Zum Hauptinhalt springen
Ratgeber Haus­notruf

Haus­notruf bei Pflege­grad 4 2026: 27 € im Monat

Beim Hausnotruf zahlt die Pflegekasse bei Pflegegrad 4 genauso viel wie bei Pflegegrad 1: 27 Euro pro Monat. Welche zusätzlichen Hilfsmittel bei Pflegegrad 4 sinnvoll sind und wie der Antrag rechtlich abläuft.
Von der Pflege­kompass-Redaktion, geprüft von Tobias Grundmann, Experte für Pflege­recht
Aktu­a­li­siert am 13.07.2026, Lesezeit 11 Minuten
Hausnotruf bei Pflegegrad 4 2026: Senior im Pflegebett mit Notrufknopf, Pflegekraft hilft beim Lagern
Hausnotruf bei Pflegegrad 4: 27 € pro Monat plus zusätzliche Hilfsmittel, Quelle: PflegekompassSymbolbild, mit KI erstellt
Was gilt für mich?
Hausnotruf bei Pflegegrad 4: was passt zu Ihrer Situation?
Wählen Sie Ihre Pflege-Lage: Sie bekommen die rechtliche Einordnung dazu.
Alle Möglichkeiten anzeigen
Pflegegrad 4, lebt allein zu Hause: Pflegekasse zahlt 27 € im Monat, Sturzsensor dringend prüfen.
Bei Pflegegrad 4 und Alleinleben ist der Hausnotruf fast immer bewilligt. Wichtig: Bei Pflegegrad 4 ist die körperliche/kognitive Leistungsfähigkeit oft eingeschränkt, der Knopf wird im Notfall nicht mehr gedrückt. Sturzsensor (+6 bis 12 € im Monat) ist hier oft entscheidend.
Hausnotruf mit Sturzerkennung: 7 Modelle →
Pflegegrad 4, lebt mit Angehörigen: Tagsüber-Antrag oft sinnvoll, wenn Angehörige arbeiten.
Bei Pflegegrad 4 lässt sich der Antrag auch mit Angehörigen gut begründen, wenn diese tagsüber arbeiten und die Person stundenweise allein ist. Begründung: „Die versicherte Person ist tagsüber von [Uhrzeit] bis [Uhrzeit] allein und kann im Notfall nicht selbstständig Hilfe holen.“
Pflegegrad 4 und schwere Demenz: Klassischer Hausnotruf reicht oft nicht: Sensorsysteme prüfen.
Bei schwerer Demenz wird der Notrufknopf nicht aktiv gedrückt. Pflegekassen lehnen den klassischen Hausnotruf manchmal mit Verweis darauf ab. Sturzsensor oder Sensormatten am Bett sind hier sinnvoller, diese werden teilweise als Pflegehilfsmittel separat bezuschusst.
Hausnotruf bei Demenz →
Pflegegrad 4, bettlägerig: Notrufknopf am Bett montiert: funktioniert oft gut.
Bei bettlägerigen Menschen mit Pflegegrad 4 kann der Notrufsender als wandmontierter Großtaster nahe dem Bett montiert werden. Auch hier zahlt die Pflegekasse 27 € im Monat. Spezielle Großtaster und Sensormatten sind über § 40 SGB XI im individuellen Bedarf möglich.

Kurzantwort: Die Pflegekasse zahlt bei Pflegegrad 4 monatlich 27 Euro für den Hausnotruf nach § 40 SGB XI. Die Installation ist darin enthalten, eine Anschlussgebühr sieht der Vertrag der Pflegekassen nicht vor. Der Betrag ist für alle Pflegegrade gleich, von Pflegegrad 1 bis Pflegegrad 5. Bei Pflegegrad 4 sind zusätzliche Hilfsmittel wie Sturzsensor, Großtaster oder Sensormatten oft sinnvoll, die teilweise separat über § 40 SGB XI bezuschusst werden.

  • Pflegekasse zahlt: 27 € im Monat (bei jedem Pflegegrad gleich).
  • Installation: im Monatsbetrag enthalten, keine eigene Gebühr.
  • Rechtsgrundlage: § 40 SGB XI, technische Pflegehilfsmittel.
  • Definition Pflegegrad 4: mindestens 70 Punkte im NBA (schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit).
  • Sinnvoll dazu: Sturzsensor (+6 bis 12 €) oft unverzichtbar.

Pflegegrad 4 bedeutet, dass die Person, die Sie pflegen, in fast allen Lebensbereichen Hilfe braucht. Häufige Situationen: ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz, eine ältere Frau nach schwerem Schlaganfall, ein Mann mit Parkinson im späten Stadium. Die Pflegegradentscheidung trifft der Medizinische Dienst (MD) nach Begutachtung, Voraussetzung sind mindestens 70 von 100 Punkten im Neuen Begutachtungsassessment (NBA).

Genau in dieser Lebenssituation entstehen besondere Schutz-Bedürfnisse, und mit ihnen rechtliche Besonderheiten, die wir hier aus Sicht des Pflegerechts erklären.

Wie hoch ist der Hausnotruf-Zuschuss bei Pflegegrad 4?

Eine der häufigsten Missverständnisse: Viele Angehörige glauben, der Hausnotruf-Zuschuss steige mit dem Pflegegrad. Stimmt nicht. Anders als beim Pflegegeld oder bei den Pflegesachleistungen ist der Hausnotruf-Zuschuss eine Pauschale, die nicht pflegegradabhängig ist.

PflegegradHausnotruf-ZuschussPflegegeld (Vergleich)
Pflegegrad 127 € im Monatentfällt
Pflegegrad 227 € im Monat347 €
Pflegegrad 327 € im Monat599 €
Pflegegrad 427 € im Monat800 €
Pflegegrad 527 € im Monat990 €

Hilfsmittelverzeichnis GKV-Spitzenverband Produktgruppe 52 und § 37 SGB XI für Pflegegeld. Stand 2026. Die Installation ist im Monatsbetrag enthalten, so regelt es der Hausnotrufvertrag des GKV-Spitzenverbands seit 01.04.2026.

Mit anderen Worten: Wer Pflegegrad 2 bewilligt bekommt, erhält für den Hausnotruf genauso viel wie bei Pflegegrad 4. Die Höherstufung von Pflegegrad 3 auf Pflegegrad 4 bringt für den Hausnotruf nichts, wohl aber für andere Leistungen. Mehr dazu im Ratgeber Pflegegeld bei Pflegegrad 4.

Welche zusätzlichen Hilfsmittel sind bei Pflegegrad 4 sinnvoll?

Bei Pflegegrad 4 ist der klassische Hausnotruf-Knopf am Handgelenk oft nicht mehr ausreichend. Mögliche Gründe: Die Person ist bettlägerig und erreicht den Knopf nicht; sie kann ihn aufgrund von Demenz oder kognitiven Einschränkungen nicht bewusst drücken; sie verliert nach einem Sturz das Bewusstsein. Aus rechtlicher Sicht ergeben sich daraus weitere Hilfsmittel-Ansprüche.

  1. Sturzsensor. Beschleunigungs-basierter Sensor, der bei einem Sturz automatisch einen Notruf auslöst. Aufpreis 6 bis 12 € im Monat. Wird vom Pflegekassen-Zuschuss nicht gedeckt, kann aber bei nachweisbarem hohen Sturzrisiko manchmal als „Härtefall“-Einzelleistung über § 40 SGB XI im individuellen Bedarf bewilligt werden. Bewilligungen sind selten, ein Antrag kann sich trotzdem lohnen.
  2. Großtaster mit Funkverbindung. Wandmontiert oder am Bett. Verbindet sich mit der Hausnotruf-Basisstation. Im Standardpaket einiger Anbieter enthalten, für bettlägerige Menschen mit Pflegegrad 4 oft die bessere Lösung als der Armband-Knopf.
  3. Sensormatten am Bett. Erkennen, wenn die Person aufsteht oder aus dem Bett fällt. Können in die Hausnotruf-Logik integriert werden. Eigenleistung, oft 20 bis 40 € im Monat.
  4. Klassische Pflegehilfsmittel. Pflegebett mit elektrischer Höhenverstellung, Lifter, Rollstuhl, Pflegerollator, alle über § 40 SGB XI bei individuellem Bedarf bezuschusst. Eine gesetzliche Zuzahlung ist möglich.
  5. Pflegebox-Verbrauchsmittel. Bis zu 42 € im Monat für Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel, separat zum Hausnotruf. Details im Ratgeber Pflegebox-Inhalt.

Rechtlicher Hinweis: Pflegehilfsmittel sind immer individuell zu beantragen. Die Pflegekasse darf einen Antrag nicht pauschal mit „Pflegegrad reicht nicht“ ablehnen, wenn der Bedarf konkret begründet ist. Bei Ablehnung lohnt sich der Widerspruch innerhalb von einem Monat, siehe unser Hausnotruf-Antrag-Ratgeber mit Widerspruch-Muster.

Wer beantragt den Hausnotruf bei Pflegegrad 4?

Aus rechtlicher Sicht ist Pflegegrad 4 oft ein Schwellenwert, viele Menschen mit diesem Pflegegrad sind nicht mehr geschäftsfähig oder können einen Antrag nicht mehr eigenständig stellen. Wer darf rechtlich für sie handeln?

  • Vorsorgevollmacht. Wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater vor der Demenz oder schweren Erkrankung eine Vorsorgevollmacht erteilt hat, kann der Bevollmächtigte den Hausnotruf-Antrag ohne weitere Genehmigung stellen. Die Vollmacht muss im Original vorliegen.
  • Betreuung nach §§ 1814 ff. BGB. Wenn keine Vollmacht besteht, hat das Betreuungsgericht in der Regel einen rechtlichen Betreuer bestellt. Dieser darf für die betreute Person den Hausnotruf-Antrag stellen, bei Beträgen unter 5.000 € ohne weitere Gerichts-Genehmigung.
  • Geschäftsfähigkeit erhalten. Auch bei Pflegegrad 4 sind manche Menschen weiterhin geschäftsfähig (z. B. bei körperlicher Behinderung ohne kognitive Einschränkung). In diesem Fall stellen sie den Antrag selbst.

Wichtig: Eine Generalvollmacht des Sozialversicherungsträgers ist nicht nötig. Eine schriftliche Antragsvollmacht für die Pflegekasse genügt, sofern die Person, die gepflegt wird, geistig noch in der Lage ist, sie zu erteilen. Das Standardformular bekommen Sie bei jeder Pflegekasse ohne Gebühr.

Wie läuft der Antrag bei der Pflegekasse rechtlich ab?

  1. Antragsstellung. Mündlich oder schriftlich bei der Pflegekasse. Der Tag der Antragsstellung ist rechtlich entscheidend, ab diesem Datum läuft die zweiwöchige Entscheidungsfrist nach § 18 SGB XI für Pflegegrad-Anträge bzw. drei Wochen für reine Hilfsmittel-Anträge.
  2. Sachverhaltsdarstellung. Bei Pflegegrad 4 ist die Begründung selten kritisch, das Notrufbedürfnis ergibt sich aus dem Schweregrad. Pflegekassen genehmigen den Antrag in der Regel ohne weitere Prüfung.
  3. Bewilligungsbescheid. Die Pflegekasse schickt einen schriftlichen Bescheid mit der Höhe der Leistung. Diesem Bescheid muss eine Rechtsbehelfsbelehrung beigefügt sein. Der Bescheid ist Grundlage für jede spätere Auseinandersetzung.
  4. Ablehnung: Widerspruch. Bei Ablehnung haben Sie einen Monat Zeit für einen schriftlichen Widerspruch nach § 84 SGG. Die Begründung muss nicht gleich mit eingereicht werden, der Widerspruch wahrt zunächst die Frist.

Welche Anbieter eignen sich besonders bei Pflegegrad 4?

Nicht jeder Hausnotruf-Anbieter ist für schwer pflegebedürftige Menschen gleich gut geeignet. Aus pflege-rechtlicher Sicht wichtig sind drei Kriterien.

  • Erreichbarkeit der Helfer vor Ort. Bei Pflegegrad 4 zählt jede Minute, die Anbieter mit dichtem Helfernetz vor Ort (Caritas, ASB, Malteser, Johanniter in vielen Regionen) sind hier oft im Vorteil. Vergleich der Anbieter im Hausnotruf-Anbieter-Vergleich.
  • Sturzsensor verfügbar. Nicht jeder Anbieter bietet einen automatischen Sturzsensor. Übersicht im Vergleich der Hausnotruf-Modelle mit Sturzerkennung.
  • Versorgungsvertrag mit Ihrer Pflegekasse. Damit die Pflegekasse die monatliche Grundgebühr übernimmt und Sie für die Grundversorgung nichts dazuzahlen. Die Pflegekasse hilft Ihnen bei der Auswahl, kontaktieren Sie sie direkt oder prüfen Sie das Hilfsmittelverzeichnis.

Häufige Fragen zum Hausnotruf bei Pflegegrad 4

Steigt der Hausnotruf-Zuschuss bei Pflegegrad 4?

Nein. Der Pflegekassen-Zuschuss ist für alle Pflegegrade gleich: 27 € im Monat, der Anschluss ist darin enthalten. Der höhere Pflegebedarf von Pflegegrad 4 schlägt sich beim Pflegegeld und bei anderen Pflegehilfsmitteln nieder, nicht beim Hausnotruf.

Brauche ich bei Pflegegrad 4 einen rechtlichen Betreuer?

Nur wenn die Person, die gepflegt wird, nicht mehr geschäftsfähig ist und keine Vorsorgevollmacht besteht. In diesem Fall bestellt das Betreuungsgericht einen Betreuer, der den Antrag stellt. Eine Vorsorgevollmacht vermeidet das Betreuungsverfahren.

Wie hoch sind die Kosten für Zusatzleistungen bei Pflegegrad 4?

Sturzsensor 6 bis 12 € im Monat, Sensormatte am Bett 20 bis 40 €, Schlüsseldepot bei Anbietern wo nicht inkludiert 3 bis 5 €, Mobilnotruf mit GPS 25 bis 40 € im Monat. Diese Zusätze zahlt die Familie selbst, die Pflegekasse bezuschusst sie in der Regel nicht.

Was passiert, wenn die Person mit Pflegegrad 4 den Knopf nicht drücken kann?

Bei Bewusstseinsstörungen oder schwerer Demenz funktioniert der klassische Hausnotruf nicht zuverlässig. Lösungen: automatischer Sturzsensor, Sensormatten am Bett, oder Anwesenheits-Sensoren in der Wohnung. Im Extremfall hilft nur 24-Stunden-Pflege oder ein Pflegeheim, siehe Ratgeber Pflegeheim-Kosten Pflegegrad 4.

Kann ich bei Pflegegrad 4 den Hausnotruf ablehnen lassen?

Theoretisch ja, aber sehr selten. Wer geschäftsfähig ist, kann jede Pflegekassen-Leistung ablehnen. Die Pflegekasse drängt nie zur Annahme. Wenn aber ein gesetzlicher Betreuer bestellt ist, muss dieser im Sinne der „Wünsche und Vorstellungen des Betreuten“ entscheiden: Ablehnung ohne Grund ist hier nicht durch das Betreuungsgesetz gedeckt.

Zusammenfassung

Bei Pflegegrad 4 bekommen Sie für den Hausnotruf genau so viel wie bei Pflegegrad 1, nämlich 27 € monatlich, die Installation ist darin enthalten. Der höhere Pflegebedarf schlägt sich an anderer Stelle nieder: höheres Pflegegeld, mehr Pflegehilfsmittel im Einzelfall, häufiger Anspruch auf Sturzsensor oder Sensorsysteme im Bett.

Aus rechtlicher Sicht sind bei Pflegegrad 4 zwei Punkte besonders wichtig: Wer stellt den Antrag (Vorsorgevollmacht oder Betreuer), und welche Hilfsmittel sind im Einzelfall begründbar. Bei einer Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe des Bescheids Widerspruch einlegen. Den breiteren Kontext gibt unser Ratgeber Hausnotruf 2026 und die Pflegegrad-4-Voraussetzungen.

Quellen und Hinweise

Alle Angaben wurden im Juli 2026 fachlich geprüft. Pflegerechtliche Sachverhalte können im Einzelfall abweichen, dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung durch einen Pflegestützpunkt, eine Sozialberatung oder einen Rechtsanwalt für Sozialrecht.

Unser AngebotPflegehilfsmittel jeden Monat nach HauseHandschuhe, Desinfektion und Bettschutz kommen monatlich zu Ihnen nach Hause. Die Pflegekasse übernimmt bis zu 42 Euro im Monat, Sie zahlen nichts dazu.Box zusammenstellen →
Beitrag teilen

Jede Woche das Wichtigste für Ihren Pflege­alltag

Neue Ratgeber und Änderungen bei den Leistungen. Ohne Werbung von Dritten, jederzeit abbestellbar.

Hinweise zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Mit der Pflege sind Sie nicht allein.

Im Forum stellen pflegende Angehörige ihre Fragen und teilen, was ihnen geholfen hat.