflegegrad können Sie ihn alternativ bei der Pflegekasse beantragen.
Zusammenfassung
Eine Toilettensitzerhöhung ist ein Hilfsmittel, das die Krankenkasse auf Verordnung zahlt; mit Pflegegrad können Sie sie auch bei der Pflegekasse beantragen, die Zuzahlung beträgt höchstens 10 Euro. Modelle mit Armlehnen helfen, wenn zusätzlich der Halt im Oberkörper fehlt. Ein höheres WC-Becken ist ein Umbau, den nur die Pflegekasse mit bis zu 4.180 Euro je Maßnahme bezuschussen kann. Für eine schnelle oder vorübergehende Hilfe ist der Aufsatz meist die einfachere Lösung.
Mehr zu Kassen und Zuzahlungen auf der Seite Hilfsmittel; Umbauten im Bad erklärt die Themenseite Barrierefrei wohnen.
Quellen
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 33 Toilettenhilfen, Fortschreibung vom 11.12.2025 (Definition, Leistungsrechtliche Hinweise, Produktarten 33.40.01.0 bis 33.40.05.0), abgerufen am 18.10.2026
- GKV-Spitzenverband, Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi) vom 11.11.2013, Anlage 1 (Abdruck AOK), abgerufen am 18.10.2026
- § 33 SGB V, Hilfsmittel, abgerufen am 18.10.2026
- § 61 SGB V, Zuzahlungen, abgerufen am 18.10.2026
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026, BGBl. 2026 I Nr. 228 (Art. 1 Nr. 23: § 61 SGB V ab 01.01.2027), abgerufen am 18.10.2026
- § 40 SGB XI, Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (Abs. 4 und 5), abgerufen am 18.10.2026
- GKV-Spitzenverband, Gemeinsames Rundschreiben zu den leistungsrechtlichen Vorschriften des SGB XI, Stand 02.04.2026 (§ 40, Ziffer 4, Beispiel Anpassung der Höhe von Einrichtungsgegenständen), abgerufen am 18.10.2026
- GKV-Spitzenverband: Empfehlungen nach § 78 Abs. 2a SGB XI zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen, Fassung vom 30.09.2024 (Hilfsmittel und Umbau nebeneinander), abgerufen am 18.10.2026
- DIN 18040-2:2011-09, Abdruck in: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW, Barrierefreies Bauen, Planungsgrundlagen Teil 2: Wohnungen, Ausgabe Juni 2023 (Abschnitt 5.5.3, Sitzhöhe WC rollstuhlgerecht), abgerufen am 18.10.2026






