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Ratgeber Betreuung zu Hause

Tracheo­stoma: Was Ange­hö­rige für die Pflege zu Hause wissen müssen

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Ein Tracheostoma ist eine operativ angelegte Öffnung der Luftröhre am Hals, über die der Mensch atmet, meist durch eine Trachealkanüle. Zu Hause übernimmt auf ärztliche Verordnung ein Pflegedienst Kanülenwechsel, Pflege und Absaugen; Angehörige werden angeleitet. Kanülen und Zubehör zahlt die Krankenkasse, Sie zahlen höchstens 10 Euro je Hilfsmittel oder 15 Euro im Monat für Verbrauchsmaterial (Stand 18.10.2026).

Wenn ein Angehöriger mit einem Tracheostoma aus dem Krankenhaus kommt, ist das für viele Familien zunächst beängstigend. Das Atmen klingt anders, Sprechen geht vielleicht nicht, und plötzlich gibt es Geräte, Filter und Fachbegriffe. Dieser Ratgeber erklärt, was ein Tracheostoma ist, wer welche Aufgabe übernimmt, was die Kassen zahlen und wann es ein Notfall ist. Er gehört zum Bereich Pflegewissen. Die Handgriffe selbst lernen Sie vom Pflegedienst, nicht aus dem Internet.

Was ist ein Tracheostoma?

Ein Tracheostoma ist ein künstlicher Zugang zur Luftröhre, der bei einer Operation am Hals angelegt wird. Die Operation heißt Tracheotomie, umgangssprachlich Luftröhrenschnitt. Die Atemluft strömt dann nicht mehr oder nur noch teilweise durch Nase und Mund, sondern durch die Öffnung am Hals. Meist hält ein kleines Röhrchen, die Trachealkanüle, die Öffnung offen.

Gründe für ein Tracheostoma sind zum Beispiel eine lange künstliche Beatmung, die Entfernung des Kehlkopfes bei Krebs, eine Verengung der oberen Atemwege durch einen Tumor oder eine Verletzung oder schwere Schluckstörungen. Ein Tracheostoma kann vorübergehend sein und später wieder verschlossen werden, oder es bleibt dauerhaft, etwa nach einer Kehlkopfentfernung.

Weil die Luft nicht mehr durch Nase und Rachen strömt, wird sie nicht mehr erwärmt, befeuchtet und gereinigt. Deshalb tragen viele Menschen einen Filter vor der Kanüle, oft "feuchte Nase" genannt. Auch Riechen und Schmecken können sich verändern. Ob und wie Ihr Angehöriger sprechen kann, hängt von der Operation und der Kanüle ab.

Welche Rolle spielt die Trachealkanüle?

Die Trachealkanüle hält das Tracheostoma offen; welche passt, entscheidet die Ärztin zusammen mit dem Pflegeteam. Es gibt blockbare Kanülen mit einem kleinen Ballon, der die Luftröhre abdichtet, und nicht blockbare Kanülen, dazu Ausführungen mit herausnehmbarer Innenkanüle, Sprechventile und Filter. Die Kanüle wird in festen Abständen gewechselt; wie oft, legt der Behandlungsplan fest. Arten, Zubehör und Kosten im Einzelnen erklärt der Ratgeber Trachealkanüle.

Nach einer Kehlkopfentfernung gibt es eigene Wege zum Sprechen, etwa eine Stimmprothese oder eine Sprechhilfe; dafür ist eine Logopädin oder ein Logopäde zuständig.

Wer übernimmt die Pflege zu Hause?

Die Pflege eines Tracheostomas ist medizinische Behandlungspflege und gehört in fachliche Hände, solange Angehörige sie nicht sicher gelernt haben. Je nachdem, wie viel Überwachung nötig ist, gibt es zwei Wege, die beide die Krankenkasse bezahlt:

  • Häusliche Krankenpflege (§ 37 SGB V): Ein Pflegedienst kommt zu festen Zeiten. Die Häusliche Krankenpflege-Richtlinie nennt dafür ausdrücklich den Wechsel und die Pflege der Trachealkanüle mit Reinigung, Pflege des Stomas und Fixieren der neuen Kanüle (Nr. 29) sowie das Absaugen der oberen Luftwege (Nr. 6). Die Ärztin verordnet das.
  • Außerklinische Intensivpflege (§ 37c SGB V): Eine Pflegefachkraft ist ständig anwesend. Das gilt, wenn wegen lebensbedrohlicher Situationen täglich und unvorhersehbar sofort eingegriffen werden muss, etwa bei Beatmung. Ein Tracheostoma allein reicht dafür nicht aus; die Richtlinie sagt ausdrücklich, dass nicht nur auf das Vorhandensein eines Tracheostomas abgestellt werden darf.

Wie die außerklinische Intensivpflege verordnet wird und wie Sie einen geeigneten Dienst finden, erklärt der Ratgeber Intensivpflege zu Hause. Bei Intensivpflege muss vor jeder Verordnung geprüft werden, ob die Kanüle später entfernt werden kann.

Angehörige können Aufgaben übernehmen, wenn sie dafür angeleitet wurden. Die Richtlinie sieht bis zu zehn Anleitungen durch den Pflegedienst vor, wenn Lernbereitschaft da ist (Nr. 7). Viele Kliniken üben Absaugen und Kanülenpflege bereits vor der Entlassung mit den Angehörigen. Wie oft gereinigt, gewechselt oder abgesaugt wird, legt immer das Behandlungsteam fest, nach Behandlungsplan und Herstellerangaben.

Checkliste: Was vor der Entlassung geklärt sein sollte

Diese Fragen helfen beim Entlassgespräch im Krankenhaus und beim ersten Termin mit Pflegedienst und Hilfsmittelversorger:

  • Ist die häusliche Krankenpflege oder die Intensivpflege verordnet, und welcher Dienst übernimmt sie ab dem ersten Tag?
  • Welcher Hilfsmittelversorger liefert Kanülen, Filter, Absauggerät und Zubehör, und wann kommt die Lieferung?
  • Wer hat uns gezeigt, wie Absaugen und Kanülenpflege gehen, und wer kommt zur weiteren Anleitung?
  • Welche Notfallausrüstung brauchen wir zu Hause, wo liegt sie, und was tun wir, wenn die Kanüle verrutscht oder verstopft?
  • Wann wird die Kanüle gewechselt, und wer macht das?
  • Wie kann unser Angehöriger sich verständigen, solange Sprechen nicht geht?
  • Ist ein Pflegegrad beantragt?

Der Übergang aus dem Krankenhaus ist im Ratgeber Entlassmanagement beschrieben.

Woran erkennen Sie einen Notfall?

Ein Notfall ist es, wenn Ihr Angehöriger nicht ausreichend Luft bekommt. Rufen Sie dann sofort den Rettungsdienst unter 112 und sagen Sie dazu, dass es sich um einen Menschen mit Tracheostoma handelt. Das gilt auch, wenn die Kanüle herausgerutscht ist und sich nicht nach dem gelernten Vorgehen wieder einsetzen lässt, oder wenn starke Blutungen auftreten.

Melden Sie sich zeitnah beim Pflegedienst oder in der Arztpraxis, wenn

  • blutiges Sekret oder Borken abgehustet oder abgesaugt werden,
  • die Haut um das Stoma gerötet, geschwollen, nässend oder verletzt ist oder schmerzt,
  • sich das Sekret deutlich verändert, etwa in Farbe, Menge oder Geruch, oder Fieber auftritt,
  • Sie unsicher im Umgang mit Kanüle oder Geräten sind.

Was im Notfall genau zu tun ist, hängt von Kanüle und Erkrankung ab. Lassen Sie sich dafür einen schriftlichen Notfallplan geben und üben Sie ihn mit dem Pflegedienst.

Wer bezahlt Hilfsmittel und Pflege?

Hilfsmittel und Behandlungspflege bei Tracheostoma zahlt die Krankenkasse, unabhängig vom Pflegegrad. Die Übersicht zeigt Ihren Eigenanteil:

LeistungWer zahltVoraussetzungIhr Eigenanteil
Filter, Absaugkatheter, Kompressen und anderes VerbrauchsmaterialKrankenkasseärztliche Verordnung, Vertragspartner der Kasse10 Prozent, höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf
Trachealkanülen, Absauggerät, Inhalationsgerät und andere GeräteKrankenkasseärztliche Verordnung10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Hilfsmittel; ab 01.01.2027 mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro
Häusliche Krankenpflege (Kanülenwechsel, Absaugen, Anleitung)Krankenkasseärztliche Verordnung10 Prozent der Kosten für höchstens 28 Tage im Jahr plus 10 Euro je Verordnung, ab 01.01.2027 plus 15 Euro
Außerklinische Intensivpflege zu HauseKrankenkasseVerordnung durch besonders qualifizierte Ärztin10 Prozent der Kosten für die ersten 28 Tage im Jahr plus 10 Euro je Verordnung, ab 01.01.2027 plus 15 Euro
Pflege im Alltag (Waschen, Anziehen, Essen)PflegekassePflegegradje nach Leistung, siehe Seite Pflegegrad

Quelle: § 33 Abs. 8, § 37 Abs. 5, § 37c Abs. 5, § 61 SGB V; § 61 SGB V in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ab 01.01.2027 (BGBl. 2026 I Nr. 228); GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 12, Fortschreibung vom 30.07.2026. Zuordnung zu Gerät oder Verbrauch entscheidet die Krankenkasse. Stand: 18.10.2026.

Für Verbrauchsmaterial gilt gesetzlich seit 30.07.2026 höchstens 15 Euro für den Monatsbedarf (§ 33 Abs. 8 Satz 3 SGB V, vorher 10 Euro). Laut Pharmazeutischer Zeitung vom 19.08.2026 rechnen viele Apotheken und Versorger bis Ende 2026 noch nach dem alten Höchstbetrag ab. Die Hilfsmittel gehören zur Produktgruppe 12 "Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie" des Hilfsmittelverzeichnisses; danach werden immer mindestens zwei Trachealkanülen geliefert, damit jederzeit eine gereinigt werden kann. Geliefert werden sie von einem Vertragspartner Ihrer Krankenkasse, der Sie zu Hause berät und in die Geräte einweist. Bestimmtes Zubehör, etwa Kompressen, Kanülenbänder, Schutztücher und Reinigungsmaterial, kann auch eine Pflegefachkraft des Pflegedienstes empfehlen; dann ist kein ärztliches Rezept nötig, wenn der Antrag innerhalb von zwei Wochen gestellt wird (§ 40 Abs. 6 SGB XI und Richtlinien des GKV-Spitzenverbands). Kanülen selbst gehören nicht dazu. Wer viele Zuzahlungen leistet, kann ab der Belastungsgrenze befreit werden. Welche Kasse wofür zuständig ist, zeigt die Übersicht Pflegekasse und Krankenkasse.

Bekommt man mit Tracheostoma einen Pflegegrad?

Ein Tracheostoma allein führt nicht automatisch zu einem Pflegegrad, aber es wird bei der Begutachtung berücksichtigt. Im Modul 5 der Begutachtung zählen unter anderem Absaugen und Sauerstoffgabe und der Umgang mit körpernahen Hilfsmitteln, gewertet nach der Häufigkeit pro Tag. Dazu kommen oft Einschränkungen bei Mobilität, Selbstversorgung oder Verständigung.

Beantragen Sie den Pflegegrad früh, am besten schon im Krankenhaus. Gibt es Hinweise, dass die Begutachtung für die Weiterversorgung nach der Entlassung noch in der Klinik nötig ist, muss sie spätestens am fünften Arbeitstag nach Eingang des Antrags bei der Pflegekasse stattfinden, ebenso im Hospiz und bei ambulanter Palliativversorgung (§ 18a Abs. 5 SGB XI); mehr im Ratgeber Pflegegrad-Eilantrag. Alles zu Antrag und Punkten finden Sie auf der Seite Pflegegrad. Mit Pflegegrad können Sie für die Körperpflege zusätzlich einen Pflegedienst über die Pflegesachleistung einsetzen; mehr auf der Seite Ambulante Pflege.

Ein Beispiel: Rückkehr nach der Kehlkopfoperation

Ein Mann ist nach einer Krebsoperation am Kehlkopf dauerhaft tracheotomiert und wird nicht beatmet. Vor der Entlassung üben er und seine Tochter mit der Station das Absaugen und die Reinigung der Innenkanüle. Die Klinik verordnet häusliche Krankenpflege für den Kanülenwechsel und mehrere Anleitungen, der Hilfsmittelversorger liefert am Entlassungstag Absauggerät, Filter und Kanülen.

Der Pflegedienst kommt anfangs täglich, später seltener, weil der Mann vieles selbst übernimmt. Er zahlt für das Verbrauchsmaterial höchstens 15 Euro im Monat zu. Eine Intensivpflege braucht er nicht, weil keine ständige Überwachung nötig ist.

Wann diese Regeln nicht gelten

Die Zuzahlungen gelten für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren; Kinder und Jugendliche zahlen nichts zu. Privat Versicherte richten sich nach ihrem Tarif. Im Pflegeheim übernimmt die Einrichtung die Behandlungspflege; außerklinische Intensivpflege ist dort ebenfalls möglich, mit einer Zuzahlung von 10 Euro je Tag, ab 01.01.2027 15 Euro, für höchstens 28 Tage im Jahr.

Ist die Erkrankung nicht mehr heilbar, kann eine palliative Versorgung hinzukommen. Mehr dazu auf der Seite Palliativ und Hospiz.

Häufige Fragen

Was ist ein Tracheostoma?
Eine operativ angelegte Öffnung der Luftröhre am Hals, über die der Mensch atmet, meist mit einer Trachealkanüle.

Kann man mit einem Tracheostoma sprechen?
Oft ja. Ist der Kehlkopf erhalten, ermöglichen Sprechkanülen oder Sprechventile das Sprechen. Nach einer Kehlkopfentfernung gibt es andere Wege, etwa eine Stimmprothese, die mit logopädischer Hilfe geübt werden.

Dürfen Angehörige absaugen und die Kanüle pflegen?
Ja, wenn sie dafür angeleitet wurden und sich sicher fühlen. Die Anleitung durch den Pflegedienst kann die Ärztin verordnen. Was Sie übernehmen, besprechen Sie mit dem Behandlungsteam.

Wer zahlt die Trachealkanülen?
Die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung, auch ohne Pflegegrad. Sie zahlen höchstens 10 Euro je Kanüle oder Gerät zu, für Verbrauchsmaterial höchstens 15 Euro im Monat.

Bekommt jeder mit Tracheostoma Intensivpflege?
Nein. Intensivpflege gibt es nur, wenn ständig eine Pflegefachkraft anwesend sein muss. Das Tracheostoma allein reicht dafür nicht.

Zusammenfassung

Ein Tracheostoma ist eine Öffnung der Luftröhre am Hals, über die der Mensch atmet, meist durch eine Trachealkanüle. Die Pflege zu Hause übernimmt auf Verordnung ein Pflegedienst, bei ständigem Überwachungsbedarf ein Intensivpflegedienst; Angehörige werden angeleitet. Kanülen, Filter und Geräte zahlt die Krankenkasse mit gesetzlicher Zuzahlung. Atemnot, eine herausgerutschte Kanüle oder starke Blutungen sind ein Notfall für die 112. Mehr Grundwissen im Bereich Pflegewissen.

Quellen

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