Eine Demenzabklärung beginnt meist in der Hausarztpraxis mit Gespräch, körperlicher Untersuchung, Blutwerten und einem Kurztest wie Mini-Mental-Status-Test, DemTect oder Uhrentest. Ein Kurztest dauert meist etwa 15 Minuten und liefert nur Hinweise. Die Diagnose entsteht erst mit ausführlicher Testung und einer Bildgebung des Gehirns, oft in Facharztpraxis oder Gedächtnisambulanz (Stand 18.10.2026).
Vielleicht haben Sie Veränderungen bemerkt und fragen sich, was bei einem Termin auf Ihre Mutter oder Ihren Vater zukommt. Dieser Ratgeber erklärt den Weg der Abklärung und die üblichen Tests, damit Sie den Termin gut vorbereiten können. Einen Überblick über das ganze Thema gibt die Seite Demenz.
Wann ist eine Demenzabklärung sinnvoll?
Eine Abklärung ist sinnvoll, sobald jemand selbst über Gedächtnisprobleme klagt oder Angehörige wiederholt Veränderungen bemerken, etwa bei Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Verhalten. Die S3-Leitlinie Demenzen empfiehlt, bei Gedächtnisbeschwerden einen kurzen Gedächtnistest anzubieten, auch wenn die Beschwerden erst auf Nachfrage genannt werden, und zwar nach Zustimmung der betroffenen Person. Das gilt ausdrücklich auch für die Hausarztpraxis.
Ohne Beschwerden und ohne Hinweise auf eine Störung rät die Leitlinie dagegen von Gedächtnistests ab. Ein Test "zur Sicherheit" bei völlig unauffälligen Menschen ist also nicht vorgesehen.
Eine frühe Abklärung lohnt sich, weil auch behandelbare Ursachen hinter den Beschwerden stecken können, zum Beispiel eine Depression, eine Schilddrüsenstörung, ein Vitaminmangel, Flüssigkeitsmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Außerdem bleibt Zeit, Unterstützung zu planen und Vorsorgedokumente zu regeln. Welche ersten Zeichen ernst zu nehmen sind, beschreibt der Ratgeber Demenz: Anzeichen und Früherkennung.
Wie läuft die Abklärung Schritt für Schritt ab?
Die Abklärung folgt einem festen Ablauf: Erst wird gefragt und untersucht, dann getestet, dann nach Ursachen gesucht. Am Ende steht ein Gespräch über den Befund.
| Schritt | Was passiert | Wo meist |
|---|---|---|
| 1. Gespräch | Fragen zu Beschwerden, Alltag, Stimmung, Medikamenten und Vorerkrankungen; Befragung der Angehörigen | Hausarztpraxis |
| 2. Körperliche Untersuchung | Untersuchung von Körper und Nervensystem, auch Hören und Sehen | Hausarztpraxis |
| 3. Kurztest | 10 bis 15 Minuten Fragen und kleine Aufgaben, etwa MMST, DemTect oder Uhrentest | Hausarztpraxis oder Facharztpraxis |
| 4. Ausführliche Testung | Neuropsychologische Testung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Planen | Facharztpraxis, Gedächtnisambulanz |
| 5. Blutuntersuchung | Blutbild, Salze, Leber, Niere, Entzündung, Schilddrüse, Vitamin B12 | Hausarztpraxis |
| 6. Bildgebung | Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes, manchmal Computertomographie (CT) | Radiologie |
| 7. Weitere Untersuchungen bei Bedarf | Nervenwasser, Hirnstromkurve (EEG), PET, Gentest nur in besonderen Fällen, etwa wenn mehrere Familienmitglieder jung erkrankt sind | Facharztpraxis, Klinik |
| 8. Befundgespräch | Erklärung der Ergebnisse und, wenn möglich, der Diagnose | Behandelnde Praxis |
Quelle: Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige, April 2026, Kapitel 5; gesundheitsinformation.de, Alzheimer-Demenz (Abschnitt Diagnose). Stand: 18.10.2026.
Nicht jeder Schritt ist bei jedem Menschen nötig, und die Reihenfolge kann sich ändern. Die weitergehende Diagnostik machen nach der Leitlinie für Patientinnen und Patienten in der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde oder Psychiatrie, Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie und Gedächtnisambulanzen.
Welche Kurztests gibt es und was zeigen sie?
Die verbreitetsten Kurztests sind der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der DemTect und der Uhrentest. Sie prüfen mit Fragen und kleinen Aufgaben wichtige geistige Fähigkeiten wie Merken, Orientierung, Sprache, Rechnen und räumliches Denken.
- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Fragen zur zeitlichen und örtlichen Orientierung, Merken und späteres Erinnern von Begriffen, Rechnen, Benennen, Nachsprechen, eine kleine Handlungsaufgabe, Lesen, Schreiben und Abzeichnen. Es gibt höchstens 30 Punkte.
- DemTect: fünf Aufgaben, darunter eine Wortliste zum Merken, das Umwandeln von Zahlen in Wörter und umgekehrt, das Aufzählen von Dingen aus einem Supermarkt und das Rückwärtswiedergeben von Zahlenfolgen. Der Wert wird nach Alter und Schulbildung umgerechnet, höchstens sind es 18 Punkte. Er wurde besonders für frühe Stadien entwickelt.
- Uhrentest: Die Person zeichnet ein Zifferblatt und trägt eine vorgegebene Uhrzeit ein. Bewertet werden Planung, Aufmerksamkeit und räumliches Vorstellungsvermögen.
Wichtig ist, was diese Tests nicht leisten: Sie stellen keine Diagnose. Ergebnisse hängen auch von Schulbildung, Tagesform, Aufregung, Hören und Sehen ab. Ein unauffälliger Kurztest ist keine Entwarnung: Die S3-Leitlinie empfiehlt bei Verdacht eine ausführliche Testung auch dann, wenn der erste Kurztest unauffällig war. Wie solche Testaufgaben aussehen und warum sie sich nicht zum Selbsttest eignen, erklärt der Ratgeber Alzheimer-Testfragen.
Was zeigt die ausführliche neuropsychologische Testung?
Die ausführliche Testung misst die geistigen Fähigkeiten genauer und vergleicht sie mit Menschen gleichen Alters. Sie wird meist von erfahrenen Psychologinnen und Psychologen oder Neuropsychologen durchgeführt und dauert deutlich länger als ein Kurztest.
Untersucht werden unter anderem Lernen und Erinnern, Aufmerksamkeit, Sprache, Problemlösen und räumliche Fähigkeiten. Aus dem Muster der Ergebnisse lässt sich der Schweregrad einschätzen, also etwa leichte kognitive Störung oder leichte, mittelschwere oder schwere Demenz. Eine leichte kognitive Störung bedeutet, dass Einbußen messbar sind, der Alltag aber noch weitgehend allein gelingt.
Das Muster gibt auch Hinweise auf die Form, etwa ob eher das Gedächtnis oder eher Planung und Verhalten betroffen sind. Bei Verdacht auf eine Depression als Ursache der Vergesslichkeit gehört deren Abklärung dazu; mehr dazu im Ratgeber Pseudodemenz oder Demenz.
Welche Rolle spielen Blutwerte, MRT und Nervenwasser?
Blutwerte und Bildgebung dienen vor allem dazu, behandelbare Ursachen zu finden und die Form der Demenz einzugrenzen. Nach der S3-Leitlinie (Expertenkonsens) sollten bei der Abklärung unter anderem Blutbild, Salze im Blut (Natrium, Kalium, Calcium), Leber- und Nierenwerte, Entzündungswerte, Schilddrüsenwerte und Vitamin B12 bestimmt werden.
Zur Diagnose sollte nach der Leitlinie (Expertenkonsens) eine Bildgebung des Gehirns gehören, empfohlen ist eine MRT. Sie kann zum Beispiel Durchblutungsstörungen, Tumoren oder Blutungen zeigen und Hinweise auf Schwund in bestimmten Hirnregionen geben. Allein am MRT-Bild lässt sich eine Alzheimer-Krankheit aber nicht sicher erkennen.
Bleibt unklar, warum eine Gedächtnisstörung besteht, empfiehlt die Leitlinie eine Untersuchung des Nervenwassers, wenn das Ergebnis voraussichtlich die Behandlung beeinflusst. Dabei wird an der Lendenwirbelsäule mit einer Nadel etwas Flüssigkeit entnommen und auf Alzheimer-typische Eiweiße untersucht. Bluttests auf die Alzheimer-Krankheit sollen nach der Leitlinie derzeit nicht als alleinige Grundlage der Diagnose dienen. Welche Formen es gibt, erklärt der Ratgeber Alzheimer und Demenz: der Unterschied, die häufigste Form der Ratgeber Alzheimer.
Wie bereiten Sie den Termin vor?
Gut vorbereitet bringt der Termin mehr, denn die Schilderung der Angehörigen ist für die Ärztin oder den Arzt eine der wichtigsten Informationsquellen. Diese Checkliste hilft:
- Beobachtungen notieren: zwei bis vier Wochen lang aufschreiben, was wann aufgefallen ist, mit Datum und konkretem Beispiel.
- Medikamente mitbringen: alle Tabletten, Tropfen und Pflaster, auch rezeptfreie, am besten als Liste. Hilfe gibt der Ratgeber Medikamentenplan erstellen.
- Brille und Hörgerät mitnehmen: Schlechtes Sehen oder Hören verfälscht Testergebnisse. Mehr zur Versorgung im Ratgeber Hörgeräte: Anspruch und Kosten.
- Vorbefunde sammeln: Krankenhausberichte, frühere Untersuchungen, Liste der Vorerkrankungen.
- Begleiten: Fragen Sie die betroffene Person, ob Sie mitkommen dürfen. Viele Praxen sprechen auf Wunsch auch kurz allein mit Angehörigen.
- Fragen aufschreiben: zum Beispiel "Welche Ursache halten Sie für wahrscheinlich?" oder "Welche Untersuchung kommt als Nächstes?"
- Gute Tageszeit wählen: möglichst einen Termin, zu dem die Person meist ausgeruht ist.
Ein Beispiel: Eine Frau Mitte 70 vergisst seit einem halben Jahr Verabredungen und findet beim Kochen den Ablauf nicht mehr. Im Kurztest in der Hausarztpraxis erreicht sie ein unauffälliges Ergebnis. Weil ihr Sohn seine Beobachtungen aufgeschrieben hat, überweist die Ärztin trotzdem in eine Gedächtnisambulanz. Die ausführliche Testung zeigt eine leichte kognitive Störung; Blutwerte und MRT schließen andere Ursachen aus, und es wird eine Kontrolluntersuchung vereinbart.
Was tun, wenn die Person nicht zum Arzt will?
Jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob er sich untersuchen lässt; ein Test ist nur mit Zustimmung möglich. Viele Betroffene verbergen ihre Schwierigkeiten oder reagieren gereizt, wenn man sie anspricht. Druck führt dann selten weiter.
Hilfreich ist, die Beobachtungen über längere Zeit zu dokumentieren und mehrere Personen einzubeziehen, wie es der Ratgeber Demenz des Bundesgesundheitsministeriums empfiehlt. Sie können die Hausarztpraxis vorab über Ihre Sorgen informieren. Oft gelingt der Einstieg über einen ohnehin anstehenden Termin, bei dem die Ärztin oder der Arzt das Thema behutsam anspricht. Unterstützung bei solchen Gesprächen bieten Pflegestützpunkte und das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter 030 259 37 95 14 (montags bis donnerstags 9 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 15 Uhr).
Was ist von Online-Tests und Tests zu Hause zu halten?
Online-Tests und Selbsttests ersetzen keine Abklärung. Sie können nicht berücksichtigen, ob jemand schlecht sieht oder hört, aufgeregt ist, eine Depression hat oder Medikamente nimmt, und sie können weder beruhigen noch eine Diagnose stellen. Ein gutes Ergebnis kann in falscher Sicherheit wiegen, ein schlechtes unnötig ängstigen.
Wer sich Sorgen macht, ist mit einem Termin in der Hausarztpraxis besser beraten. Die Tests dort werden von geschultem Personal unter gleichen Bedingungen durchgeführt und zusammen mit Gespräch, Untersuchung und Befunden bewertet.
Was kommt nach der Diagnose?
Nach der Diagnose sollten Betroffene und Angehörige ausführlich über Befunde, Behandlung und Hilfen aufgeklärt werden, so sieht es die Leitlinie vor. Wichtige nächste Schritte sind die Behandlungsplanung, die Vorsorge und die Entlastung im Alltag. Welche Medikamente die Leitlinie nennt, erklärt der Ratgeber Demenz-Medikamente.
Regeln Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung früh, solange die erkrankte Person noch selbst entscheiden kann; mehr auf der Seite Vorsorge. Wenn im Alltag Hilfe nötig wird, kann ein Pflegegrad beantragt werden; wie das geht, erklärt der Ratgeber Pflegegrad beantragen. Kostenlose Beratung zu Hilfen vor Ort bieten die Pflegestützpunkte.
Häufige Fragen
Wer macht einen Demenztest?
Den ersten Kurztest macht meist die Hausarztpraxis. Ausführliche Tests machen Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie, Geriatrie und Gedächtnisambulanzen.
Wie lange dauert ein Demenztest?
Ein Kurztest dauert meist etwa 15 Minuten. Die ausführliche neuropsychologische Testung dauert deutlich länger und kann auf mehrere Termine verteilt werden.
Ist ein unauffälliger Uhrentest eine Entwarnung?
Nein. Ein Kurztest kann frühe Veränderungen übersehen. Bei begründetem Verdacht empfiehlt die Leitlinie eine ausführliche Testung, auch wenn der Kurztest unauffällig war.
Wo finde ich eine Gedächtnisambulanz?
Fragen Sie in der Hausarztpraxis nach einer Überweisung. Eine Übersicht bietet das Deutsche Netzwerk Gedächtnisambulanzen; auch die regionalen Alzheimer Gesellschaften und Pflegestützpunkte kennen Angebote in der Nähe.
Kann man für einen Demenztest üben?
Üben verfälscht das Ergebnis und hilft niemandem. Der Test soll zeigen, wie es um die Fähigkeiten im Alltag steht, damit die richtige Hilfe möglich wird.
Zusammenfassung
Die Demenzabklärung beginnt meist in der Hausarztpraxis mit Gespräch, Untersuchung, Blutwerten und einem Kurztest wie MMST, DemTect oder Uhrentest. Kurztests geben Hinweise, aber keine Diagnose, und ein unauffälliges Ergebnis schließt eine beginnende Demenz nicht aus. Ausführliche Testung, MRT und bei Bedarf weitere Untersuchungen klären Ursache und Form. Gut vorbereitete Angehörige mit konkreten Beobachtungen tragen viel zu einer sicheren Diagnose bei.
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Quellen
- AWMF: S3-Leitlinie Demenzen, Registernummer 038-013, Fassung 03/2026 (Empfehlungen 17 bis 21, 25 bis 27, 30, 36), abgerufen am 18.10.2026
- DGN und DGPPN: Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige, 1. Auflage April 2026 (Kapitel 5, 11, Glossar), abgerufen am 18.10.2026
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Infoblatt 3, Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzerkrankungen, Stand November 2018, abgerufen am 18.10.2026
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Alzheimer-Demenz, Abschnitt Diagnose, aktualisiert am 12.05.2025, abgerufen am 18.10.2026
- Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Demenz, Stand 03/2026 (Kapitel 1.3), abgerufen am 18.10.2026
- Folstein MF, Folstein SE, McHugh PR: Mini-Mental State. Journal of Psychiatric Research 1975; 12: 189 bis 198, abgerufen am 18.10.2026
- Kalbe E et al.: DemTect, a new, sensitive cognitive screening test. International Journal of Geriatric Psychiatry 2004; 19: 136 bis 143, abgerufen am 18.10.2026




