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Wundversorgung nach offener Steißbeinfistel-OP — wie läuft die Nachsorge ab?

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Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 17. Juni 2026 um 04:15

Wundversorgung nach offener Steißbeinfiste-OP

1 Antwort

Daniel Lepper
Daniel LepperExperte

Pflegefachkraft außerklinische Intensivpflege

Geantwortet vor 2 Std.

Hallo, die offene Wundbehandlung nach Sinus-pilonidalis-OP ist ein Klassiker — die Wunde wird bewusst offen gelassen und heilt sekundär von unten nach oben. Das dauert je nach Größe 6 bis 12 Wochen, manchmal länger. Geduld ist hier das wichtigste Werkzeug. So sieht die Versorgung im Alltag aus: 1. Verbandwechsel anfangs täglich, später jeden zweiten Tag. Wer das nicht selbst kann (die Stelle ist schlecht einsehbar), bekommt vom Hausarzt oder Chirurgen eine Verordnung über häusliche Krankenpflege nach § 37 SGB V — ein Pflegedienst übernimmt dann den VW. Das ist eine Leistung der Krankenkasse, nicht der Pflegekasse, und hat mit Pflegegrad nichts zu tun. 2. Wundreinigung mit physiologischer Kochsalzlösung oder einem Wundspüllösung-Antiseptikum (z. B. Octenisept, Prontosan) — je nach ärztlicher Anordnung. Bitte kein Wasserstoffperoxid, das stört die Granulation. 3. Wundauflage: Heute meist feuchte Wundbehandlung mit Alginat, Schaumstoff oder Hydrofaser, abhängig von Exsudatmenge. Klassische Tamponaden mit Salbenkompressen sind seltener geworden, kommen aber bei tiefen Höhlen noch vor. Welche Auflage genau, schreibt der Operateur in den Wundbehandlungsplan. 4. Duschen ist nach ein paar Tagen erlaubt — kurz, lauwarm, ohne Seife direkt in die Wunde, danach trocken tupfen und neu verbinden. Vollbäder und Schwimmen erst nach vollständiger Heilung. 5. Rasur der Region: Das umliegende Haar sollte regelmäßig entfernt werden (rasieren oder Enthaarungscreme), auch nach Abheilung, sonst kommt das Rezidiv. Das ist der häufigste Fehler in der Nachsorge. Worauf achten — rote Flaggen: starke Schmerzzunahme, Fieber, stinkendes oder eitriges Sekret, gerötete Wundränder, plötzliche Blutung. Dann zurück zum Operateur. Mein Tipp aus der Praxis: Lass dir den ersten Verbandwechsel vom Pflegedienst oder in der Praxis zeigen und filme ihn mit dem Handy, wenn ein Angehöriger weitermachen soll. Die Wundeinsicht ist die größte Hürde — ein zweiter Spiegel oder eine helfende Person macht den Unterschied. Und: Auch wenn die Wunde nach 4 Wochen "fast zu" aussieht, ist sie es oft nicht. Lieber eine Woche länger versorgen als ein Rezidiv riskieren.
Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit 15+ Jahren Erfahrung in der Intensiv- und häuslichen Pflege.Zum Profil
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