Ursache einer vaskulären Demenz sind Durchblutungsstörungen im Gehirn, etwa durch kleine oder größere Schlaganfälle, Hirnblutungen oder verdickte kleine Blutgefäße. Wichtigster Risikofaktor ist Bluthochdruck. Nach dem Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums machen gefäßbedingte Demenzen etwa 20 bis 30 Prozent aller Demenzen aus. Typisch sind Verlangsamung sowie Probleme mit Planung und Antrieb (Stand 18.10.2026).
Nach dem Schlaganfall war der Vater wie ausgewechselt: fahrig, langsam, ohne Antrieb. Oder es verändert sich über Jahre schleichend, ohne dass ein Schlaganfall bemerkt wurde. Beides kann hinter einer vaskulären, also gefäßbedingten, Demenz stecken. Dieser Ratgeber erklärt die Ursachen und was Angehörige tun können; den Überblick über alle Formen gibt die Seite Demenz.
Was ist die Ursache einer vaskulären Demenz?
Die Ursache ist eine gestörte Durchblutung des Gehirns, durch die Nervengewebe abstirbt. Wie ausgeprägt die Demenz ist, hängt davon ab, wie groß die Schäden sind und welche Hirnbereiche betroffen sind. Fachleute unterscheiden mehrere Formen:
| Form | Was im Gehirn passiert | Beginn und Verlauf |
|---|---|---|
| Erkrankung der kleinen Gefäße | Die Wände kleiner Blutgefäße in der Tiefe des Gehirns verdicken sich; es entstehen kleine Infarkte und Schäden an den Nervenfasern | Oft schleichend und allmählich, daher schwer von Alzheimer zu unterscheiden |
| Multi-Infarkt-Demenz | Viele kleine Schlaganfälle schädigen das Gehirn wiederholt | Eher plötzlicher Beginn, stufenweise Verschlechterung |
| Demenz nach einem größeren Schlaganfall oder einer Hirnblutung | Ein größerer Hirnbereich fällt aus | Beginnt nach dem Ereignis, Beschwerden je nach Ort der Schädigung |
| Mischform mit Alzheimer | Gefäßschäden und Alzheimer-Veränderungen treten gemeinsam auf | Meist schleichend, besonders im höheren Alter häufig |
Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Formen der Demenz (Abschnitt Vaskuläre Demenz); Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums, Stand 03/2026; Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige, April 2026. Stand: 18.10.2026.
Nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist die häufigste Variante die Erkrankung der kleinen Gefäße; die Multi-Infarkt-Demenz ist seltener. Der Ratgeber des Bundesgesundheitsministeriums schätzt, dass bei etwa 15 Prozent der Menschen mit Demenz eine Kombination aus Alzheimer und vaskulärer Demenz vorliegt.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Die Risikofaktoren sind dieselben, die allgemein Gefäße und Herz belasten. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft nennt Bluthochdruck als wichtigsten Risikofaktor. Die Leitlinie für Patientinnen und Patienten zählt diese Faktoren auf:
- erhöhter Blutdruck
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Fettstoffwechselstörung, etwa erhöhte Cholesterinwerte
- Rauchen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
Die gute Nachricht: Diese Faktoren lassen sich beeinflussen. Nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist durch eine rechtzeitige Behandlung der Risikofaktoren eine Vorbeugung der vaskulären Demenz grundsätzlich möglich, auch wenn es keine Garantie gibt. Wie sich Diabetes auf Pflege und Alltag auswirkt, erklärt der Ratgeber Diabetes-Folgen und Pflegegrad.
Woran erkennt man eine vaskuläre Demenz?
Typisch sind nach der Leitlinie für Patientinnen und Patienten Probleme mit Planung, Verlangsamung, Aufmerksamkeit und fehlendem Antrieb. Gedächtnisstörungen stehen nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oft weniger im Vordergrund als bei Alzheimer; häufiger fallen Denkschwierigkeiten und eine schwankende Stimmung auf.
Hinzu können körperliche Zeichen kommen, etwa Taubheitsgefühle, Lähmungen, Gangstörungen oder andere Folgen von Schlaganfällen. Nach dem Ratgeber des Bundesgesundheitsministeriums schwankt die Leistungsfähigkeit bei vaskulären Demenzen oft deutlich, auch innerhalb eines Tages.
Ein wichtiger Hinweis: Plötzliche Lähmungen oder Taubheitsgefühle, Sprachstörungen, Ausfälle im Gesichtsfeld, ein herabhängender Mundwinkel oder Schwindel mit unsicherem Gang können Zeichen eines akuten Schlaganfalls sein. Dann rufen Sie sofort den Notruf 112 und warten nicht ab, ob die Beschwerden wieder verschwinden (gesund.bund.de).
Wie verläuft eine vaskuläre Demenz?
Der Verlauf hängt von der Ursache ab. Nach einem oder mehreren Schlaganfällen verschlechtert sich der Zustand häufig stufenweise: Auf eine stabile Phase folgt mit einem neuen Ereignis ein Einbruch. Bei der Erkrankung der kleinen Gefäße ist der Verlauf dagegen oft schleichend und ähnelt dem der Alzheimer-Krankheit.
Wie schnell sich etwas verändert, ist sehr unterschiedlich. Weil neue Durchblutungsstörungen den Zustand verschlechtern können, ist die konsequente Behandlung von Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Herzrhythmus so wichtig. Die Beschwerden, die bereits bestehen, bilden sich dadurch in der Regel nicht zurück; weitere Schäden lassen sich aber unter Umständen verhindern.
Wie wird eine vaskuläre Demenz festgestellt?
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt, oft in einer neurologischen oder psychiatrischen Praxis oder einer Gedächtnisambulanz. Dazu gehören Gespräch, auch mit Angehörigen, eine neurologische Untersuchung, Tests der geistigen Leistungsfähigkeit, Blutuntersuchungen und eine Bildgebung des Gehirns. Den Ablauf im Einzelnen beschreibt der Ratgeber Demenz-Test beim Arzt.
In der Bildgebung des Gehirns, meist einer Magnetresonanztomographie (MRT), zeigen sich bei einer vaskulären Demenz nach der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in der Regel Veränderungen der Gefäße, vor allem der kleinen Versorgungsgefäße in den tiefen Bereichen des Gehirns. Entscheidend ist, dass diese Befunde zu den Beschwerden passen. Wie sich die Formen unterscheiden, erklärt der Ratgeber Alzheimer und Demenz: der Unterschied.
Welche Behandlung hilft bei vaskulärer Demenz?
Die wichtigste Behandlung ist, die Risikofaktoren für weitere Schlaganfälle bestmöglich zu behandeln. Das betrifft vor allem Blutdruck, Diabetes, Blutfette, Rauchen und Herzrhythmusstörungen. Welche Medikamente und Zielwerte dafür passen, legt die behandelnde Praxis fest.
Daneben empfiehlt die Leitlinie für Patientinnen und Patienten geistige Aktivierung, Bewegungsförderung, besonders Physiotherapie, Ergotherapie, eine klare Tagesstruktur sowie Schulung und Unterstützung der Angehörigen. Zur Verbesserung der geistigen Fähigkeiten schlägt die S3-Leitlinie auch bei der vaskulären Demenz Antidementiva vor, also Acetylcholinesterase-Hemmer oder Memantin, außerdem bei leichter bis mittelschwerer vaskulärer Demenz mit Verhaltenssymptomen einen bestimmten Ginkgo-Extrakt. Weder die Acetylcholinesterase-Hemmer noch Memantin sind für diese Form zugelassen; sie werden dann außerhalb der Zulassung eingesetzt, worüber die Ärztin oder der Arzt aufklären muss. Einen Überblick über die Wirkstoffgruppen gibt der Ratgeber Demenz-Medikamente.
Viele Menschen nach Schlaganfall nehmen mehrere Medikamente. Ein aktueller Plan hilft, den Überblick zu behalten; siehe Medikamentenplan erstellen. Auch eine Depression ist nach einem Schlaganfall häufig und behandelbar; mehr im Ratgeber Altersdepression nach Schlaganfall.
Was bedeutet das für Pflegegrad und Alltag?
Bei einer vaskulären Demenz ist jeder Pflegegrad möglich; entscheidend ist, wie selbstständig jemand im Alltag ist (§ 15 SGB XI). Neben den geistigen Fähigkeiten zählen hier oft auch Mobilität und Selbstversorgung, weil Schlaganfallfolgen hinzukommen. Weil sich der Zustand stufenweise verschlechtern kann, sollten Sie nach jeder deutlichen Verschlechterung prüfen, ob ein höherer Pflegegrad infrage kommt; siehe Pflegegrad erhöhen. Nach dem Regierungsentwurf zur Pflegereform vom 30.09.2026 würde ein Antrag auf Höherstufung ab 01.01.2027 nach höheren Punktschwellen beurteilt, ein Antrag bis 31.12.2026 nach den heutigen; den bisherigen Pflegegrad soll man allein wegen der neuen Werte nicht verlieren (§ 142b Abs. 1 und 2 SGB XI-E, noch nicht beschlossen).
Ein Beispiel: Eine Frau mit Bluthochdruck und Diabetes hatte in den letzten Jahren mehrere kleine Schlaganfälle. Sie hat Pflegegrad 2, kommt mit Hilfe beim Duschen und Einkaufen zurecht. Nach einem weiteren Schlaganfall braucht sie Anleitung beim Anziehen, verliert den Überblick über ihre Tabletten und stürzt häufiger. Ihre Tochter führt zwei Wochen ein Pflegetagebuch und stellt einen Antrag auf Höherstufung.
Kommt die Verschlechterung mit einem Krankenhausaufenthalt, hilft das Entlassmanagement bei der Organisation der Versorgung danach; für dringende Fälle gibt es den Pflegegrad-Eilantrag. Mehr zur Pflege nach einem Schlaganfall erklären die Ratgeber Pflege nach Schlaganfall und Schlaganfall: Pflegegrad bekommen. Nach dem Entwurf der Pflegereform sollen ab 01.01.2027 höhere Schwellen für die Pflegegrade 1 bis 3 gelten; das ist noch nicht beschlossen.
Wann diese Hinweise nicht passen
Nicht jeder Schlaganfall führt zu einer Demenz, und nicht jede Gefäßveränderung im MRT bedeutet, dass jemand dement ist; entscheidend ist, ob die Befunde zu den Beschwerden passen. Umgekehrt kann hinter Verlangsamung und Antriebslosigkeit auch eine Depression stecken.
Tritt Verwirrtheit plötzlich auf, etwa nach einer Operation oder bei einem Infekt, kann ein Delir dahinterstehen, ein akuter Verwirrtheitszustand. Das ist ein Grund, umgehend ärztlich abklären zu lassen; ist die Person kaum ansprechbar oder akut gefährdet, rufen Sie die 112. Die Diagnose einer vaskulären Demenz kann nur ärztlich gestellt werden.
Häufige Fragen
Ist eine vaskuläre Demenz heilbar?
Nein, bereits entstandene Schäden lassen sich in der Regel nicht rückgängig machen. Eine gute Behandlung der Risikofaktoren kann aber weitere Schlaganfälle und damit weitere Verschlechterungen unter Umständen verhindern.
Was ist der Unterschied zwischen vaskulärer Demenz und Alzheimer?
Bei der vaskulären Demenz ist die Ursache eine gestörte Durchblutung, bei Alzheimer sind es Eiweißablagerungen und Nervenzellverlust. Häufig kommen beide zusammen vor.
Kann man einer vaskulären Demenz vorbeugen?
Grundsätzlich ja, durch die rechtzeitige Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, Blutfetten und Herzrhythmusstörungen sowie Bewegung und Nichtrauchen. Eine Garantie gibt es nicht.
Welche Rolle spielt Bluthochdruck?
Bluthochdruck gilt als wichtigster Risikofaktor, weil er die kleinen Gefäße im Gehirn schädigt. Lassen Sie den Blutdruck regelmäßig kontrollieren und behandeln.
Zusammenfassung
Eine vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, durch Schlaganfälle, Hirnblutungen oder Schäden der kleinen Gefäße; wichtigster Risikofaktor ist Bluthochdruck. Typisch sind Verlangsamung, Planungs- und Antriebsprobleme, der Verlauf ist oft stufenweise. Die Behandlung der Risikofaktoren steht im Mittelpunkt, ergänzt durch Aktivierung, Therapien und je nach Fall Medikamente. Nach jeder deutlichen Verschlechterung lohnt der Blick auf den Pflegegrad.
Mehr zu allen Demenzformen und zu Hilfen finden Sie auf der Seite Demenz.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Demenz, Stand 03/2026 (Kapitel 1.2, 1.2.2), abgerufen am 18.10.2026
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Formen der Demenz, Abschnitt Vaskuläre Demenz, abgerufen am 18.10.2026
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Infoblatt 3, Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen, Stand November 2018, abgerufen am 18.10.2026
- DGN und DGPPN: Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige, 1. Auflage April 2026 (Kapitel 5, 6.8, Glossar), abgerufen am 18.10.2026
- AWMF: S3-Leitlinie Demenzen, Registernummer 038-013, Fassung 03/2026 (Empfehlung 68), abgerufen am 18.10.2026
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Infoblatt 5, Die medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen, Juni 2026, abgerufen am 18.10.2026
- § 15 SGB XI, Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit, abgerufen am 18.10.2026
- gesund.bund.de (BMG): Schlaganfall, Symptome und Notruf, Stand 16.12.2022, abgerufen am 18.10.2026
- Gesetzentwurf der Bundesregierung, Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), BR-Drs. 587/26(neu) vom 09.10.2026, Kabinettsfassung 30.09.2026 (§ 142b SGB XI-E), abgerufen am 18.10.2026




