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Ratgeber

Notfall­dose: was hinein­ge­hört und wo sie stehen sollte

Von der Pflege­kompass-Redaktion
Aktu­a­li­siert am 18.10.2026

Die Notfalldose ist ein kleiner Behälter mit einem ausgefüllten Notfallblatt: Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Hausarzt, Kontaktpersonen und der Hinweis, wo Patientenverfügung und Vollmacht liegen. Sie steht in der Kühlschranktür. Zwei Aufkleber, innen an der Wohnungstür und außen am Kühlschrank, zeigen Helfern, dass es sie gibt (Stand 18.10.2026).

Ein Sturz in der Küche, ein Schwächeanfall in der Nacht: Wer allein lebt, kann Rettungskräften im Ernstfall oft nicht selbst sagen, welche Medikamente er nimmt oder wen man anrufen soll. Die Notfalldose hält diese Angaben an einem Ort bereit, den jeder findet. Sie gehört zum Thema Vorsorge und ergänzt Vollmacht und Patientenverfügung, ersetzt sie aber nicht.

Was ist eine Notfalldose?

Eine Notfalldose ist ein verschließbarer, meist zylinderförmiger Behälter, in dem ein Blatt mit den wichtigsten Gesundheits- und Kontaktangaben liegt. Sie soll Rettungsdienst, Notärztin oder Nachbarn helfen, schnell das Nötige zu erfahren, wenn die betroffene Person selbst nicht Auskunft geben kann.

Die Idee stammt aus Großbritannien und Irland. Dort heißt sie "Message in a Bottle" und wird unter anderem von Lions Clubs gemeinsam mit Rettungsdiensten verteilt. In Deutschland haben Lions Clubs, Seniorenbüros, Landkreise, Städte und Ortsverbände von Sozialverbänden die Dose bekannt gemacht. Je nach Anbieter heißt sie Notfalldose, Notfallbox, SOS-Dose oder Rettungsdose. Das Prinzip ist immer gleich, nur Farbe und Gestaltung der Aufkleber unterscheiden sich.

Eine gesetzliche Regelung oder einen einheitlichen Standard für die Notfalldose gibt es nicht. Sie ist eine freiwillige Hilfe, die nur so gut ist wie die Angaben darin.

Was gehört in die Notfalldose?

In die Dose gehört ein ausgefülltes Notfallblatt, keine Originaldokumente. Die folgende Checkliste können Sie abschreiben oder als Vorlage nutzen. Schreiben Sie gut lesbar, mit Datum.

Checkliste Notfallblatt

  1. Name, Geburtsdatum, Anschrift.
  2. Kontaktpersonen im Notfall: Name, Beziehung, Telefonnummer, möglichst zwei Personen.
  3. Hausarztpraxis mit Telefonnummer, dazu wichtige Fachärzte.
  4. Bekannte Erkrankungen, zum Beispiel Herzerkrankung, Diabetes, Demenz, Epilepsie.
  5. Aktuelle Medikamente mit Dosierung, am besten als Kopie des Medikationsplans.
  6. Allergien und Unverträglichkeiten, vor allem gegen Medikamente.
  7. Implantate und Hilfen, etwa Herzschrittmacher, künstliche Gelenke, Hörgeräte, Zahnprothese.
  8. Blutgruppe, wenn sie bekannt und belegt ist (zum Beispiel aus einem Ausweis).
  9. Pflegegrad und Pflegedienst, wenn vorhanden.
  10. Hinweis, ob es eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht und einen Organspendeausweis gibt und wo sie liegen.
  11. Wichtige Hinweise für Helfer, zum Beispiel Haustier in der Wohnung oder Schlüssel bei der Nachbarin.
  12. Datum der letzten Aktualisierung und Unterschrift.

Wer gleichzeitig mindestens drei verordnete, im ganzen Körper wirkende Medikamente nimmt, hat Anspruch auf einen Medikationsplan von der Arztpraxis (§ 31a Abs. 1 SGB V). Eine Kopie davon in der Dose ist genauer als jede Abschrift. Wie Sie einen Plan aktuell halten, zeigt der Ratgeber Medikamentenplan erstellen.

Nicht in die Dose gehören Kontodaten, PIN-Nummern, Passwörter oder die Originale von Vollmacht und Patientenverfügung. Die Dose steht offen im Kühlschrank, jeder Besucher könnte sie öffnen.

Wo steht die Notfalldose?

Die Notfalldose steht in der Kühlschranktür. Der Kühlschrank ist gewählt, weil es ihn in fast jeder Wohnung gibt und er leicht zu finden ist; gekühlt werden muss die Dose nicht.

Damit Helfer wissen, dass es eine Dose gibt, kleben Sie zwei Aufkleber auf:

  • einen innen an der Wohnungstür, damit ihn sieht, wer die Wohnung betritt,
  • einen außen am Kühlschrank.

Die meisten Dosen werden mit beiden Aufklebern ausgegeben. Verlassen Sie sich nicht allein auf die Aufkleber: Sagen Sie auch Angehörigen, Nachbarn und dem Pflegedienst, dass die Dose im Kühlschrank steht.

Woher bekommen Sie eine Notfalldose?

Notfalldosen geben viele Kommunen, Seniorenbüros, Pflegestützpunkte, Lions Clubs und Ortsverbände von Sozialverbänden aus, oft ohne Kosten für die Empfänger. Der Landkreis Bautzen etwa gab sie über sein Pflegenetz und die Bürgerämter aus (Infoblatt, Stand 03.2020), die Stadt Dortmund bei einer Informationsveranstaltung eines Seniorenbüros (Pressemitteilung vom 27.11.2023). Fragen Sie bei Ihrer Stadt, dem Seniorenbüro oder dem Pflegestützpunkt nach, ob es dort Dosen gibt.

Im Handel und in Apotheken gibt es Dosen verschiedener Hersteller. Wir nennen keine Marken und keine Preise. Wichtig ist nicht die Dose selbst, sondern ein vollständiges, aktuelles Notfallblatt und die beiden Aufkleber.

Notfalldose, Notfallkarte, Notfalldatensatz, Notfallordner: was ist was?

Die Notfalldose hilft nur in der eigenen Wohnung. Für unterwegs und für die Familie gibt es weitere Hilfen, die sich ergänzen.

HilfeWo sie istWas sie enthältWer sie pflegt
NotfalldoseKühlschranktür, Aufkleber an Wohnungstür und KühlschrankNotfallblatt mit Erkrankungen, Medikamenten, Kontakten, Hinweis auf VorsorgedokumenteSie selbst oder Angehörige
Notfallkarte (Notfallausweis, Notfallpass)Portemonnaie, neben dem PersonalausweisName, Kontaktperson, wichtigste Erkrankungen und Medikamente, Hinweis auf VorsorgedokumenteSie selbst
Notfalldatensatz auf der GesundheitskarteChip der elektronischen GesundheitskarteDiagnosen, Medikamente, Allergien, Hinweise wie Implantate, Kontakte; zusätzlich möglich: Ablageort von Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, OrganspendeausweisArztpraxis, nur mit Ihrer Einwilligung
Notfallordner (Notfallmappe)zu Hause, Ort mit Vertrauenspersonen abgesprochenKopien von Vorsorgedokumenten, Versicherungen, Verträgen, Konten, KontakteSie selbst oder Angehörige

Quelle: Landkreis Bautzen, Infoblatt Notfalldose (Stand 03.2020); Bundesministerium für Gesundheit, Notfalldaten (Stand 08.01.2026); gesund.bund.de, Notfalldatensatz (Stand 26.11.2024). Stand: 18.10.2026.

Notfallkarte im Portemonnaie. Eine Karte im Scheckkartenformat können Sie selbst gestalten und ausdrucken. Sie sollte nur das Nötigste enthalten und darauf hinweisen, dass zu Hause eine Notfalldose steht; eine Vorlage mit Checkliste bietet der Ratgeber Notfallpass. Viele Smartphones bieten außerdem einen Notfallpass, der auch bei gesperrtem Bildschirm lesbar ist.

Notfalldatensatz. Gesetzlich Versicherte können wichtige Gesundheitsdaten auf ihrer Gesundheitskarte speichern lassen, am besten in der Hausarztpraxis. Die Nutzung ist freiwillig. Bei einer neuen Karte ist der Datensatz nicht automatisch enthalten; die Praxis kann ihn übertragen.

Notfallordner. Er ist für die Familie gedacht, nicht für den Rettungsdienst. Was hineingehört, zeigt der Ratgeber Notfallordner für die Pflege.

Wann die Notfalldose nicht hilft

Die Dose ist eine Hilfe, sie sichert nicht jeden Fall ab. In diesen Fällen stößt sie an Grenzen:

  • Veraltete Angaben. Ein Medikamentenplan von vor zwei Jahren kann in die Irre führen. Prüfen Sie das Blatt nach jedem Arztbesuch mit neuen Medikamenten und nach jedem Krankenhausaufenthalt.
  • Notfall außerhalb der Wohnung. Dafür ist die Notfallkarte im Portemonnaie da.
  • Niemand weiß davon. Ohne Aufkleber und ohne Hinweis an Angehörige bleibt die Dose im Kühlschrank unbemerkt.
  • Rechtliche Wirkung. Ein kurzer Satz auf dem Notfallblatt wie "keine Wiederbelebung" ersetzt keine Patientenverfügung. Diese muss schriftlich festlegen, in welche Untersuchungen und Behandlungen Sie in welchen Situationen einwilligen oder nicht (§ 1827 Abs. 1 BGB). Was Sie für medizinische Behandlungen festlegen wollen, gehört deshalb in eine eigene Patientenverfügung; mehr im Ratgeber Patientenverfügung 2026. Wer im Ernstfall für Sie entscheiden darf, regelt die Vorsorgevollmacht.

Notfalldose und Hausnotruf: wie passt das zusammen?

Notfalldose und Hausnotruf ergänzen sich. Der Hausnotruf holt Hilfe, wenn Sie allein nicht mehr ans Telefon kommen. Die Notfalldose sagt den Helfern, die dann kommen, was sie über Sie wissen müssen.

Ein Beispiel: Eine Frau mit Pflegegrad 2 lebt allein, nimmt Blutverdünner und hat einen Hausnotruf. Nach einem Sturz drückt sie den Knopf, die Zentrale schickt den Rettungsdienst. In der Wohnung sieht der Rettungsdienst den Aufkleber an der Tür, findet die Dose und erfährt vom Blutverdünner und von der Tochter als Kontaktperson. Die Tochter wird angerufen und bringt den Ordner mit Vollmacht ins Krankenhaus.

Mit Pflegegrad zahlt die Pflegekasse für einen Hausnotruf die Grundleistung als Pflegehilfsmittel. Was das bedeutet und was er kostet, erklärt die Seite Hausnotruf.

Häufige Fragen

Muss die Notfalldose wirklich in den Kühlschrank?
Der Kühlschrank ist der übliche und auf den Aufklebern gemeinte Ort. Wenn Sie die Dose woanders aufbewahren, finden Helfer sie nicht. Bleiben Sie deshalb bei der Kühlschranktür.

Wie oft sollte ich das Notfallblatt aktualisieren?
Immer dann, wenn sich Medikamente, Erkrankungen oder Kontaktpersonen ändern, und sonst mindestens einmal im Jahr. Schreiben Sie das Datum der letzten Änderung auf das Blatt.

Gibt es die Notfalldose ohne Kosten?
Viele Städte, Seniorenbüros, Pflegestützpunkte und Vereine geben Notfalldosen ab, oft ohne Kosten. Ob es bei Ihnen ein solches Angebot gibt, erfahren Sie bei der Stadt oder dem Seniorenbüro.

Brauche ich eine Notfalldose, wenn ich Notfalldaten auf der Gesundheitskarte habe?
Beides ergänzt sich. Die Daten auf der Karte kann nur medizinisches Personal mit Lesegerät abrufen; die Dose kann jeder Helfer sofort lesen, auch Nachbarn.

Was ist der Unterschied zwischen Notfalldose und Notfallmappe?
Die Dose enthält ein einzelnes Blatt für Rettungskräfte. Die Notfallmappe oder der Notfallordner sammelt Kopien wichtiger Unterlagen für die Familie, etwa Vollmachten, Versicherungen und Verträge.

Zusammenfassung

Die Notfalldose ist ein Behälter in der Kühlschranktür mit einem Notfallblatt: Erkrankungen, Medikamente, Allergien, Hausarzt, Kontaktpersonen und der Ablageort von Vollmacht und Patientenverfügung. Zwei Aufkleber an Wohnungstür und Kühlschrank zeigen, dass es sie gibt. Sie hilft nur, wenn die Angaben aktuell sind und Angehörige davon wissen. Für unterwegs ergänzen eine Notfallkarte im Portemonnaie und der Notfalldatensatz auf der Gesundheitskarte die Dose. Weitere Schritte zur Vorsorge finden Sie auf der Seite Vorsorge.

Quellen

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