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Ratgeber Demenz

Alzheimer-Krankheit: Was im Gehirn passiert und was hilft

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Alzheimer ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der sich die Eiweiße Amyloid und Tau ablagern und Nervenzellen zugrunde gehen. Sie ist die häufigste Ursache einer Demenz, nach der Leitlinie für Patientinnen und Patienten bei etwa 60 bis 65 Prozent der Fälle. Heilbar ist sie nicht, aber Behandlung kann Beschwerden lindern und den Verlauf verlangsamen (Stand 18.10.2026).

Viele Menschen sagen "Alzheimer", wenn sie Demenz meinen. Tatsächlich ist Alzheimer eine bestimmte Krankheit, die häufigste von mehreren Ursachen einer Demenz. Dieser Ratgeber erklärt die Alzheimer-Krankheit selbst: was im Gehirn geschieht, wie sie verläuft und was hilft. Was Demenz allgemein bedeutet und welche Hilfen es gibt, steht auf der Seite Demenz.

Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?

Bei Alzheimer lagern sich im Gehirn krankhafte Eiweiße ab, vor allem Amyloid außerhalb und Tau innerhalb der Nervenzellen. Diese Ablagerungen stören die Verbindung zwischen den Nervenzellen, die nach und nach absterben. Das Gehirn verliert dabei an Masse.

Außerdem fehlt bei Menschen mit Alzheimer ein für Aufmerksamkeit und Gedächtnis wichtiger Botenstoff, das Acetylcholin. Warum die Krankheit entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt; sehr wahrscheinlich kommen mehrere Ursachen zusammen. Nach dem Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums beginnen die Veränderungen im Gehirn bereits 15 bis 30 Jahre, bevor erste Beschwerden auftreten.

Fachleute unterscheiden heute zwischen der Alzheimer-Krankheit, also den nachweisbaren Veränderungen im Gehirn, und der Alzheimer-Demenz, bei der diese Krankheit den Alltag deutlich beeinträchtigt. Von Alzheimer-Demenz im engeren Sinn spricht man nach der Leitlinie für Patientinnen und Patienten nur, wenn Amyloid und Tau mit speziellen Untersuchungen nachgewiesen wurden. Den Unterschied der Begriffe erklärt der Ratgeber Alzheimer und Demenz: der Unterschied.

Woran erkennt man Alzheimer?

Alzheimer beginnt meist schleichend mit Vergesslichkeit für kürzlich Erlebtes, Verlegen von Gegenständen und Unsicherheit bei der Orientierung. Typisch ist, dass dieselben Fragen oder Geschichten wiederholt werden und Termine verloren gehen, die früher selbstverständlich waren.

Mit der Zeit fällt es schwerer, Wörter zu finden und Gesprächen zu folgen. Viele Betroffene werden ängstlicher, misstrauischer oder ziehen sich zurück, oft auch aus Scham über die eigenen Fehler. Depressionen und Schlafstörungen kommen häufig hinzu.

Körperliche Beschwerden wie Taubheitsgefühle oder Lähmungen gehören nicht zum typischen Beginn; sie kommen nach dem Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums eher bei gefäßbedingten Demenzen hinzu. Treten solche Ausfälle plötzlich auf, rufen Sie den Notruf 112, denn sie können auf einen Schlaganfall hinweisen. Wie Sie erste Zeichen einordnen, beschreibt der Ratgeber Demenz: Anzeichen und Früherkennung. Ob sich die Anzeichen bei Frauen unterscheiden, behandelt der Ratgeber Anzeichen von Demenz bei Frauen.

Wie verläuft die Alzheimer-Krankheit?

Alzheimer schreitet über mehrere Jahre fort und wird in eine Vorstufe und drei Stadien eingeteilt. Wie schnell sich etwas verändert, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden; manche Beschwerden treten früher auf, andere gar nicht.

PhaseWas sich zeigtWas im Alltag hilft
Leichte kognitive Störung (Vorstufe)Messbare Einbußen beim Merken, der Alltag gelingt noch weitgehend selbstständigAbklärung, Bewegung, geistige und soziale Aktivität, Vorsorge regeln
Leichte Alzheimer-DemenzZunehmende Vergesslichkeit, Probleme mit Geld, Behörden und neuen Situationen, StimmungsschwankungenUnterstützung bei Organisation, Erinnerungshilfen, Gespräche über Wünsche
Mittelschwere Alzheimer-DemenzHilfe beim Kochen, Einkaufen, Waschen und Anziehen nötig; Orientierung auch zu Hause unsicher; Unruhe, gestörter Tag-Nacht-RhythmusFeste Tagesstruktur, Anleitung, Tagespflege, Entlastung der Angehörigen
Schwere Alzheimer-DemenzUnterstützung rund um die Uhr; Gespräche kaum noch möglich; Kontrolle über Körperfunktionen und Bewegungen geht verlorenPflege, Nähe, Berührung, Musik; palliative Begleitung

Quelle: gesundheitsinformation.de, Alzheimer-Demenz (Abschnitt Verlauf, aktualisiert 12.05.2025); Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige, April 2026. Stand: 18.10.2026.

Nach gesundheitsinformation.de verläuft eine Alzheimer-Demenz, die vor dem 65. Lebensjahr beginnt, meist rascher als bei Beginn im höheren Alter.

Wer bekommt Alzheimer, und welche Rolle spielen die Gene?

Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Nach dem Ratgeber des Bundesgesundheitsministeriums liegt eine Alzheimer-Demenz bei weniger als 3 Prozent der 65- bis 70-Jährigen vor, mit 85 Jahren ist etwa jede fünfte Person betroffen und ab 90 Jahren jede dritte. Unter den Menschen mit Demenz sind mehr Frauen als Männer, nach gesundheitsinformation.de vor allem, weil Frauen im Durchschnitt älter werden.

Rein erbliche Formen sind selten: Genetische Faktoren als alleinige Ursache liegen nach derselben Quelle in weniger als 2 Prozent der Fälle vor. In solchen Familien erkranken mehrere Mitglieder schon im mittleren Alter. Bestimmte Varianten des ApoE-Gens erhöhen das Risiko, erlauben nach gesundheitsinformation.de aber keine zuverlässige Vorhersage; ein Gentest "auf Verdacht" hilft deshalb nicht weiter.

Daneben beeinflussen Lebensumstände das Risiko. Genannt werden unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkohol, Depression, Schwerhörigkeit und Sehminderung sowie wenig soziale Kontakte. Nach der Leitlinie für Patientinnen und Patienten könnten Studien zufolge theoretisch bis zu 45 Prozent der Demenzerkrankungen durch Vorbeugung verhindert werden, eine Garantie gibt es aber nicht. Ein schlechtes Gehör lässt sich oft ausgleichen; mehr dazu im Ratgeber Hörgeräte: Anspruch und Kosten.

Wie wird Alzheimer festgestellt?

Alzheimer wird in mehreren Schritten festgestellt: Gespräch, Untersuchung, Tests der geistigen Leistungsfähigkeit, Blutwerte und eine Bildgebung des Gehirns, meist eine Magnetresonanztomographie (MRT). So werden zunächst andere, teils behandelbare Ursachen ausgeschlossen.

Ob tatsächlich eine Alzheimer-Krankheit vorliegt, lässt sich mit einer Untersuchung des Nervenwassers oder einer Amyloid-PET nachweisen, einer bildgebenden Untersuchung mit einer schwach radioaktiven Substanz. Dieser Nachweis sichert die Diagnose und ist nach der S3-Leitlinie (Fassung 03/2026) Voraussetzung für die neuen Antikörper-Behandlungen.

Bluttests auf Alzheimer sind nach der Leitlinie derzeit noch nicht als alleinige Grundlage einer Diagnose geeignet. Den Ablauf der Abklärung beschreibt der Ratgeber Demenz-Test beim Arzt, typische Aufgaben der Kurztests der Ratgeber Alzheimer-Testfragen. Ob hinter der Vergesslichkeit eine Depression steckt, klärt der Ratgeber Pseudodemenz oder Demenz.

Welche Behandlung hilft bei Alzheimer?

Alzheimer ist nicht heilbar, aber eine Kombination aus Aktivierung, Alltagshilfen und Medikamenten kann die geistigen Fähigkeiten eine Zeit lang stützen und die Lebensqualität verbessern. Welche Behandlung passt, entscheiden Ärztin oder Arzt gemeinsam mit der erkrankten Person und den Angehörigen.

Zu den nicht-medikamentösen Hilfen gehören körperliches Training, für das die Leitlinie für Patientinnen und Patienten 75 bis 150 Minuten pro Woche als günstig nennt, geistige Anregung in Gruppen, Ergotherapie und Musiktherapie. Eine klare Tagesstruktur, vertraute Gegenstände und eine ruhige Umgebung bilden die Grundlage.

Bei den Medikamenten unterscheidet die S3-Leitlinie nach Stadium:

  • Leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz: Acetylcholinesterase-Hemmer werden empfohlen. Sie sollen den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin bremsen.
  • Mittelschwere bis schwere Alzheimer-Demenz: Memantin wird empfohlen, für das leichte Stadium dagegen nicht.
  • Ginkgo-Extrakt: Ein bestimmter Ginkgo-biloba-Extrakt wird bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz vorgeschlagen, wenn zusätzlich Verhaltenssymptome bestehen (außer einer Psychose).
  • Frühe Alzheimer-Krankheit: Die Antikörper Lecanemab und Donanemab werden bei leichter kognitiver Störung durch Alzheimer oder leichter Alzheimer-Demenz vorgeschlagen, wenn Amyloid nachgewiesen ist und ein Gentest bestimmte Risiken ausschließt. Sie werden in spezialisierten Einrichtungen als Infusion gegeben und erfordern regelmäßige MRT-Kontrollen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss sah in seinen Nutzenbewertungen vom 19.02.2026 für Lecanemab und vom 16.04.2026 für Donanemab keinen belegten Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardbehandlung; verordnet werden können beide weiterhin. Ob eine Behandlung infrage kommt, lässt sich nur ärztlich klären. Die Wirkstoffgruppen im Einzelnen erklärt der Ratgeber Demenz-Medikamente. Dosierungen und Einnahme bestimmt ausschließlich die behandelnde Praxis.

Was bedeutet die Diagnose für die Familie?

Die Diagnose ist für die ganze Familie ein Einschnitt, und gleichzeitig öffnet sie den Weg zu Behandlung, Beratung und Leistungen. Wichtig ist, früh zu planen, solange die erkrankte Person noch mitentscheiden kann.

Ein Beispiel: Bei einer Frau Ende 70 wird eine leichte Alzheimer-Demenz festgestellt. Sie lebt allein, kommt aber mit Erinnerungszetteln und Hilfe beim Einkaufen zurecht. Die Familie nutzt die Zeit: Die Frau unterschreibt eine Vorsorgevollmacht und legt in einer Patientenverfügung fest, was sie im späten Stadium möchte. Weil sie beim Waschen und bei Arztterminen Anleitung braucht, beantragt die Tochter einen Pflegegrad und organisiert über den Entlastungsbetrag eine wöchentliche Alltagsbegleitung durch ein nach Landesrecht anerkanntes Angebot.

Mehr dazu auf den Seiten Vorsorge, Pflegegrad und Entlastungsbetrag sowie in den Ratgebern Pflegegrad beantragen und Demenz: Pflegegrad 2 oder 3. Wie Gespräche gelingen, erklärt der Ratgeber Kommunikation mit Demenzkranken.

Wann Alzheimer nicht die Erklärung ist

Nicht jede Vergesslichkeit im Alter ist Alzheimer, und nicht jede Demenz ist eine Alzheimer-Demenz. Depressionen, Schilddrüsenerkrankungen, Vitamin- oder Flüssigkeitsmangel und Nebenwirkungen von Medikamenten können ähnliche Beschwerden auslösen und lassen sich oft behandeln.

Daneben gibt es andere Demenzformen, etwa die vaskuläre Demenz durch Durchblutungsstörungen, die Lewy-Körper-Demenz oder die frontotemporale Demenz. Vor allem ältere Menschen haben manchmal eine Mischform aus Alzheimer und vaskulärer Demenz. Welche Form vorliegt, kann nur eine ärztliche Abklärung zeigen.

Häufige Fragen

Ist Alzheimer vererbbar?
Nur selten im engeren Sinn: In weniger als 2 Prozent der Fälle sind Gene die alleinige Ursache. Eine Demenz bei Eltern oder Geschwistern erhöht das eigene Risiko in der Regel nur geringfügig. Anders ist es in den seltenen Familien, in denen mehrere Mitglieder schon im mittleren Alter erkranken; dort hilft eine humangenetische Beratung weiter.

Ist Alzheimer heilbar?
Nein, nach heutigem Stand nicht. Behandlung und Aktivierung können Beschwerden lindern und den Verlauf verlangsamen.

Kann man Alzheimer vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Bewegung, geistige und soziale Aktivität sowie gut behandelter Blutdruck, Diabetes und Hörverlust senken nach heutigem Wissen das Risiko.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?
Demenz ist der Oberbegriff für den Verlust geistiger Fähigkeiten, Alzheimer die häufigste Krankheit, die ihn verursacht. Mehr im Ratgeber Alzheimer und Demenz: der Unterschied.

Zusammenfassung

Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz; im Gehirn lagern sich Amyloid und Tau ab, und Nervenzellen gehen zugrunde. Die Krankheit beginnt meist schleichend mit Vergesslichkeit für Neues und verläuft über mehrere Jahre in Stadien. Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor, rein erbliche Formen sind selten. Aktivierung, Alltagshilfen und je nach Stadium Medikamente können den Verlauf mildern, heilen lässt sich Alzheimer nicht.

Wie es nach der Diagnose weitergeht und welche Hilfen es gibt, steht auf der Seite Demenz.

Quellen

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