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Pflegekompass
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Warum zahlt die Pflegekasse, wenn am Ende die Erben profitieren?

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Pflegekompass-LeserEingereichte Frage

Gefragt 06. Juli 2026 um 04:15

Die Gemeinschaft muss zahlen, damit die Erben mehr erben??? Das klingt asozial.

1 Antwort

Daniel Lepper
Daniel LepperExperte

Pflegefachkraft außerklinische Intensivpflege

Geantwortet vor 2 Std.

Der Gedanke kommt oft, ist aber nicht ganz zu Ende gedacht. Die Pflegeversicherung ist eine Sozialversicherung, in die alle einzahlen (aktuell 3,6 % vom Brutto, Kinderlose 4,2 %). Sie soll Pflegebedürftigkeit absichern — unabhängig davon, ob jemand Vermögen hat oder nicht. Genauso wenig fragt die Krankenkasse beim Krankenhausaufenthalt, ob der Patient ein Haus besitzt. Die Leistungen decken ohnehin nur einen Teil der realen Pflegekosten. Ein Heimplatz kostet bundesweit im Schnitt 2.500–3.000 € Eigenanteil monatlich — trotz Pflegekasse. Reicht Rente und Vermögen nicht, springt das Sozialamt ein (Hilfe zur Pflege, SGB XII), und dort gibt es sehr wohl einen Vermögenscheck plus Elternunterhalt-Prüfung ab 100.000 € Jahresbrutto der Kinder. Wer also selbst gepflegt wird und Vermögen hat, bekommt zwar Pflegegeld oder Sachleistung — muss aber alles darüber hinaus aus eigener Tasche zahlen. Am Ende bleibt für die Erben oft deutlich weniger, als viele denken. Das Bild vom „geschonten Erbe auf Kosten der Solidargemeinschaft" trifft in der Praxis auf die wenigsten Fälle zu. Und der umgekehrte Fall wäre die Alternative: eine Bedürftigkeitsprüfung wie bei Sozialhilfe. Das hieße, wer vorgesorgt hat, würde bestraft — und alle müssten im Pflegefall erst ihr Erspartes aufbrauchen, bevor die Kasse zahlt. Genau das wollte der Gesetzgeber 1995 mit der Pflegeversicherung als eigenständigem Zweig verhindern.
Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit 15+ Jahren Erfahrung in der Intensiv- und häuslichen Pflege.Zum Profil
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