Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, denkt bei Entlastung meist an Tage und Wochen. Was im Alltag fehlt, sind dagegen oft nur ein paar Stunden, in denen jemand anderes im Haus ist und die eigene Aufmerksamkeit für eine Weile woanders sein darf.
Seit dem Frühjahr hat der Vater Pflegegrad 3. Er lebt mit der Mutter in Prien am Chiemsee, vergisst inzwischen Termine und Namen und fragt am Nachmittag mehrmals, wann sie zurückkommt, sobald sie nur kurz zum Bäcker geht. Versorgt wird er von der Mutter allein, die Tochter wohnt in Rosenheim und arbeitet in Vollzeit. Eine halbe Stunde Fahrt klingt nach wenig. Im Alltag bedeutet sie allerdings, dass die Tochter für jeden Arzttermin der Mutter einen halben Tag Urlaub nimmt und dass die Chorprobe am Donnerstagabend, früher ein fester Punkt in der Woche der Mutter, seit Monaten ausfällt.


