Ein Notfallpass, auch Notfallausweis, ist eine Karte im Portemonnaie mit den Angaben, die Rettungskräfte brauchen, wenn Sie selbst nicht sprechen können: Name, Kontaktperson, wichtige Erkrankungen, Medikamente, Allergien, Implantate und der Hinweis auf Patientenverfügung und Vollmacht. Er ergänzt die Notfalldose zu Hause und die Notfalldaten auf der Gesundheitskarte. Stand: 18.10.2026.
Ein Schwächeanfall beim Einkaufen, ein Sturz auf dem Gehweg: Unterwegs weiß niemand, wer Sie sind, welche Tabletten Sie nehmen oder wen man anrufen soll. Ein ausgefüllter Notfallpass beantwortet diese Fragen in Sekunden. Diese Seite zeigt, was hineingehört, gibt Ihnen eine Vorlage zum Abschreiben und erklärt, wie Notfallpass, Notfalldose und Notfalldaten zusammenpassen. Sie gehört zum Thema Vorsorge.
Was ist ein Notfallpass?
Ein Notfallpass ist ein persönliches Dokument mit medizinischen Notfallangaben, meist im Scheckkartenformat, das Sie bei sich tragen. Er ist freiwillig, gesetzlich nicht geregelt und an keine Form gebunden. Notfallpass, Notfallausweis, Notfallkarte und medizinischer Notfallausweis meinen dasselbe.
Neben dem allgemeinen Notfallpass gibt es Ausweise für bestimmte Situationen, etwa für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen, oder für Diabetes. Wer ein Implantat wie einen Herzschrittmacher, ein künstliches Gelenk oder einen Stent erhalten hat, bekommt einen Implantatausweis, den der Hersteller bereitstellt und die Klinik aushändigt (Art. 18 Verordnung (EU) 2017/745); für einige Produkte wie Nahtmaterial oder Zahnfüllungen gibt es keinen. Diese Ausweise ersetzen den allgemeinen Notfallpass nicht, sondern gehören daneben ins Portemonnaie.
Nicht gemeint ist der Notreisepass, ein vorläufiges Reisedokument, wenn der Reisepass fehlt; Auskunft geben die Passbehörde Ihrer Gemeinde und an Flughäfen die Bundespolizei (§ 19 Abs. 1 PassG).
Was gehört in den Notfallpass?
In den Notfallpass gehört nur, was im Notfall in den ersten Minuten wichtig ist. Je kürzer, desto schneller ist er gelesen. Schreiben Sie gut lesbar und tragen Sie das Datum ein.
Vorlage: Notfallpass zum Abschreiben
Vorderseite:
- Name, Vorname, Geburtsdatum
- Anschrift
- Kontaktperson im Notfall: Name, Beziehung, Telefonnummer (möglichst zwei Personen)
- Hausarztpraxis mit Telefonnummer
- Wichtige Erkrankungen, zum Beispiel Herzerkrankung, Diabetes, Epilepsie, Demenz, Asthma
- Allergien und Unverträglichkeiten, vor allem gegen Medikamente
Rückseite:
- Regelmäßige Medikamente mit Dosierung, besonders Blutverdünner, Insulin, Herzmedikamente, oder der Hinweis "Medikationsplan im Portemonnaie"
- Implantate und Hilfen: Herzschrittmacher, künstliche Gelenke, Hörgeräte, Zahnprothese
- Blutgruppe, nur wenn sie belegt ist, etwa aus einem Blutspende- oder Mutterpass
- Pflegegrad und Pflegedienst, falls vorhanden
- Hinweis: "Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht vorhanden, liegen bei …" und "Organspendeausweis vorhanden: ja/nein"
- Hinweis: "Notfalldose im Kühlschrank", falls Sie eine haben
- Datum der letzten Aktualisierung
Gehört mehr dazu, als auf eine Karte passt, legen Sie den Medikationsplan gefaltet dahinter. Wer mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig nimmt, hat Anspruch auf einen Medikationsplan von der Arztpraxis (§ 31a SGB V). Wie Sie ihn aktuell halten, zeigt der Ratgeber Medikamentenplan erstellen.
Nicht in den Notfallpass gehören Kontodaten, PIN-Nummern, Passwörter oder Ihre Versichertennummer. Er kann verloren gehen.
Wo bekommen Sie einen Notfallpass?
Sie können ihn selbst gestalten: Ein Blatt mit den Angaben oben, auf Scheckkartengröße gefaltet oder zugeschnitten und mit Klarsichtfolie geschützt, erfüllt den Zweck. Gedruckte Ausweise zum Ausfüllen geben auch Apotheken, Arztpraxen, Krankenkassen, Selbsthilfeorganisationen und Fachgesellschaften heraus, oft ohne Kosten. Wir nennen keine Anbieter; wichtig ist nicht die Karte, sondern dass die Angaben vollständig und aktuell sind.
Tragen Sie den Notfallpass immer an derselben Stelle, am besten direkt neben Personalausweis oder Gesundheitskarte. Dort suchen Rettungskräfte zuerst.
Notfallpass im Smartphone: lohnt sich das?
Ja, als Ergänzung. iPhones haben in der Health-App einen "Notfallpass", Android-Geräte unter "Sicherheit und Notfall" eine Funktion für Notfallinformationen. Beide lassen sich auch bei gesperrtem Bildschirm aufrufen, wenn Sie das in den Einstellungen erlaubt haben (Ärztekammer Schleswig-Holstein, 08.05.2025).
Der Nachteil: Nicht jede Helferin weiß, wo sie suchen muss, und ein leerer Akku macht die Angaben unlesbar. Deshalb gehört die Karte trotzdem ins Portemonnaie. Viele ältere Menschen kommen mit der Karte ohnehin besser zurecht als mit dem Telefon.
Notfallpass oder Notfalldose?
Beides, denn sie helfen an verschiedenen Orten. Der Notfallpass begleitet Sie unterwegs. Die Notfalldose steht in der Kühlschranktür und hilft, wenn Rettungskräfte in Ihre Wohnung kommen; zwei Aufkleber an Wohnungstür und Kühlschrank zeigen, dass es sie gibt.
Die Angaben sind fast dieselben. Am einfachsten füllen Sie beide am selben Tag aus und aktualisieren sie gemeinsam, zum Beispiel nach jedem Arztbesuch mit neuen Medikamenten. Für die Familie ist zusätzlich ein Notfallordner mit Kopien von Vollmachten, Verträgen und Versicherungen sinnvoll; was hineingehört, zeigt der Ratgeber Notfallordner für die Pflege.
Notfalldaten auf der Gesundheitskarte: was ist der Stand?
Gesetzlich Versicherte können seit 2020 einen Notfalldatensatz auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte speichern lassen, meist in der Hausarztpraxis und nur mit ihrer Einwilligung (BMG, Stand 08.01.2026). Er kann Diagnosen, Medikamente, Allergien, Hinweise auf Implantate sowie Kontaktdaten von Ärzten und Angehörigen enthalten. In einem zweiten Datensatz lässt sich festhalten, wo Organspendeausweis, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht liegen (gesund.bund.de, Stand 26.11.2024).
| Frage | Notfallpass | Notfalldaten auf der Gesundheitskarte |
|---|---|---|
| Wer kann sie lesen? | jeder, der die Karte findet | nur Ärztinnen, Ärzte und Rettungsdienst mit Heilberufsausweis und Lesegerät |
| Wer füllt aus? | Sie selbst | die Arztpraxis, nach Ihrer Einwilligung |
| Bei neuer Karte | bleibt gültig | nicht automatisch enthalten, die Praxis muss sie übertragen |
| Kontaktperson | ja | ja |
| Hinweis auf Vorsorgedokumente | ja | ja, als eigener Datensatz |
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Notfalldaten (Stand 08.01.2026); gesund.bund.de, Notfalldatensatz (Stand 26.11.2024); § 358 SGB V. Stand: 18.10.2026.
Künftig soll in der elektronischen Patientenakte zusätzlich eine elektronische Patientenkurzakte mit den wichtigsten Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen (§ 358 SGB V). Einen festen Termin, ab dem sie die Notfalldaten auf der Karte ablöst, haben wir bei unserer Prüfung am 18.10.2026 nicht gefunden. Bis dahin gilt: Fragen Sie in der Hausarztpraxis nach dem Notfalldatensatz, wenn Sie ihn noch nicht haben, und tragen Sie trotzdem einen Notfallpass bei sich.
Wann der Notfallpass nicht hilft
- Veraltete Angaben: Ein Medikament, das Sie nicht mehr nehmen, kann in die Irre führen. Aktualisieren Sie den Pass nach jeder Änderung und sonst einmal im Jahr.
- Unleserlich oder nicht auffindbar: Ein Zettel ganz hinten in der Handtasche wird nicht gefunden.
- Als Patientenverfügung: Ein Satz wie "keine Wiederbelebung" auf dem Notfallpass ersetzt keine Patientenverfügung. Diese muss schriftlich verfasst und unterschrieben sein (§ 1827 Abs. 1 BGB). Wie das geht, erklärt der Ratgeber Patientenverfügung 2026; wer für Sie entscheiden darf, regelt die Vorsorgevollmacht.
- Zu Hause, wenn niemand ihn sucht: In der Wohnung finden Helfer die Notfalldose schneller als das Portemonnaie.
Häufige Fragen
Ist ein Notfallpass Pflicht?
Nein. Er ist freiwillig. Für Implantate stellt der Hersteller einen Implantatausweis aus, den Sie bei sich tragen sollten.
Wer darf meinen Notfallpass lesen?
Jeder, der ihn findet. Schreiben Sie deshalb nur auf, was im Notfall nötig ist, und keine Kontodaten oder Passwörter.
Brauche ich einen Notfallpass, wenn meine Notfalldaten auf der Gesundheitskarte sind?
Er ist trotzdem sinnvoll. Die Daten auf der Karte können nur Ärztinnen, Ärzte und Rettungsdienst mit Lesegerät abrufen, den Notfallpass kann jeder Helfer sofort lesen.
Wie oft sollte ich den Notfallpass erneuern?
Immer, wenn sich Medikamente, Erkrankungen oder Kontaktpersonen ändern, und sonst mindestens einmal im Jahr.
Darf ich den Notfallpass für meine Mutter ausfüllen?
Ja, gemeinsam mit ihr. Gehen Sie die Angaben mit ihr und am besten mit dem Medikationsplan der Hausarztpraxis durch.
Zusammenfassung
Ein Notfallpass ist eine Karte im Portemonnaie mit Name, Kontaktperson, Erkrankungen, Medikamenten, Allergien, Implantaten und dem Hinweis auf Vorsorgedokumente. Er hilft unterwegs, die Notfalldose hilft zu Hause, die Notfalldaten auf der Gesundheitskarte helfen Ärztinnen und Ärzten mit Lesegerät. Ein Smartphone-Notfallpass ist eine gute Ergänzung, ersetzt die Karte aber nicht. Aktuell ist er nur, wenn Sie ihn nach jeder Änderung neu ausfüllen. Weitere Schritte der Vorsorge zeigt die Seite Vorsorge.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit: Notfalldaten (Stand 08.01.2026), abgerufen am 18.10.2026
- gesund.bund.de: Notfalldatensatz (NFD) auf der elektronischen Gesundheitskarte (Stand 26.11.2024, von der gematik geprüft), abgerufen am 18.10.2026
- § 358 SGB V, Elektronische Notfalldaten, elektronische Patientenkurzakte und elektronischer Medikationsplan, abgerufen am 18.10.2026
- Bundesärztekammer: Notfalldatenmanagement (NFDM), abgerufen am 18.10.2026
- § 31a SGB V, Medikationsplan, abgerufen am 18.10.2026
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, Art. 18 Implantationsausweis, abgerufen am 18.10.2026
- Ärztekammer Schleswig-Holstein: Digitaler Notfallpass auf dem Smartphone (08.05.2025), abgerufen am 18.10.2026
- § 1827 BGB, Patientenverfügung, abgerufen am 18.10.2026





