Pflegende Mitarbeiter

Wie viele Ihrer Mitarbeiter pflegen heimlich Angehörige?

Etwa jeder zehnte Beschäftigte pflegt, viele davon im Verborgenen. Die Studienlage, die Dunkelziffer und eine Hochrechnung auf Ihre Belegschaft.

Pflegekompass Business Redaktion 10 Min. LesezeitStand: 12. Juni 2026
Wie viele Beschäftigte pflegen Angehörige: Belegschaft im Büro, ein Teil davon pflegt unbemerkt einen Angehörigen zu Hause

In drei Sätzen: In den meisten Belegschaften pflegt etwa jeder zehnte Beschäftigte einen Angehörigen, ein großer Teil davon unbemerkt. Weil Betroffene das Thema verschweigen, liegt die tatsächliche Zahl oft höher, als der Führung bekannt ist. Mit dem demografischen Wandel wächst dieser Anteil weiter, was die Personalplanung jedes Mittelständlers betrifft.

  • Rund 9 bis 10 Prozent der Erwerbstätigen pflegen parallel einen Angehörigen (Quelle: Barmer Pflegereport, Statistisches Bundesamt).
  • Eine erhebliche Dunkelziffer entsteht, weil viele das Thema im Betrieb nicht ansprechen.
  • Eine einfache Hochrechnung zeigt, wie viele Personen das in Ihrer Belegschaft betrifft.
  • Der demografische Wandel lässt den Anteil in den kommenden Jahren weiter steigen.

Die Frage im Titel ist mehr als rhetorisch. Wer als Arbeitgeber die ungefähre Zahl seiner pflegenden Mitarbeiter kennt, kann das Thema einschätzen, statt es als Einzelfall abzutun. Die folgenden Abschnitte ordnen die Studienlage ein, erklären die Dunkelziffer und liefern eine Hochrechnung, die Sie auf Ihre eigene Belegschaftsgröße übertragen können.

Wie viele Beschäftigte pflegen einen Angehörigen?

Mehrere Quellen kommen zu ähnlichen Werten. In Deutschland werden laut Pflegestatistik des Statistischen Bundesamts rund 5 Millionen Menschen zu Hause versorgt, der weit überwiegende Teil durch Angehörige. Der Anteil der Erwerbstätigen, die parallel pflegen, wird in Reporten der Krankenkassen und in Studien des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) regelmäßig im Bereich von rund 9 bis 10 Prozent verortet, teils höher, wenn auch gelegentliche Unterstützung mitgezählt wird.

Wichtig ist die vorsichtige Lesart: Die Zahlen schwanken je nach Definition von Pflege und je nach Erhebungsmethode. Sie eignen sich als belastbarer Richtwert, nicht als exakte Quote für einen einzelnen Betrieb. Grobe Spannen liegen näher an der Realität als eine scheingenaue Zahl.

Warum das mehr als eine Statistik ist

Hinter jeder dieser Quoten stehen Menschen, die abends nach der Schicht noch Eltern versorgen, am Wochenende Behördenpost erledigen und nachts wach liegen. Für die Personalplanung sind das keine abstrakten Prozente, sondern konkrete Kolleginnen und Kollegen in Schlüsselrollen, deren Belastbarkeit unbemerkt sinkt.

Wer in der Belegschaft besonders betroffen ist

Die Pflegelast verteilt sich nicht gleichmäßig. Statistisch übernehmen Frauen den größeren Teil der häuslichen Pflege, und die Belastung konzentriert sich auf eine bestimmte Lebensphase. Beschäftigte zwischen Mitte 40 und Anfang 60 sind besonders häufig betroffen, weil ihre Eltern in dieser Zeit pflegebedürftig werden. Diese Gruppe ist im Betrieb oft besonders wertvoll, weil sie erfahren und eingearbeitet ist.

Hinzu kommt die sogenannte Sandwich-Generation: Beschäftigte, die gleichzeitig noch Kinder erziehen und bereits Eltern versorgen. Für die Personalplanung folgt daraus ein wichtiger Hinweis: Je nach Altersstruktur und Geschlechterverteilung Ihrer Belegschaft kann der reale Anteil deutlich über der 10-Prozent-Faustregel liegen.

Merkmal der BelegschaftTendenz beim Pflegeanteil
Hoher Anteil 45 bis 60 JahreAnteil eher über dem Durchschnitt
Überwiegend weibliche BelegschaftAnteil eher über dem Durchschnitt
Junge Belegschaft (überwiegend unter 35)Anteil eher unter dem Durchschnitt, steigend
Gemischte StrukturFaustregel rund 10 Prozent

Warum ist die Dunkelziffer so groß?

Die offiziellen Quoten unterschätzen die betriebliche Realität aus mehreren Gründen. Erstens verschweigen viele Betroffene die Pflege aus Scham oder aus Angst, als weniger belastbar zu gelten. Zweitens begreifen sich viele gar nicht als pflegende Angehörige, weil die Belastung schleichend wächst. Drittens erfassen Betriebe das Thema selten, sodass es in keiner internen Statistik auftaucht.

Für die Führung heißt das: Die Zahl der Betroffenen, die sich offen geäußert haben, ist fast immer kleiner als die tatsächliche Zahl. Wie aus dieser stillen Belastung ein konkretes betriebliches Risiko wird, beschreibt der Pillar pflegende Angehörige im Unternehmen. Die Frühwarnzeichen, an denen Sie verdeckte Fälle dennoch erahnen können, behandelt der Beitrag wenn Leistungsträger leise reduzieren.

Ein weiterer Grund für die Untererfassung: Pflege ist gesellschaftlich noch immer mit der Erwartung verknüpft, man müsse das im Privaten regeln. Viele Beschäftigte halten es schlicht nicht für ein Thema, das in den Betrieb gehört, und melden sich deshalb auch dann nicht, wenn ein Angebot existiert, von dem sie nichts wissen. Daraus folgt: Ein Pflege-Benefit muss nicht nur vorhanden, sondern auch aktiv und wiederholt kommuniziert werden, damit es die stille Mehrheit überhaupt erreicht.

Die unsichtbare Mehrheit: Wenn drei Mitarbeiter ihre Pflegesituation offen ansprechen, stehen statistisch mehrere weitere dahinter, die schweigen. Eine Planung, die nur auf die offen kommunizierten Fälle reagiert, geht an der Realität vorbei.

Warum das Verschweigen ein betriebliches Risiko ist

Das Schweigen hat eine direkte Folge für den Arbeitgeber: Er kann nicht steuern, was er nicht sieht. Solange eine Belastung verborgen bleibt, gibt es keinen Anlass, gegenzusteuern, bis die sichtbaren Symptome auftreten, also Fehltage, Reduktion oder Kündigung. Dann ist die Eskalation aber schon weit fortgeschritten. Die Dunkelziffer ist damit mehr als eine statistische Feinheit. Sie sorgt dafür, dass der Arbeitgeber strukturell zu spät erfährt, dass etwas im Gange ist.

Daraus folgt, dass das Erfassen einzelner Fälle nicht die richtige Strategie ist. Wirksamer ist ein pauschales Angebot, das allen offensteht und das genutzt werden kann, ohne dass jemand sich erst zu erkennen geben muss.

Wie viele pflegende Mitarbeiter hat mein Betrieb?

Die folgende Tabelle überträgt die rund 10 Prozent auf verschiedene Belegschaftsgrößen. Sie zeigt die statistisch zu erwartende Zahl aktuell pflegender Mitarbeiter, einen vorsichtigen Korridor, der die Dunkelziffer berücksichtigt, sowie zur Einordnung die Jahreskosten der Basisvariante eines Pflege-Concierge für die gesamte Belegschaft. Es handelt sich um Schätzwerte zur Orientierung, nicht um exakte Zahlen für Ihren Betrieb.

BelegschaftsgrößeErwartete Zahl pflegender Mitarbeiter (ca. 10 %)Korridor inkl. DunkelzifferBenefit-Jahreskosten Basis (ca. 10 € p. M.)
50 Beschäftigteca. 55 bis 8ca. 6.000 Euro
100 Beschäftigteca. 1010 bis 15ca. 12.000 Euro
250 Beschäftigteca. 2525 bis 38ca. 30.000 Euro
500 Beschäftigteca. 5050 bis 75ca. 60.000 Euro
1.000 Beschäftigteca. 100100 bis 150ca. 120.000 Euro

Schon bei 100 Beschäftigten sprechen wir also über rund 10 bis 15 Personen, die parallel zur Arbeit einen Angehörigen versorgen. Jede dieser Personen ist ein potenzieller Eskalationsfall, dessen Verlust ein Vielfaches eines Pflege-Benefits kostet, wie der Beitrag was ein pflegender Mitarbeiter wirklich kostet vorrechnet. Wie sich die Jahreskosten in der rechten Spalte auf die Varianten aufteilen, zeigen die Preise im Überblick.

So lesen Sie die Hochrechnung für Ihre Größe: Wenn Sie 50 Beschäftigte haben, dann pflegen davon rechnerisch rund 5, mit Dunkelziffer 5 bis 8. Wenn Sie 250 Beschäftigte haben, dann sind es rund 25, im Korridor 25 bis 38, und die Basisvariante kostet rund 30.000 Euro im Jahr. Wenn Sie über 500 Beschäftigte führen, dann ist statistisch fast sicher mehr als ein akuter Pflegefall pro Quartal in Ihrer Belegschaft aktiv, ohne dass die Führung davon weiß. Liegt Ihr Altersschnitt hoch oder ist die Belegschaft überwiegend weiblich, verschieben Sie den jeweiligen Wert nach oben.

Wie Sie Ihren eigenen Wert schärfen

Die 10-Prozent-Faustregel ist ein Startpunkt. Nach oben verschieben Sie ihn, wenn Ihre Belegschaft einen hohen Anteil an Beschäftigten zwischen 45 und 60 Jahren hat oder überwiegend weiblich ist, da beide Gruppen statistisch stärker pflegen. Eine anonyme Mitarbeiterbefragung kann die reale Quote zusätzlich annähern, ersetzt die grobe Hochrechnung aber nicht, weil auch in Befragungen nicht jeder offen antwortet.

Was die Zahlen für Ihr Handeln bedeuten

Aus der Hochrechnung folgt eine klare Konsequenz: Eine Maßnahme, die nur einzelne, offen bekannte Fälle adressiert, greift zu kurz. Sinnvoll ist ein Angebot, das pauschal der gesamten Belegschaft offensteht und ohne Antrag bei der Führungskraft genutzt werden kann. Nur so erreicht es auch die stille Mehrheit, die ihre Pflegesituation verschweigt.

Das leistet ein arbeitgeberfinanzierter Pflege-Concierge: Er steht allen Mitarbeitern und ihren nahen Angehörigen offen, vertraulich und ohne dass jemand seine Betroffenheit vorab offenlegen muss. Damit deckt er nicht nur die wenigen sichtbaren, sondern die vielen unsichtbaren Fälle ab, die das eigentliche Risiko bilden. Der Aufwand für den Arbeitgeber bleibt dabei gering, weil das Angebot pauschal für die Belegschaft abgeschlossen wird und keine Einzelfallprüfung in der Personalabteilung erfordert.

Der demografische Ausblick

Die Zahl wird nicht sinken, sondern steigen. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland wächst seit Jahren deutlich (Quelle: Statistisches Bundesamt), während die geburtenstarken Jahrgänge ins pflegebedürftige Alter kommen und gleichzeitig weniger Erwerbstätige nachrücken. Gleichzeitig ist professionelle Pflege knapp. Damit verschiebt sich immer mehr Versorgung auf Angehörige, also auf Ihre Mitarbeiter.

Diese wachsende Lücke zwischen Pflegebedarf und verfügbarer Versorgung ist der eigentliche Treiber. Hier setzen wir an: Was sonst bei der berufstätigen Familie hängenbleibt, übernehmen wir, indem wir die Organisation des Pflegefalls in die Hand nehmen. Für den Arbeitgeber ist das keine Frage des Ob, sondern des Wann er reagiert.

Zwei Trends, die sich verstärken

Zwei Entwicklungen laufen gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Erstens steigt die Zahl der Pflegebedürftigen, weil die geburtenstarken Jahrgänge altern. Zweitens schrumpft die Zahl der Erwerbstätigen, die diese Versorgung schultern könnten, und professionelle Pflegeplätze sind knapp. Das Ergebnis ist, dass immer mehr Versorgung in die Familien zurückverlagert wird, also zu Ihren Mitarbeitern.

Für die Personalplanung heißt das: Der Anteil pflegender Beschäftigter wird in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht stabil bleiben, sondern wachsen. Ein heute als Randthema behandelter Aspekt wird in einigen Jahren als zentrales Bindungsthema zurückkehren. Wie ein Arbeitgeber gegensteuern kann, ordnet der Pillar pflegende Angehörige im Unternehmen ein.

EntwicklungRichtungWirkung auf die Belegschaft
Zahl der PflegebedürftigensteigtMehr Mitarbeiter werden zu pflegenden Angehörigen
Zahl der ErwerbstätigensinktWeniger Schultern verteilen mehr Pflegelast
Verfügbare professionelle PflegeknappMehr Versorgung verlagert sich in die Familien
Zur Einordnung: Ein arbeitgeberfinanzierter Pflege-Concierge organisiert die Versorgung und ersetzt weder die gesetzliche Pflegeversicherung noch die gesetzliche Pflegeberatung nach Paragraf 7a SGB XI. Eine betriebliche Pflege-Zusatzversicherung wäre ein optionaler Ergänzungsbaustein. Die steuerfreie Gestaltung nach Paragraf 3 Nr. 34a EStG ist im Einzelfall mit dem Steuerberater zu prüfen.

Was die Zahlen für die Planung bedeuten

Etwa jeder zehnte Beschäftigte pflegt einen Angehörigen, ein großer Teil davon unbemerkt. Die Studienlage liefert einen belastbaren Richtwert, die wahre Zahl liegt wegen der Dunkelziffer meist höher, besonders bei einer älteren oder überwiegend weiblichen Belegschaft. Eine einfache Hochrechnung zeigt, dass schon ein mittelständischer Betrieb mit 250 Beschäftigten rund 25 bis 38 pflegende Mitarbeiter hat. Der demografische Wandel lässt diesen Anteil weiter steigen, weil mehr Pflegebedürftige auf weniger Erwerbstätige und knappe professionelle Pflege treffen. Mit Kenntnis des Ausmaßes lässt sich früh handeln, lange vor dem ersten sichtbaren Kündigungsfall, und ein Angebot schaffen, das pauschal und vertraulich auch die stille Mehrheit erreicht.

Häufige Fragen

Wie viele Beschäftigte pflegen einen Angehörigen?

Rund 9 bis 10 Prozent der Erwerbstätigen pflegen parallel zur Arbeit einen Angehörigen. Die genaue Quote schwankt je nach Definition von Pflege und Erhebungsmethode. Wegen der hohen Dunkelziffer ist die tatsächliche Zahl in Betrieben meist höher als die offen kommunizierte.

Warum gibt es eine so große Dunkelziffer?

Viele Betroffene verschweigen die Pflege aus Scham oder aus Angst, als weniger belastbar zu gelten. Andere begreifen sich gar nicht als pflegende Angehörige, weil die Belastung schleichend wächst. Zudem erfassen Betriebe das Thema selten, sodass es in keiner internen Statistik auftaucht.

Wie viele pflegende Mitarbeiter hat mein Betrieb?

Als Faustregel etwa 10 Prozent der Belegschaft. Bei 100 Beschäftigten sind das rund 10 bis 15 Personen, bei 250 rund 25 bis 38, bei 500 rund 50 bis 75. Das sind Schätzwerte zur Orientierung, keine exakten Zahlen, da die reale Quote von Ihrer Belegschaftsstruktur abhängt.

Wird die Zahl in Zukunft steigen?

Ja. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst seit Jahren deutlich, während weniger Erwerbstätige nachrücken und professionelle Pflege knapp bleibt. Dadurch verschiebt sich immer mehr Versorgung auf Angehörige. Der Anteil pflegender Mitarbeiter in den Belegschaften wird daher voraussichtlich weiter zunehmen, was das Thema von einem Randthema zu einem zentralen Bindungsthema macht.

Was bedeutet das für die Personalplanung?

Pflege ist kein Einzelfall, sondern ein struktureller Faktor in fast jeder Belegschaft. Eine Planung, die nur auf offen kommunizierte Fälle reagiert, geht an der Realität vorbei. Sinnvoll ist eine Maßnahme, die allen pflegenden Mitarbeitern offensteht und die teure Eskalation früh verhindert, idealerweise pauschal und vertraulich, damit sie auch die stille Mehrheit erreicht.

Kann ich die genaue Zahl in meinem Betrieb ermitteln?

Nur näherungsweise. Eine anonyme Mitarbeiterbefragung nähert die reale Quote an, ersetzt die Hochrechnung aber nicht, weil auch dort nicht jeder offen antwortet. Hat Ihre Belegschaft viele Beschäftigte zwischen 45 und 60 Jahren oder ist sie überwiegend weiblich, liegt der Anteil eher über der 10-Prozent-Faustregel, die als grober Startwert dient.

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